Krawalle nach Wahlen hält an : Mob in Bolivien treibt Bürgermeisterin durch die Straßen

Präsident Morales hat sich zum Wahlsieger erklärt. Anhänger der Opposition erkennen das Ergebnis nicht – und misshandeln nun eine Gegnerin schwer.

Bürgermeisterin Patricia Arc spricht nach ihrer Misshandlung mit Medienvertretern.
Bürgermeisterin Patricia Arc spricht nach ihrer Misshandlung mit Medienvertretern.Foto: AFP

In einem Ausbruch neuer Gewalt im Zusammenhang mit den umstrittenen Präsidentschaftswahlen im vergangenen Monat haben Demonstranten am Mittwoch die Bürgermeisterin einer Kleinstadt in Bolivien misshandelt und entführt. Dies berichtet die "New York Times" am Freitag unter Berufung auf Zeugen.

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Streit um Wahlergebnis in Bolivien
Streit um Wahlergebnis in Bolivien

Demnach schnitten die Protestler ihr gewaltsam Haare ab, überkippten sie mit roter Farbe, ließen sie ein improvisiertes Rücktrittsschreiben unterschreiben und trieben sie dann barfuß durch die Straßen. Das Rathaus der Stadt Vinto wurde offenbar in Brand gesteckt.

Die Demonstranten beschuldigten Bürgermeisterin Patricia Arce dem Bericht zufolge, einen regierungsfreundlichen Mob organisiert zu haben, der am Mittwoch versuchte, eine regierungsfeindliche Blockade aufzulösen. Dabei war ein Regierungsgegner ums Leben gekommen.

Der 20-jährige Student habe in der zentralbolivianischen Stadt Cochabamba schwere Verletzungen erlitten, an denen er im Krankenhaus gestorben sei, berichtete die Zeitung „La Razón“ in der Nacht auf Donnerstag. Es ist das dritte Todesopfer bei Kundgebungen für und gegen die Wiederwahl von Präsident Evo Morales vom 20. Oktober. Dem Bericht zufolge, der sich auf die Ombudsstelle des Landes beruft, wurden bei den Zusammenstößen am Mittwoch 89 Menschen verletzt.

Arce ist Mitglied der Partei von Morales. Die Gewalt hält an, seit die Wahlkommission Morales' Sieg verkündete. Der Sozialist, der das Land seit 13 Jahren regiert, hat demnach ganz knapp zehn Prozentpunkte Vorsprung vor seinem wichtigsten Herausforderer, dem Konservativen Carlos Mesa.

Die Gegner von Morales sprechen von Wahlbetrug

Die Opposition erkennt das Ergebnis nicht an und spricht von Wahlbetrug. Die Wiederwahl für eine vierte Amtszeit ist gegen die Verfassung, in einem Referendum sprach sich auch eine knappe Mehrheit gegen eine weitere Kandidatur von Morales aus. Regierungstreue Richter am Verfassungsgericht gaben jedoch grünes Licht dafür.

Die Wahlbeobachtermission der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hatte große Unregelmäßigkeiten bei der Auszählung der Stimmzettel kritisiert und für eine Stichwahl plädiert. Die Beobachter prüfen seit knapp einer Woche die Wahlergebnisse. Sie verurteilten die Gewalt der vergangenen Tage und riefen die Bevölkerung auf, in Ruhe auf die Ergebnisse der Überprüfung zu warten. Morales will unbedingt eine zweite Runde vermeiden, weil sich die zersplitterte Opposition zusammenschließen könnte. (Tsp, epd)

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