• „Letzte Generation, die noch etwas tun kann“: Klimaaktivistin Rackete ruft zum zivilen Ungehorsam auf

„Letzte Generation, die noch etwas tun kann“ : Klimaaktivistin Rackete ruft zum zivilen Ungehorsam auf

Rackete wurde bekannt als Seawatch-Kapitänin. Nun engagiert sie sich stärker für Klimaschutz – die politischen Entscheidungen hätten „katastrophale Folgen“.

Die Aktivistin Carola Rackete bei einer Blockade der Klimabewegung „Extinction Rebellion“ (Archiv).
Die Aktivistin Carola Rackete bei einer Blockade der Klimabewegung „Extinction Rebellion“ (Archiv).Foto: Christophe Gateau/dpa

Die Klimaaktivistin Carola Rackete ruft zu zivilem Ungehorsam der Bürger auf, um die Politik zu mehr Ehrgeiz im Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe zu bewegen. Dies sei unbedingt notwendig, weil im Moment viele politische Entscheidungen mit „katastrophalen Folgen“ getroffen würden, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Wir sind die letzte Generation, die noch etwas tun kann. Für zukünftige Generationen wird es zu spät sein, um den Klimawandel als existenzielle Krise noch aufzuhalten.“

Rackete ist als Kapitänin eines Rettungsschiffs für Bootsflüchtlinge bekannt geworden und inzwischen auch für die Klimabewegung Extinction Rebellion aktiv. Vor ihrer Tätigkeit als Kapitänin der „Seawatch-3“ war Rackete als nautische Offizierin auf Forschungsschiffen des Alfred-Wegener-Instituts, von Greenpeace und für British Antarctic Surveys unterwegs. Sie erlangte zudem einen Master-Abschluss in Naturschutzmanagement (Conservation Management), den sie von 2015 bis 2018 an der Edge Hill University im englischen Ormskirk absolvierte.

Sie sagte weiter, die Bürger müssten verstehen, „dass wir in allem, was wir tun, und auch mit allem, was wir nicht tun, natürlich das aktuelle System unterstützen“. Auch Nichthandeln ziehe krasse Konsequenzen nach sich. „Sollte sich das Erdklima tatsächlich um zwei Grad erwärmen, dann setzen wir physikalische Prozesse in Gang, die wir nicht mehr umkehren können. Ich glaube, das haben in der Dramatik viele noch nicht verstanden.“

Klimaflüchtlinge auch in Europa

Der Klimawandel werde auch innerhalb Europas Fluchtbewegungen auslösen. Manche Regionen würden etwa extrem unter Wasserknappheit leiden, es werde mehr Überschwemmungen geben. „Und die Niederschläge fallen irgendwo, wo sie nicht geplant sind, oder zu anderen Zeiten. Für die Landwirtschaft ist das ein unglaubliches Problem.“

Schon jetzt hat sich die Erde nach Befunden des Weltklimarats um rund ein Grad aufgeheizt im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Und die vergangenen vier Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Zu den Folgen zählen mehr extreme Wetterereignisse, also je nach Region mehr Hitzewellen, Dürren und Waldbrände, aber auch Stürme, Überschwemmungen und Starkregen. Und das ist erst der Anfang: Geht es weiter wie bisher, läge der Temperaturanstieg Ende des Jahrhunderts bei 3,4 bis 3,9 Grad. Angestrebt werden aber maximal 1,5 Grad, um die gefährlichsten Kipppunkte im Ökosystem zu umschiffen. (dpa, Tsp)

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