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Nach Abkommen mit den USA : Taliban gehen wieder gegen afghanische Streitkräfte vor

Nur ausländische Truppen wollen die Taliban nicht angreifen. Sie verlangen die Freilassung ihrer Gefangenen, bevor sie mit Kabul über Frieden reden.

Taliban-Führer Mullah Abdul Ghani Baradar (r.), und der US-Sonderbeauftragte Zalmay Khalilzad nach Vertragsunterzeichnung.
Taliban-Führer Mullah Abdul Ghani Baradar (r.), und der US-Sonderbeauftragte Zalmay Khalilzad nach Vertragsunterzeichnung.Foto: REUTERS/Ibraheem al Omari

Zwei Tage nach der Unterzeichnung des Abkommens zwischen den Taliban und den USA hat die Miliz das Ende der Teil-Waffenruhe erklärt und neue Angriffe auf afghanische Streitkräfte angekündigt. „Die Verringerung der Gewalt“ sei „nun vorbei und unsere Operationen werden fortgesetzt wie normal“, sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid am Montag.

Dem Abkommen mit den USA entsprechend „werden unsere Mudschaheddin keine ausländischen Truppen angreifen, aber unsere Aktionen gegen die Kräfte der Kabuler Regierung werden fortdauern“, sagte der Taliban-Sprecher.

Über Frieden im Land wollten sie erst nach Freilassung von rund 5000 ihrer Gefangenen mit der Regierung sprechen. „Falls unsere 5000 Gefangenen – 100 oder 200 mehr oder weniger spielen keine Rolle – nicht freigelassen werden, gibt es keine inner-afghanischen Gespräche“, sagte Mudschahid der Nachrichtenagentur Reuters.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte, es werde geprüft, ob die Teil-Waffenruhe tatsächlich aufgekündigt worden sei. Am Montag starben bei einem Anschlag im Osten Afghanistans laut Polizei mindestens drei Menschen, elf weitere wurden verletzt. Die Bombe wurde demnach bei einem Fußballspiel in der Provinz Khost gezündet. Den Anschlag reklamierte zunächst niemand für sich.

Die USA hatten am Samstag in Doha ein Abkommen geschlossen, wonach die Gefangenen auf freien Fuß kommen. Der afghanische Präsident Aschraf Ghani wies dies aber umgehend zurück. „Die USA haben nicht die Befugnis zu entscheiden, sie sind lediglich der Moderator“, hatte er gesagt. Laut dem Abkommen sollen die Regierung in Kabul und die radikalislamischen Taliban am 10. März direkte Gespräche aufnehmen. Diese innerafghanischen Gespräche könnten nun auf der Kippe stehen.

Die US-Regierung und die Taliban hatten sich darauf geeinigt, zügig auf einen Gefangenenaustausch zu dringen. Der Schritt sollte als eine vertrauensbildende Maßnahme dienen. Vorgesehen war, dass die afghanische Regierung bis zu 5000 Taliban-Kämpfer aus heimischen Gefängnissen entlässt und die Islamisten im Gegenzug bis zu 1000 Gefangene freigeben.

Mit ihrem Vertrag weckten die USA und die Taliban Hoffnungen auf ein Ende des seit über 18 Jahren andauernden Krieges in Afghanistan, in dem Zehntausende von Menschen ums Leben kamen. Zentrale Abmachung ist ein Plan für den Abzug aller ausländischen Truppen aus dem Land binnen 14 Monaten.

Voraussetzung dafür ist aber, dass sich die Taliban an ihre Zusagen halten. Dazu gehören eine Waffenruhe und bestimmte Sicherheitsgarantien. So verpflichten sich die Taliban, bestimmten militanten Gruppen keinen Unterschlupf zu bieten. (AFP/Reuters)

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