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Nach Eskalation in Ellwangen : Abschiebung in Müllheim – drei Polizisten verletzt

In Baden-Württemberg hat die Polizei erneut hart durchgegriffen, um einen Asylbewerber zur Abschiebung abzuholen. Der Nigerianer war zunächst durch ein Fenster geflüchtet.

Claudia Malangre
Zuletzt hatte die Polizei in einer Flüchtlingsunterkunft in Ellwangen hart durchgegriffen.
Zuletzt hatte die Polizei in einer Flüchtlingsunterkunft in Ellwangen hart durchgegriffen.Foto: Stefan Puchner/dpa

Im baden-württembergischen Müllheim ist es erneut zu Gewalt beim Durchsetzen einer Abschiebung gekommen. Am Freitagmorgen wollten Polizeibeamte einen 31-jährigen Nigerianer zur Abschiebung aus seiner Wohnung abholen. Die Tür mussten sie dabei gewaltsam öffnen, da der Bewohner den Polizisten den Zutritt verweigerte. In seinem Zimmer wehrte sich der 31-Jährige heftig und flüchtete schließlich durch einen Sprung aus circa 2,50 Meter Höhe aus dem Fenster.

Die Polizisten fahndeten weiter nach ihm und fassten ihn schließlich bei seiner ehemaligen Wohnanschrift. Dort leistete der Nigerianer erneut Widerstand. "Die Festnahme musste daher unter Anwendung körperlichen Zwangs und Einsatz von Reizstoff vollzogen", heißt es in einer Mitteilung der Polizei.

Der Festgenommene erlitt bei der Festnahme leichte Blessuren. Bei dem Einsatz wurden zudem auch drei Polizeibeamte leicht verletzt.

Nach dem Vorfall informierte die Polizei das zuständige Regierungspräsidium in Karlsruhe. Die Behörde bemüht sich derzeit um die Anordnung der Abschiebehaft. Gegen den Nigerianer führt das Polizeirevier Müllheim nun strafrechtliche Ermittlungen.

Der Mann war nach Aktenlage bislang nicht als Straftäter aufgefallen. In seinem Umfeld galt er jedoch als aggressiv und es liegen Hinweise auf eine psychische Erkrankung vor, so die Polizei.

Diese Woche hatte bereits ein ähnlicher Vorfall Aufmerksamkeit erregt. Die Polizei hatte am Donnerstagmorgen eine Großrazzia in einer Flüchtlings-Unterkunft im baden-württembergischen Ellwangen gestartet, nachdem zahlreiche Asylbewerber die Abschiebung eines Mannes aus Togo durch massiven Protest verhindert hatten.

Togoer aus Ellwangen soll nach Italien überstellt werden

Der im Zentrum der Vorfälle im Ellwanger Flüchtlingsheim stehende Togoer sitzt in Abschiebehaft. Der 23-Jährige warte dort auf seine Überstellung nach Italien, erklärte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) am Freitag in Stuttgart.
Nach Angaben Strobls beantragten die Behörden noch am Mittwoch die Abschiebehaft, ein Richter folgte am Abend diesem Ansinnen. "Wir wollen die Ausreisepflicht rasch durchsetzen und reizen alles aus, um den Aufenthalt in unserem Land zu beenden", teilte der Minister mit. In Baden-Württemberg gebe es weder "Staatsversagen" noch "rechtsfreie Räume". Recht und Gesetz würden durchgesetzt. (mit AFP)

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