„NSU-2.0“-Drohschreiben : Frankfurter Polizist vorübergehend festgenommen

Rechtsextreme Drohungen gab es nicht nur gegen den ermordeten Walter Lübcke. Die Anwältin Basay-Yildiz war Ziel des „NSU 2.0“. Jetzt gibt es neue Entwicklungen.

Das 1. Polizeirevier auf der Zeil in Frankfurt am Main.
Das 1. Polizeirevier auf der Zeil in Frankfurt am Main.Foto: Boris Roessler/dpa

Im Zusammenhang mit rechtsextremen Drohfaxen, die im vergangenen Jahr an die Frankfurter Rechtsanwältin Version Seda Basay-Yildiz verschickt wurden, ist ein Polizeibeamter am Dienstag vorläufig festgenommen wurden. Das berichten "Zeit" und "Frankfurter Rundschau" in ihren Online-Ausgaben.

Die Juristin, die als Nebenkläger-Anwältin auch im NSU-Prozess auftrat, wird regelmäßig von Rechtsextremen bedroht. Am 2. August 2018 ging bei ihr ein Fax ein, in dem sie als "miese Türkensau" beleidigt und Morddrohungen gegen ihre Tochter ausgesprochen werden.

Die Ermittlungen hatten damals ergeben, dass ein mutmaßlich rechtsextremes Netzwerk in der hessischen Polizei hinter den Drohungen steckte. Nach den aktuellen Informationen der "Zeit" wurde einer der Beamten nun wegen des Tatvorwurfs der Bedrohung und Volksverhetzung festgenommen. Die Polizei habe seine Wohnräume in Frankfurt und dem mittelhessischen Kirtorf durchsucht. Der 30-jährige Polizist sei seit dem vergangenen Jahr vom Dienst suspendiert.

Rassistische und menschenverachtende Gruppe

Bereits ermittelte wurde, dass eine Beamtin eines Reviers in der Frankfurter Innenstadt über ihren Computer die Einträge im Melderegister zu Basay-Yildiz abgefragt hatte. Dafür gab es keinen dienstlichen Anlass. Die Ermittler fanden zudem heraus, dass die Polizistin mit vier Kollegen bei WhatsApp eine Chatgruppe gebildet hatte, in der Hitlerbilder, Hakenkreuz und rassistische Parolen kursierten. Der jetzt festgenommene Polizist war Mitglied dieser Gruppe.

Fünf der Polizisten, so auch der 30-jährige Beamte, waren in der 3. Dienstgruppe des 1. Reviers in Frankfurt eingesetzt. Von der Wache an der Haupteinkaufsstraße Zeil aus soll erstmals am 2. August 2018 um 15.41 Uhr an Başay-Yıldız ein Fax verschickt worden sein. Auf dem Briefkopf stand: "Dieses kostenlose Fax wurde Ihnen von Uwe Böhnhardt geschickt." Als Absender wurde "NSU 2.0" genannt. Bis heute konnte nicht abschließend geklärt werden, wer vor einem knappen Jahr das Fax verschickt hat.

Der 30-jährige Polizeibeamte sei mittlerweile wieder auf freiem Fuß, da die Voraussetzungen für einen Haftbefehl aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht vorlagen, berichtet die "Zeit". Es werde aber "selbstverständlich" weiter gegen ihn ermittelt, bestätigte die zuständige Frankfurter Staatsanwaltschaft der Zeitung. (Tsp)

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