• Politiker, Journalisten, Hausärzte : Welche Berufsgruppe bei den Bürgern unten durch ist und welche noch Respekt genießt

Politiker, Journalisten, Hausärzte : Welche Berufsgruppe bei den Bürgern unten durch ist und welche noch Respekt genießt

Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat nach dem Ansehen verschiedener Berufsgruppen gefragt. Ein Ergebnis: Politiker verlieren besonders stark an Ansehen.

Janne Görlach
Olaf Scholz spricht im Bundestag.
Olaf Scholz spricht im Bundestag.Foto: imago images/Christian Spicker

Wüste Beleidigungen gegen Politiker und Journalisten in sozialen Medien, tätliche Angriffe auf Polizisten im Dienst oder die Behinderung der Arbeit von Rettungskräften: Respektlosigkeit gegenüber Angehörigen dieser Berufsgruppen äußert sich nicht selten in feindseligen Attacken.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat nun eine Umfrage veröffentlicht, die zeigt, wie hoch das Ansehen verschiedener Berufsgruppen in der Gesellschaft ist - und ob sich dieses gegenüber früher verändert hat.

Nur ein Viertel der Befragten ist laut der am Mittwoch veröffentlichten Umfrage der Auffassung, dass Politiker ein gutes Ansehen in der Gesellschaft genießen. Fast die Hälfte gab an, früher mehr Respekt vor Politikern gehabt zu haben. Auch Journalisten bewegen sich auf der Rangliste ganz unten.

„Hass ist keine Meinung“, twittert die Konrad-Adenauer-Stiftung über einem Bild von Renate Künast. Der Tweet ist Teil der Kampagne „Respekt.los“, die mit der Veröffentlichung der Umfrage startet. Der Fall Künast ist eines der prominentesten Beispiele dafür, welchem Hass insbesondere Politikerinnen in ihrer täglichen Arbeit ausgesetzt sind: Erst im September sorgte das Urteil des Landgericht Berlins über die Zulässigkeit von üblen Beschimpfungen gegen die Grünen-Politikerin Künast für viel Aufmerksamkeit und Empörung.

Zunehmende Gewalt von Rechtsextremen gegenüber Journalisten

Hendrik Zörner, Sprecher des Deutschen Journalisten-Verbands, ist nicht überrascht über die geringe Anerkennung von Journalisten. Das sei zwar nicht schön, aber seit vielen Jahren relativ konstant. „Ich sehe hier eher ein ambivalentes Verhältnis der Bürger zu unserem Berufsstand am Werk: Einerseits will jeder den neuesten Politskandal kennen, andererseits gelten die Aufklärer hierzulande schnell als Nestbeschmutzer“, sagt Zörner. Eine wirklich beängstigende Entwicklung sei allerdings die zunehmende Gewalt von Rechtsextremen gegenüber Journalisten. „Hier ist vor allem die Polizei gefragt, bei Demonstrationen Journalisten besser zu schützen.“

Rettungskräfte landeten immerhin auf Platz vier der Umfrage. 57 Prozent der Befragten schreiben der Berufsgruppe ein gutes Ansehen in der Gesellschaft zu. In Anbetracht der Arbeit der Rettungskräfte ist dies allerdings auch kein wirklich guter Wert.

Rettungssanitäter landen beim Ansehen mit 57 Prozent auf Platz vier der Berufsgruppen
Rettungssanitäter landen beim Ansehen mit 57 Prozent auf Platz vier der BerufsgruppenFoto: Thilo Rückeis/Tagesspiegel

Marco König, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst beschreibt, wohin mangelnder Respekt im Arbeitsalltag der Rettungskräfte führen kann: „Wir haben bei dem Einsatz auf der Straße vermehrt ein Problem mit Neugierigen, die mit ihrem Smartphone möglichst nah an den Einsatzort wollen und damit die Arbeit der Rettungskräfte behindern.“ Genaue Zahlen zu tätlichen Übergriffen auf Rettungskräfte gebe es leider nicht. Denn die Statistik unterscheide nicht zwischen Angriffen auf Polizei oder andere Rettungskräfte.

Polizisten landen mit 45 Prozent im Mittelfeld, ihr Ansehen hat sich merklich verschlechtert. Immerhin 31 Prozent der Befragten gaben an, dass sie früher mehr Respekt vor Polizisten hatten.

Das höchste Ansehen genießen Hausärzte

Das höchste Ansehen genießen laut der Umfrage Hausärzte: Drei Viertel der Befragten schrieben der Berufsgruppe ein hohes Vertrauen in der Gesellschaft zu. Einen deutlichen Ansehensverlust hingegen hat die Berufsgruppe der Lehrer zu verzeichnen: 42 Prozent der Befragten gaben an, früher mehr Vertrauen in Lehrer gehabt zu haben.               

Die Umfrage führte das Institut Kantar im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung durch. Die repräsentativen Ergebnisse beruhen auf den Antworten von rund 1000 Wahlberechtigten, die beantworteten, welche Berufsgruppen in der Gesellschaft "sehr viel", "viel", "etwas", "wenig" oder "sehr wenig" Respekt genießen. Außerdem fragten die Meinungsforscher ab, ob diesen Berufsgruppen früher mehr oder weniger Anerkennung entgegengebracht wurde.

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