Strategische Handelswege : China will die Seidenstraße bis nach Syrien nutzen

Syrien ist vom Krieg zerstört. Doch beim Wiederaufbau des Landes stößt China in die geopolitische Lücke, die der Westen bereitwillig lässt.

Daniel Kestenholz
Lebensmittel zwischen Trümmern. Ein Syrer wässert die Pflanzen, die er auf einer Ruine angebaut hat.
Lebensmittel zwischen Trümmern. Ein Syrer wässert die Pflanzen, die er auf einer Ruine angebaut hat.Foto: Amer Almohibany/AFP

Die Seidenstraßen-Initiative Pekings, mit der China seinen wirtschaftlichen Einflussbereich über frühere Sowjetrepubliken bis nach Europa zu stärken versucht, bezieht auch den Nahen Osten als Bindeglied mit ein. Neues Ziel des Seidenstraße-Wirtschaftsgürtels, für die 900-Milliarden-Dollar vorgesehen sind, ist Syrien, das nach fast sieben Jahren Krieg wieder auf die Beine zu kommen versucht. China stößt wieder einmal in geopolitische Lücken, die der Westen bereitwillig der großen Macht im fernen Osten überlässt.

Allen voran sind chinesische Unternehmen bereit, beim Wiederaufbau des kriegsgebeutelten Landes zu helfen. In diesem Jahr haben mehr als 30 Firmen ein Syrien besucht, das in den strategischen Erwägungen Chinas eine wichtige Rollen übernehmen soll, indem Peking sein neues Seidenstraßennetz auch über den Nahen Osten auswirft.

China hat bereits zwei Milliarden Dollar für den Wiederaufbau zugesagt

Während Europa weiter Flüchtlinge aus Syrien aufnimmt und weder Mittel noch Interesse hat, beim Wiederaufbau Syriens eine tragende Rolle zu übernehmen, positionieren sich die „Siegermächte“, um Anteile von Syrien zu beanspruchen. Dabei hat die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt anlässlich einer Syrien-Handelsmesse in Peking bereits zwei Milliarden Dollar für Wiederaufbauprojekte zugesagt.

China scheint entschlossen, bei der Zukunft Syriens eine Führungsrolle zu übernehmen. Peking pflegt bereits enge Beziehungen mit Syriens Präsident Baschar al-Assad und sieht jetzt eine große Chance kommen, da Syrien nach einem katastrophalen Bürgerkrieg und dem Zusammenbruch des „Islamischen Staats“ (IS) auf Frieden zusteuert.

Auch die Wirtschaft interessiert sich für das kriegszerstörte Land

Unter den chinesischen Besuchern in Syrien waren in diesem Jahr auch die Bauriesen China Energy Engineering Corporation und China Construction Fifth Engineering Division. Hauptthema der Gespräche waren Berichten zufolge große Infrastrukturprojekte.

Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua bestätigte im Oktober, dass die Regierung von Präsident Xi Jinping bereit sei, sich am Wiederaufbau des kriegszerstörten Landes zu beteiligen. Das zuständige chinesische Ministerium genehmigte bereits eine Reihe von ersten Hilfsprojekten.

Neben Russland und dem Iran hat auch China während des Krieges Damaskus substantielle Unterstützung gewährt. Die Kosten für den Wiederaufbau werden schwindelerregend hoch sein. Nach fast sieben Jahren Krieg liegen weite Teile des Landes und die Wirtschaft in Trümmern. Das staatliche chinesische Webportal china.org.cn schätzt die kriegsverursachten Zerstörungen und Verluste auf rund 226 Milliarden Dollar. Noch im Jahr 2010 wies Syrien laut der Weltbank eine viermal höhere Wirtschaftsleistung auf, als heute.

Sogar ein chinesischer Zugang zum Mittelmeer ist denkbar

Die bei den Friedensgesprächen im kasachischen Astana beschlossenen Sicherheitszonen haben es der Regierung Assads ermöglicht, die Kontrolle über weite Teile des Landes wiederzuerlangen, einschließlich der Gebiete mit strategischen Öl- und Gasfeldern.

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Mit strategischen Investitionen in Syrien dürfte China auch Zugang zu den syrischen Mittelmeerhäfen Latakia und Tartus erhalten, was im größeren Zusammenhang ganz neue Perspektiven für Chinas anvisierten neuen Handelskorridor zwischen Ost und West eröffnet.

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