Streit um Kommunion : Kardinal Marx hat sich wohl verrechnet

Der Papst zitiert den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz nach Rom - ein Erfolg für seine Kritiker um Kardinal Woelki. Ein Kommentar.

Kontrahenten bei der Kommunion: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (links), und der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki.
Kontrahenten bei der Kommunion: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (links), und der Kölner...Foto: Oliver Berg/dpa

Reinhard Marx – wer den Namen noch nicht kennt, muss ihn sich merken. Denn der 64-Jährige ist, ungeachtet der Assoziation beim Namen, ein überaus wichtiger Mann der katholischen Kirche: Er ist Kardinal und Erzbischof von München und Freising sowie Metropolit der zugehörigen Kirchenprovinz. Marx ist Vorsitzender der deutschen und dazu der bayerischen Bischofskonferenz. Außerdem war er bis vor Kurzem Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft, was ihn in den achtköpfigen Kardinalsrat brachte, der Papst Franziskus bei einer Reform der Kurie beraten soll. Marx koordiniert seit 2014 den Wirtschaftsrat für administrative Aufgaben. Und das alles, wohlgemerkt, ist eine Auswahl. Manche sagen, Marx neige zur Ämterfülle.

Genau diesen wichtigen Vertreter der katholischen Kirche hat Franziskus im Streit um die Kommunion für evangelische Christen nach Rom zitiert. Damit hat Marx wohl nicht gerechnet. Die Bischofskonferenz formulierte den höchst ungewöhnlichen Vorgang lieber so: Marx habe „der Wunsch des Heiligen Vaters erreicht, wonach dieser vorschlägt, in der Sache ein Gespräch in Rom zu führen“. Allerdings! Denn erstens hat es das lange nicht gegeben. Zweitens haben sich sieben deutsche Bischofskollegen mit Kritik direkt an den Papst gewandt. Ein ähnlicher Vorgang ist nicht erinnerlich.

Unabhängig vom Inhalt – der Protest gewinnt an Wucht, als Wortführer der sieben Kritiker Kölns Kardinal Rainer Maria Woelki ist, Kopf des größten deutschen Bistums, der zweitwichtigsten Diözese der Welt, dem „Rom des Nordens“. Außer ihm wenden sich fünf Vertreter von Marx’ heimatlicher, bayerischer Bischofskonferenz gegen ihn, der Erzbischof von Bamberg und die Bischöfe von Augsburg, Eichstätt, Passau und Regensburg. Das ist ein nahezu beispielloser Affront. Der seine Wirkung in Rom nicht zu verfehlen scheint. Dort wird sehr genau beobachtet, wie Marx regiert.

Unvergessen ist im Vatikan auch, wie dem Münchner Kardinal auffiel, dass die „Hofhaltung“ von Benedikt XVI. zu pompös sei. Dazu äußerte sich der zuständige Kurienerzbischof Georg Gänswein, Chef des Päpstlichen Hauses, überraschend scharf. Gänswein kommentierte die Kritik im Blick auf Marx: „Man muss vorsichtig sein mit Behauptungen oder mit Bewertungen, a) wenn man die Situation nicht so gut kennt und b) wenn man dann selber mal die eigene Tür aufmacht.“ Ein Hang zur Bescheidenheit wird Marx jedenfalls weder in Rom noch in Deutschland nachgesagt, im Gegensatz zu Woelki. Was zusammen mit dem neuen Vorfall beim amtierenden Papst Franziskus zu überraschenden Reaktionen führen kann.

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