Überfülltes Flüchtlingslager als Ziel : Mindestens 35 Tote bei Luftangriff in Tripolis

Ein libysches Lager mit mehr als 600 afrikanischen Migranten ist attackiert worden. Die Regierung macht die Haftar-Miliz dafür verantwortlich.

Kämpfer der LNA-Miliz von Khalifa Haftar
Kämpfer der LNA-Miliz von Khalifa HaftarFoto: Esam Omran Al-Fetori/REUTERS

Bei einem Luftangriff auf ein mit afrikanischen Migranten überfülltes Lager in der libyschen Hauptstadt Tripolis sind 35 Menschen getötet und mehr als 70 weitere verletzt worden. Die Attacke in der Nacht zum Mittwoch habe im Stadtteil Tadschura im Osten von Tripolis stattgefunden, hieß es aus Regierungskreisen. Der Präsidentschaftsrat machte die Truppen des General Chalifa Haftar für den Angriff verantwortlich, der im Osten Libyens seine Machtbasis hat.

Es ist der tödlichste Angriff, seit Haftar im April eine Offensive auf Tripolis angeordnet hatte. In dem Lager seien insgesamt mehr als 600 Migranten unterschiedlicher Nationalitäten untergebracht, hieß es. In dem betroffenen Lagerteil waren rund 120 Migranten aus verschiedenen afrikanischen Ländern untergebracht. Dem in Katar ansässigen Sender Al-Dschasira zufolge sollen sie aus dem Sudan, Eritrea und Somalia stammen.

Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR äußerte sich „extrem besorgt“ angesichts der Berichte über den Luftangriff auf das Flüchtlingslager. „Zivilisten sollten nie als Ziele genommen werden“, twitterte das UNHCR Libyen am frühen Morgen.

Acht Jahre nach dem mit westlicher Hilfe erreichten Sturz des Langzeitmachthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 herrscht in Libyen Chaos. General Haftar hat weite Teile des Landes unter seine Kontrolle gebracht und im April eine Offensive auf Tripolis angeordnet. Die Aussichten auf eine politische Lösung des Konflikts stehen derzeit sehr schlecht.

Haftar wird vom libyschen Parlament im Osten des Landes unterstützt. Es beansprucht ebenso wie die Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch die Macht für sich. Die Regierung von Al-Sarradsch hat kaum Kontrolle über die Hauptstadt Tripolis hinaus. (dpa)

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