Verzicht aufs Auto : Senatorin Günther sieht Berlins Verkehr am „Wendepunkt“

Die Berliner sollten ihr Auto abschaffen, hat die Verkehrssenatorin gesagt. Dafür gab es viel Kritik. Jetzt erklärt sie ihre Idee von einer „neuen Mobilität“.

Regine Günther (parteilos, für Grüne) ist seit 2016 Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.
Regine Günther (parteilos, für Grüne) ist seit 2016 Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.Foto: imago/IPON

Das alte Mobilitätskonzept hat nach Ansicht von Verkehrs- und Umweltsenatorin Regine Günther ausgedient. Die „autogerechte Stadt“ sei angesichts zunehmender Konkurrenz um Flächen, bei steigender Luftverschmutzung, immer mehr Staus und vieler Verkehrstoter nicht mehr haltbar, schreibt Günther (parteilos, für Grüne) in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel.

Sie bekräftigt und erklärt damit den von ihr in der vergangenen Woche geäußerten Wunsch, die Berliner sollten ihr Auto abschaffen. Ihre Äußerung hat eine Diskussion über die autofreie Stadt angestoßen, die Berliner CDU hatte Günther als „Anti-Auto-Senatorin“ kritisiert.

Die Senatorin macht drei „Megatrends“ für eine nachhaltige Verkehrspolitik in Metropolen wie Berlin aus: Urbanisierung, Digitalisierung und Dekarbonisierung, also den Verzicht auf fossile Brennstoffe. In einer wachsenden Stadt werde Fläche zum wichtigsten Gut. Flächen, die bisher von 1,4 Millionen Fahrzeugen genutzt werden, würden für Wohnraum, Grünflächen, Büros und Betriebe gebraucht.

„Die Menschen, nicht nur in Berlin, spüren, dass wir in der Verkehrspolitik an einem entscheidenden Wendepunkt sind“, schreibt Günther zu den teils heftigen Reaktionen auf ihren Appell. Die heutige Infrastruktur sei „in keiner Weise auf die schnell wachsende Zahl von Radfahrenden oder auch auf neue Verkehrsmittel wie Elektro-Tretroller ausgelegt“. Moderne Mobilität müsse „sicher, sauber, leise, klima- und umweltfreundlich“ sein.

Weiter erläutert die Senatorin, „das Rückgrat der neuen Mobilität“ sei der ÖPNV, der im digitalen Zeitalter selbstverständlich vernetzt sein müsse: Auto, Fahrrad oder Elektro-Fahrzeuge könnten über eine App mit Angeboten von Bahn und Bus verbunden sein, die die günstigsten Wegekombinationen findet.

Das fordern Berlins Radfahrer
Der Tagesspiegel hat in seinem Projekt Radmesser Berlinerinnen und Berliner zu ihren größten Problemen im Fahrradverkehr befragt. Aus 4.961 Antworten lassen sich zehn Forderungen ableiten. 1. Forderung: Getrennte Wege. Die Radwege sind zu wenige und zu schmal, aufgemalte Linien bringen nichts. Die Wege sollten besser von der Straße getrennt werden.Berlins erster mit biegsamen Pollern geschützter Radweg wurde im November an der Holzmarktstraße in Mitte eröffnet.Weitere Bilder anzeigen
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30.11.2018 14:01Der Tagesspiegel hat in seinem Projekt Radmesser Berlinerinnen und Berliner zu ihren größten Problemen im Fahrradverkehr befragt....

Um den ÖPNV zu verbessern, hat der Senat gerade einen Nahverkehrsplan beschlossen, der in 15 Jahren gut 28 Milliarden Euro für Busse und Bahnen vorsieht – laut Günther auch „für die bessere Anbindung der Pendelnden aus dem Umland“. Parallel werde sichere Rad- und Fußverkehrsinfrastruktur aufgebaut. Hierzu gehörten geschützte Radwege, Radschnellverbindungen oder auch sichere Radabstellplätze.

Den Gastbeitrag der Verkehrssenatorin Regine Günther lesen Sie am Montag im Tagesspiegel oder am Sonntag schon ab 19.30 Uhr im E-Paper.

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