Wer steckt hinter den Drohungen? : Vier Moscheen in NRW nach Bombendrohungen evakuiert

Bombendrohungen, Einschusslöcher und Naziparolen: In Nordrhein-Westfalen kam es zu mehreren Angriffen auf muslimische Einrichtungen.

Die Zentralmoschee der Ditib in Köln.
Die Zentralmoschee der Ditib in Köln.Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Nach den Bombendrohungen gegen Moscheen in Nordrhein-Westfalen halten die Ermittlungsarbeiten der Polizei an. Wer hinter den anonymen Droh-Emails steckt, die an vier Gebetshäuser der Ditib geschickt wurden, sei noch nicht geklärt, sagte eine Sprecherin der Polizei in Dortmund am Donnerstag. Die zeitliche Nähe und der vergleichbare Inhalt der Emails lege nahe, dass sie von den gleichen Urhebern stammen, sicher sei das aber noch nicht.

Am Mittwoch waren Moscheen in Bielefeld, Unna, Hagen und Essen nach Bombendrohungen evakuiert worden. Bei den Durchsuchungen fanden die Ermittler keinen Sprengstoff. Über den genauen Inhalt der Schreiben wollte die Sprecherin keine Auskunft geben. In Marl hatten zuvor Unbekannte offenbar ein alevitisches Gemeindehaus beschossen.

Nicht die ersten Drohungen dieser Art

Zekeriya Altug, Abteilungsleiter für Außenbeziehungen der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib), sagte dem Tagesspiegel, dass die Drohungen gegen die Moscheen rechtsextrem motiviert gewesen seien. Kurz nach den Geschehnissen in Thüringen sei das besonders besorgniserregend. „Es darf keine gesellschaftliche Relativierung der rechten Hetze geben,“ sagte Altug.

Altug betonte, dass die Drohungen nicht die ersten dieser Art seien. „Die Muslime fühlen sich immer unsicherer in dieser Gesellschaft.“ Das Thema Islamfeindlichkeit müsse endlich breit in Politik und Gesellschaft diskutiert werden.

„Der Rassismus bedroht uns alle gemeinsam“

„Der Rassismus bedroht uns alle gemeinsam“, sagte Altug. Es sei ernüchternd und erschreckend, dass Politik und Gesellschaft angesichts der Drohungen gegen Muslime ruhig bleiben. Der Hass vom rechten Rand werde mehr, jedes Jahr gebe es zahlreiche Angriffe auf Moscheen, sagte Altug. „Das darf nicht zur Normalität werden.“

Im vergangenen Jahr waren mehrere Bombendrohungen gegen Moscheen in NRW eingegangen. Auch die Kölner Zentralmoschee in Ehrenfeld war mehrmals geräumt worden. Bundesweit wurden laut Bundesinnenministerium 2018 insgesamt 910 Straftaten mit islamfeindlichem Hintergrund begangen.

Von den Sicherheitsbehörden fordert Altug, Bedrohungen gegen Muslime ernst zu nehmen. Für die Sicherheit muslimischer Bürger müsse gesorgt werden. Die Schutzmaßnahmen würden ständig erhöht, sagte Altug. Dennoch sei das Ziel, Moscheen offen für alle zu halten. „Wir wollen den Tätern nicht in die Hände spielen und uns aus Angst zurückziehen.“

Aufruf zu gemeinsamen Widerstand

„Das sind bedrohliche Zustände“, sagte auch Karima Benbrahim, Leiterin des Informations- und Dokumentationszentrums für Antirassismusarbeit in Nordrhein-Westfalen. „Vor wenigen Tagen erst ist die alevitische Gemeinde in Köln mit Nazisymbolen besprüht worden.“ Die Drohungen stünden in einem gesamtgesellschaftlichen Diskurs, in dem rechte und antimuslimische Parolen immer mehr Raum einnähmen.

Angesichts der Bombendrohungen gegen Moscheen und Anschlägen auf alevitische Einrichtungen riefen kurdische und alevitische Vertreter zu einem gemeinsamen Widerstand gegen Extremismus auf. Der Generalsekretär der Kurdischen Gemeinde Deutschland, Cahit Basar, warnte vor einer Spirale des Hasses in der Gesellschaft. Die Antwort der demokratischen Mitte könne nur ein stärkerer gesellschaftlicher Zusammenhalt sein, erklärte Basar am Donnerstag in Gießen.

Einschussstelle im Fenster

Die Alevitische Gemeinde Deutschland erklärte, menschenfeindlichen Aktionen müsse der Nährboden entzogen werden, „in dem wir offen und in solidarischer Bekundung für das friedliche Zusammenleben in Vielfalt einstehen“. Der Einfalt müsse eine Vielfalt entgegengestellt werden, heißt es in einer in Köln veröffentlichten Erklärung.

Die Alevitische Gemeinde Deutschland rief zu einer gemeinsamen Kundgebung und einem Friedensgebet am Donnerstagabend in der Alevitischen Gemeinde Marl auf. Die hatte am Montagabend eine Einschussstelle im Fenster des Gebäudes bemerkt, wie sie auf ihrer Facebookseite mitteilte. (Tsp/dpa/epd)

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