Zschäpe hat Kopfschmerzen : Verteidiger-Plädoyers im NSU-Prozess erneut verschoben

Am Vormittag wirkte sie noch munter, dann aber klagte Beate Zschäpe über Übelkeit und Kopfschmerzen. Richter Götzl brach den 416. Verhandlungstag ab.

Da ging es ihr noch gut: Beate Zschäpe in der vergangenen Woche neben ihrem Anwalt Hermann Borchert.
Da ging es ihr gut: Beate Zschäpe in der vergangenen Woche neben ihrem Anwalt Hermann Borchert.Foto: Matthias Schrader/AP POOL/dpa

Die Ausgangslage war so günstig wie seit Februar nicht. Es lagen keine neuen Beweisanträge vor, keine weiteren Befangenheitsanträge, die drei Ablehnungsgesuche aus der vergangenen Woche gegen die Richter waren abgelehnt. Dennoch kam es auch am 416. Tag im NSU-Prozess am Oberlandesgericht München nicht zum Beginn der Plädoyers der Verteidiger. Beate Zschäpe habe ihm „gerade mitgeteilt, dass sie unter Übelkeit und Kopfschmerzen leidet“, sagte Mittwochmittag Hermann Borchert, der die Hauptangeklagte als Wahlverteidiger vertritt. Borchert war selbst überrascht, er hatte mit dem Schlussvortrag beginnen wollen. Stehpult und Mikrofon waren bereits aufgebaut. Es kam anders.

Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl unterbrach die Hauptverhandlung und ließ Zschäpe von einem Arzt untersuchen. Eine Dreiviertelstunde später verkündete Götzl, aufgrund Zschäpes Beschwerden „ist ein Weiterverhandeln heute nicht angezeigt“. Nun soll diesen Donnerstag ein letzter Anlauf unternommen werden, doch noch vor der zweiwöchigen Osterpause in die Plädoyers der Verteidiger der fünf Angeklagten einzusteigen.

Wie es Zschäpe geht, ließ sich von der Zuschauertribüne aus nur schwer erkennen. Die Angeklagte war blass wie immer, hatte aber zu Beginn der Verhandlung am Vormittag einen munteren Eindruck gemacht. Und nach der Untersuchung durch den Arzt redete sie intensiv auf Borchert und ihren zweiten neuen Anwalt, Mathias Grasel, ein. Beide nickten aber lediglich knapp. Zschäpe wirkte aufgeregt. Warum, lässt sich nur vermuten.

Zschäpes letzte Chance, ihre Version zu schildern

Die Plädoyers der Verteidiger sind nach fast fünf Jahren Prozess die wahrscheinlich letzte Chance für die Angeklagte, ihre Version der mörderischen Geschichte des NSU nochmal zu Gehör zu bringen. Zschäpe will die von ihren Kumpanen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos verübten Morde und Sprengstoffanschläge nicht gewollt haben und beschreibt sich als emotionales Opfer der beiden Killer, mit denen sie fast 14 Jahre im Untergrund verbrachte. Doch womöglich ahnt Zschäpe, dass sie mit ihrer widersprüchlichen Einlassung und angesichts vieler belastender Indizien kaum hoffen kann, einer harten Strafe zu entgehen.

Die Bundesanwaltschaft stuft die Angeklagte als Mitglied der rechtsextremen Terrorzelle ein und damit als Mittäterin bei den zehn Morden und allen weiteren Verbrechen des NSU. Entsprechend drastisch soll die Strafe sein, die Bundesanwalt Herbert Diemer im September 2017 in seinem Schlussvortrag forderte: lebenslange Haft, mit der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld, dazu Sicherungsverwahrung. Sollten die Richter so urteilen, bliebe die heute 43 Jahre alte Zschäpe möglicherweise bis an ihr Lebensende eingesperrt.

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