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Sport: „Auch wir haben noch unsere Chance“

Potsdams Handball-Regionalliga-Trainer Alexander Haase zur bevorstehenden Aufstiegsrunde

Stand:

In der Handball-Regionalliga Nordost wurde am Sonntag die Vorrunde beendet, ab 11./12. Februar spielen die jeweils fünf ersten Mannschaften der Gruppe A und B in der Meisterschaftsrunde um den Aufstieg in die 2. Bundesliga (siehe auch Zahlenspiegel). Zu ihnen gehört der 1. VfL Potsdam, der in der dritten Saison von Alexander Haase (29) trainiert wird.

Ihre Mannschaft wurde Dritter der Vorrunden-Staffel B und ist vorerst Fünfter der Meisterschaftsrunde – wie sehen Sie die Chancen des VfL Potsdam, nun noch nach ganz oben zu kommen, Herr Haase?

Ich glaube, in dieser Aufstiegsrunde haben die ersten sechs Mannschaften, die alle nur zwei Punkte auseinander liegen, die Chance, ganz nach oben zu gehen. Also auch wir. Es sind noch zehn Spiele zu spielen, in denen zwanzig Punkte vergeben werden – da ist noch alles möglich. Ich sehe uns dabei in einer kleinen Außenseiterrolle, weil sich vieles auf Bad Schwartau, Cottbus und Tarp/Wanderup konzentriert. Ich will aber daran glauben, dass auch wir es schaffen können.

Unter diesem Aspekt muss Ihnen doch der Sieg des Tabellenzweiten LHC Cottbus am Sonntag gegen Spitzenreiter VfL Bad Schwartau entgegen kommen, oder?

Natürlich. Durch diese Niederlage Bad Schwartaus ist die Aufstiegssituation jetzt komplett offen. Faktisch jedes Wochenende gibt es ein direktes Duell der Spitzengruppe, so dass noch unheimlich viel passieren wird.

Wie groß ist der Aufstiegsdruck, der dabei auf dem VfL lastet?

Unser Vorteil ist, dass der nicht da ist.

Wirklich nicht?

Unser Ziel war es, in diese Aufstiegsrunde zu kommen und so gut wie möglich zu spielen. In 16 Vorrundenspielen haben wir jetzt 13 Mal das Parkett als Sieger verlassen; das ist schon eine eindrucksvolle Bilanz. Aber natürlich wollen wir mittelfristig hoch in die zweite Liga.

Was heißt mittelfristig?

In den nächsten zwei Jahren.

Über welche Spiele der Vorrunde haben Sie sich am meisten gefreut, über welche am meisten geärgert?

Am meisten gefreut habe ich mich über unseren Heimsieg gegen Cottbus, geärgert über alle drei Niederlagen, die wir mit in die Endrunde nehmen. In diesen drei Spielen waren wir nämlich jedesmal zehn, fünfzehn Minuten vor Schluss noch auf der Siegerstraße. Sowohl in Bad Schwartau als auch zu Hause gegen den VfL haben wir nach einer Dreiviertelstunde mit jeweils zwei Toren geführt; wir hatten sogar mehrmals die Chance, unseren Vorsprung auf drei Tore zu erhöhen. Und in Cottbus hatten wir nach desolater erster Halbzeit zwanzig ganz starke Minuten, nach denen es 27:27 stand und das Spiel hin und her wogte, ehe wir doch noch verloren.

Potsdam nimmt die Punkte aus den Spielen gegen die anderen B-Staffel-Mannschaften der Meisterschaftsrunde mit und spielt jetzt noch jeweils zweimal gegen die ersten Fünf der A-Gruppe. Wie sind diese Gegner einzuschätzen? Sind sie stärker oder schwächer als Ihre bisherigen Kontrahenten?

Das ist schwer zu sagen, denn ich habe diese Mannschaften noch nicht gesehen. Das Videostudium beginnt in dieser Woche. Die A-Staffel war vielleicht in der Breite stärker als unsere Staffel, wobei Mannschaften wie Tarp/Wanderup, Flensburg und Hamburg auch mehr nach oben gucken werden.

Wann und wo startet der VfL in die Meisterschaftsrunde?

Der Spielplan ist offiziell noch nicht bekannt, aber soweit ich weiß, werden wir zum Auftakt bei der HSG Kropp/Tetenhusen, dem Vierten der A-Gruppe, antreten.

Wie wird denn Potsdams nächstes Spiel am kommenden Sonnabend in der 2. Runde des DHB-Pokals bei Schülp-Westerrönfeld, dem Tabellenzweiten der Oberliga Schleswig-Holstein, gesehen? Wird das eher zur Vorbereitung auf den Aufstiegskampf genutzt oder hat es einen höheren Stellenwert?

Dieses Spiel ist in zweierlei Hinsicht interessant. Zum einen ist Schülp-Westerrönfeld eine Mannschaft, die aus dem Norden kommt und vielleicht schon im nächsten Jahr in der Regionalliga spielen wird. Das wird noch einmal ein guter Test sein, in dem wir zeigen müssen, was wir leisten können. Zumal wir eine ähnlich lange Anreise wie zu dem einen oder anderen Auswärtsspiel in der Meisterschaftsrunde haben werden. Da können wir uns schon darauf einstellen, was uns in den nächsten Wochen erwarten wird. Zum anderen sind wir mit einem Sieg am Sonntag in der ersten Runde des DHB-Pokals, in der wir ein interessantes Heimspiel gegen einen Bundesligisten ausgelost bekommen können. Wir werden also auch bei Schülp- Westerrönfeld zeigen müssen, was wir derzeit leisten können. Jeder Spieler will sich noch einmal beweisen und Selbstvertrauen holen.

Stichwort Spieler: Ist der VfL personell für die Meisterschaftsrunde gerüstet?

Ja. Bis auf Tobias Kurtz, bei dem der Heilungsprozess nach der Knieoperation ganz gut verläuft, auf den wir aber wohl noch mindestens vier Wochen verzichten müssen, habe ich alle Spieler an Deck.

Wird das spielerische Potenzial Ihrer Mannschaft für den Aufstiegskampf reichen?

Darüber mache ich mir weniger Sorgen. Die Frage ist eher, ob wir es schaffen, unseren Deckungsverband konstant stabil zu halten und daraus möglichst viele Tore über Gegenstöße zu erzielen. Spielerisch brauchen wir uns vor keinem unserer Gegner zu verstecken. Uns fehlt vielmehr oftmals noch die Kaltschnäuzigkeit. Hätten wir die in der Vergangenheit immer gehabt, hätten wir vielleicht auch noch das eine oder andere der in der Vorrunde verlorenen Spiele gewonnen. Dann hätte unsere Ausgangsposition noch besser ausgesehen.

Das Interview führte Michael Meyer

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