Sport: Autogramme für Yu Jun
„Potsdam goes Peking“ hieß es auf der traditionellen Kanu-Party des KC Potsdam
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Yu Jun war überrascht. Eigentlich war die Chinesin am Freitagabend ins Potsdamer Seminaris-Seehotel gekommen, um den 250 Gästen der 8. Kanu-Party des KC Potsdam auf der Guzheng vorzuspielen, einer alten klassischen chinesischen Wölbbrettzither. Dann aber staunte die in Berlin lebende Künstlerin über die vielen Weltmeister und Olympiasieger, die zu ihren Zuhörern zählten – und holte sich fleißig Autogramme der Potsdamer Asse.
Die wurden 160 Tage vor Beginn der Olympischen Spiele 2008 am Havelufer mit dem Motto „Potsdam goes Peking“ schon ganz auf den Jahreshöhepunkt im August eingestimmt. „Mi Hau“ (Guten Tag), hieß es gleich zur Begrüßung. Später hieß Dong Xin, Attaché für Kultur und Sport der chinesischen Botschaft und Ehrengast des Abends, Potsdams Paddler schon mal in seinem Heimatland „herzlich willkommen“, ehe sich die Gästeschar beim Büfett unter anderem Glasierte Peking-Ente, Shao Mai im Bambuskorb und Gado Gado schmecken ließ.
Nach dem Triumph der Potsdamer bei den Weltmeisterschaften 2007 in Duisburg – der Olympia-Generalprobe, bei der sie mit sechsmal Gold/zweimal Silber/einmal Bronze ihr bisher erfolgreichstes Saisonresultat feierten – „wird es schwer, dieses Ergebnis noch zu toppen“, ahnte Ministerpräsident Matthias Platzeck, der in seiner Laudatio neben den internationalen Erfolgen auch die gute Nachwuchsarbeit des KCP würdigte. Mit Katrin Wagner- Augustin, Fanny Fischer, Judith Hörmann, Ronald Rauhe, Tim Wieskötter, Lutz Altepost und Sebastian Brendel zählen derzeit sieben Potsdamer Kanuten zum Olympiateam 2008 des Landes, die auf dem Weg nach Peking besonders gefördert werden. Das Septett, das die Kanu-Party mit einer langen chinesischen Schlange eröffnete, war erst am Vortag aus einem vierwöchigen Trainingslager im kalifornischen Newport Beach heimgekehrt. „Dort hatten wir alles andere als optimale Trainingsbedingungen“, erzählte Ronald Rauhe. „Viel Schwabbelwasser in einem Hafenbecken beispielsweise.“ Katrin Wagner-Augustin pflichtete ihm bei: „So ein Trainingslager hatte ich lange nicht. Das Wetter war schlecht und wir hatten in diesem Yachthafen auch mit Ebbe und Flut zu kämpfen, haben aber versucht, das Beste draus zu machen.“ Einmal sei sie hinaus auf den Pazifik gepaddelt, erzählte die 30-Jährige. „Um uns dort Robben anzusehen. Bei dem Wellengang hatte ich in meinem schmalen Boot aber ein bisschen Angst.“
Nach einigen Übungseinheiten auf der heimischen Havel düsen die Olympiakandidaten vorm Wochenende schon wieder zum Trainieren in südlichere Gefilde – die Kajakspezialisten ins spanische Sevilla, die Canadierfahrer ins italienische Sabaudia. Anfang April steht in Duisburg die erste von zwei nationalen Qualifikationen für die Olympia-Flotte an, dafür wollen die Asse um die beiden Bundestrainer Rolf-Dieter Amend und Eckehardt Sahr gut gerüstet sein; noch besser dann für das Kräftemessen im Sommer in Peking.
Darauf hofft nun auch Ju Yung. „Wenn sie im August in Peking gewinnen, habe ich ihre Autogramme schon“, meinte die Chinesin mit einem Augenzwinkern.
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