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Von Erhart Hohenstein: Bundeswehr im Einsatz

Neuer Themenschwerpunkt für das MGFA und seinen neuen Forschungsleiter Michael Epkenhans

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Anfang des Jahres ist die neue Forschungsweisung des Bundesverteidigungsministers für das Militärgeschichtliche Forschungsamt (MGFA) der Bundeswehr in Potsdam in Kraft getreten. Dieses auf ein Jahrzehnt ausgelegte Rahmenprogramm setzt einen zusätzlichen Forschungsschwerpunkt auf die Geschichte der Bundeswehr nach der deutschen Wiedervereinigung und ihre Entwicklung zu einer Einsatzarmee. Das erklärte der neue MGFA-Forschungsleiter Privatdozent Dr. Michael Epkenhans in einem Gespräch mit den PNN.

Die friedenssichernden Auslandeinsätze der Bundeswehr, an denen gegenwärtig 6700 deutsche Soldaten auf drei Kontinenten beteiligt sind, werfen zahlreiche neue Fragen auf, so der Anwendung von Gewalt, werden aber auch in der Öffentlichkeit lebhaft diskutiert. Dies habe erst kürzlich der Fernsehfilm über einen durch einen Terroranschlag in Afghanistan traumatisierten Soldaten erwiesen, erklärte Epkenhans.

Für den neuen Themenschwerpunkt bilde er zurzeit ein Team, in das teilweise Historiker mit Einsatzerfahrungen als Berufssoldaten oder Offiziere der Reserve einbezogen werden. Ziel der Forschungen sei auch, den Entscheidungsträgern Unterstützung zu geben und zu den vom Amt für die Soldaten erarbeiteten „Wegweisern zur Geschichte“ über die Einsatzländer sowie insgesamt zur historischen Bildung in den Streitkräften beizutragen.

Der 53-jährige Westfale hat am 1. Februar die Leitung der Abteilung Forschung im MGFA übernommen. Epkenhans hatte an der Universität Münster ein Lehramtsstudium für Geschichte und Englisch absolviert und war 1985 wissenschaftlicher Mitarbeiter am dortigen Provinzialinstitut für Westfälische Landes- und Volksforschung geworden. Danach übernahm er die Geschäftsführung der Gedenkstätte für Reichspräsident Friedrich Ebert in Heidelberg und dann für Reichskanzler Otto von Bismarck in Friedrichsruh. Diese Gedenkstätten beruhen auf Bundesstiftungen und stehen keiner Partei oder Vereinigung nahe. Nach der Promotion 1989 habilitierte sich Epkenhans 2004 an der Universität Hamburg und wurde dort Lehrbeauftragter. Diese Tätigkeit wird er nun auch in Potsdam für den gemeinsam von der Universität, vom MGFA und vom Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr in Strausberg veranstalteten Masterstudienlehrgang „Military Studies“ wahrnehmen.

Die neue Forschungsweisung am MGFA schließt die Weiterführung bereits laufender Schwerpunktprojekte ein, verdeutlichte Michael Epkenhans. Als Beispiel nannte er das „Zeitalter der Weltkriege“, in dem nach Abschluss des zehnbändigen Standardwerkes über den Zweiten Weltkrieg nun übergreifende Themen, so der Wandel des operativen Denkens seit Moltke, in Angriff genommen werden. Ebenso werden die Forschungen zur Nationalen Volksarmee fortgesetzt, wo das MGFA eine Vorreiterrolle inne habe. So könne die Militärhilfe, die sie Ländern der Dritten Welt geleistet hat, ein spannendes Thema sein, wie die Veröffentlichungen zur DDR-Armee und ihrem Führungspersonal ohnehin über die Fachwelt hinaus ein breites Publikum erreicht haben.

Michael Epkenhans kündigte an, dass das Forschungsamt 2009 zwei „Altschulden“ gegenüber den militärhistorisch interessierten Brandenburgern begleichen will. Erscheinen sollen nunmehr ein seit längerer Zeit bearbeiteter Band über den Dienstsitz des MGFA, die Villa Ingenheim in der Zeppelinstraße, und ein bereits für 2006 angekündigtes militärhistorisches Handbuch für die Region Brandenburg-Berlin.

Der neue Forschungschef will sich dafür einsetzen, dass das MGFA die bereits enge Verbindung mit seinem Standort Potsdam weiter ausbaut. In diesem Zusammenhang machte er auf die deutschlandweit bedeutendste militärhistorische Bibliothek aufmerksam, die auf dem Grundstück des Amtes für jedermann frei zugänglich ist. Neuerdings erleichtert ein Internetkatalog im Vorfeld die Buchauswahl.

Auch privat wird Michael Epkenhans seinen Lebensmittelpunkt von Lüneburg nach Potsdam oder in die Umgebung verlegen. Für sich und seine Frau, eine Lehrerin, Sohn und Tochter ist er derzeit auf der Suche nach einem geeigneten Domizil.

Erhart Hohenstein

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