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Landeshauptstadt: Die Rückkehr des Halbgotts

Im Neptunbassin sitzen wieder wie einst zwei Tritonen. Die von Max Klaar finanzierte Figur wurde am Donnerstagabend feierlich übergeben

Innenstadt - Das Neptunbassin im Lustgarten ist um eine Sandsteinfigur reicher. Am Donnerstagabend wurde im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung ein zweiter sogenannter Triton – also ein Meeresgott aus der griechischen Mythologie – zu dem Ensemble hinter dem Hotel Mercure transportiert. Für 75 000 Euro wurde die Figur in der Berliner Bildhauerei von Andreas Hoferick wiederhergestellt, wie Rudolph Freiherr von Ketteler von der Fördergesellschaft zum Wiederaufbau der Neptungruppe sagte.

Finanziert wurde die Sanierung des nun zurückgekehrten Tritons zu einem Großteil von der Stiftung Preußisches Kulturerbe (SPKE). Dahinter steht der Ex-Bundeswehroffizier Max Klaar, der einst für den Wiederaufbau der Garnisonkirche gesammelt hatte.

Der Triton ist ein Halbgott – sein Oberkörper ist menschlich, doch statt Füßen hat er einen zweiendigen Fischschwanz. „Wenn der Triton erzürnt wird, bläst er in seine Seemuschel und kann damit ganze Meere aufwühlen und Länder erschüttern“, sagte von Ketteler vor zahlreichen Gästen, die zum Neptunbassin gekommen waren. Und fügte in Richtung Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hinzu: „Deshalb erzürnen Sie ihn nicht, damit alle Anrainer in Ruhe ihren Geschäften nachgehen können.“ Mit den Anrainern meinte von Ketteler bestimmt auch das Hotel Mercure, mit dem Jakobs bekanntlich auf Kriegsfuß steht (siehe Interview). Die Wiederherstellung der Neptungruppe wird zwar von der Fördergesellschaft beziehungsweise dem Rotary Club „Potsdam Alter Markt“ finanziert und organisiert, Eigentümer ist aber die Stadt.

Von Ketteler war selbst einst Direktor des Mercure-Hotels, aus jener Zeit rührt auch noch sein Engagement für das Neptunbassin. Zur Bundesgartenschau 2001 waren der Lustgarten samt Bassin und Hafen wiederhergerichtet worden, damals startete von Ketteler gemeinsam mit dem Rotary Club die Spendensammlung für den Wiederaufbau der Neptungruppe.

Knapp die Hälfte der einst zwölf Skulpturen sind nun bereits nachgebildet. Nun fehlen noch zwei Pferde, ein Wal, zwei Göttinnen sowie der Wagen mit Neptun und seiner Frau. Erst am Freitagnachmittag habe ihn die Nachricht erreicht, dass für die Pferde voraussichtlich die Finanzierung gesichert sei, sagte der Präsident des Potsdamer Rotary Clubs, Christian Graf Brockdorff. Ob es sich dabei um Klaar handelt, führte er nicht aus. Klaar hatte kürzlich angekündigt, sich auch weiterhin für das Neptunbassin einzusetzen. So will er einen Teil des Geldes, was er für die Garnisonkirche gesammelt hat, dafür ausgeben.

Die Skulpturengruppe „Neptuns Triumph“ hatte Friedrich II. 1744 in Auftrag gegeben, der Entwurf dafür stammt von dem bekannten Berliner Bildhauer Johann August Nahl. Zwischen 1950 und 1960 wurde die Figurengruppe, die den Zweiten Weltkrieg überstanden hatte, demontiert und teilweise zerstört, das Neptunbassin zugeschüttet. K. Wiechers

K. Wiechers

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