Sport: Es ist gefährlicher, auf der Linie zu bleiben
Der Torhüter des SV Babelsberg Sebastian Rauch über seine Ausflüge aus dem Tor, die Abwehr und das Vertrauen eines Trainers
Stand:
Der Torhüter des SV Babelsberg Sebastian Rauch über seine Ausflüge aus dem Tor, die Abwehr und das Vertrauen eines Trainers Sebastian Rauch, zählen Sie Ihre Spielminuten in denen Sie zu Null stehen, nachdem Timo Hildebrand vom VfB Stuttgart nun mit acht Spielen in Folge ohne Gegentor den Bundesligarekord von Oliver Kahn geknackt hat? Das ist für mich nicht wichtig. Wenn wir unsere Spiele gewinnen ist das okay, das kann von mir aus auch 2:1 ausgehen. Sie sind 260 Minuten ohne Gegentor. Wenn das stimmt, dann ist das in Ordnung. Normal wollen Stürmer so viele Tore wie möglich schießen, und Torhüter möglichst keines kassieren. Sie nicht? Es ist nicht so, dass ich mich nicht freue, wenn ich zu Null spiele. Dann habe ich alles richtig gemacht, keinen reingelassen und die Abwehr hat auch gut gestanden. Aber allein der Sieg der Mannschaft zählt. In Eisenhüttenstadt hatten Sie viel zu halten, hat die Abwehr da auch gut gestanden? Nach einer dominanten ersten Halbzeit, in der wir unsere Chancen zu wenig nutzten, verloren wir in der zweiten Halbzeit ein wenig den Faden. Da hatte ich dann ein bisschen mehr zu tun, aber so viel war es nun auch nicht. Sie haben mehrere Glanzparaden zeigen müssen. Wir haben nicht mehr so gut gestanden, bedingt dadurch, dass Davor Kraljevic raus musste und Martin Neumann die Position in der Mitte noch nie gespielt hat. Die Abwehr hat mich aber nicht verlassen, es gab lediglich ein paar Abstimmungsprobleme. Oliver Kahn zeigt dann seinen Vorderleuten lautstark, dass er damit nicht einverstanden ist. Sie gelten als ruhiger Typ. Wenn etwas von meiner Seite aus gesagt werden muss, würde ich das in der Kabine machen. Als Zweiundzwanzigjähriger kann ich es mir nicht leisten, wie Olli Kahn über den Platz zu rennen. Die Abwehr vor Ihnen steht als Dreierkette, teilweise mit einem letzten Mann. Sie müssen oft rauslaufen und aushelfen. Sind Sie damit Teil einer modernen Viererkette? Es ist manchmal ein risikoreiches Spiel, aber heutzutage ist es für einen Torhüter normal, diese Ausflüge raus aus dem Kasten zu erlernen. Bis jetzt hat es gut geklappt, auch gegen Rostock die zwei Dinger. Aber ich glaube, es ist in solchen Situationen gefährlicher, auf der Linie stehen zu bleiben und den Stürmer alleine auf sich zulaufen zu lassen. Sie gelten als Torhüter, der Spiele entscheiden kann. Warum läuft es in diesem Jahr so gut bei Ihnen? Wenn man das immer wüsste. Wir stehen in der Abwehr sicher und ich bin reifer geworden und habe verschiedene Trainer und Spielformen miterlebt. Zudem legts ich die Aufregung inzwischen vor einem Spiel. Ich denke, auch letztes Jahr in der Verbandsliga habe ich ordentlich gespielt. Als Wolfgang Sandhowe vor einem Jahr zum SVB kam, galt Ihre Position als größtes Problem. Wie wichtig ist es, vom Trainer das Vertrauen ausgesprochen zu bekommen? Das macht vieles einfacher. Es ist gut zu wissen, das Vertrauen von Mannschaft und Trainer zu haben. Da geht man mit einem ganz anderen Gefühl ins Spiel. Wann hat Peter Ränke Ihnen das Vertrauen ausgesprochen? Er hat sich in der Vorbereitung nie wirklich festgelegt. Beim letzten Vorbereitungsspiel der Saison habe ich erstmals durchgespielt, damit war die Sache entschieden. Dennoch gilt: falls der eine Fehler macht, bekommt der andere seine Chance. Beim Pokal wird beispielsweise Dennis Ganschow stehen. In der Liga stehen Sie im Tor und mit der Mannschaft auf Rang eins. Darf schon wieder von der Regionalliga gesprochen werden? Darüber sollte man nichteinmal nachdenken, nichteinmal an die Mannschaft tragen, zumal das Insolvenzverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Wie sagte der Trainer gestern, das ist eine schöne Momentaufnahme. Wir versuchen also weiter von Spiel zu Spiel zu denken und jeden Gegner ernst zu nehmen. Und so auch auf dem Platz aufzutreten. Am Sonntag um 14 Uhr gastiert der Tabellenvorletzte Berliner AK in Babelsberg. Das wird ein ebenso schwieriges Spiel wie am Mittwoch in Eisenhüttenstadt. Ich hoffe aber, wir tun uns nicht so schwer. Wie stark die Mannschaft ist, kann ich nicht einschätzen, da ich sie noch nie gesehen habe. Ich glaube aber, die werden sich hinten rein stellen und wir müssen den richtigen Weg finden, sie zu bezwingen. Das Gespräch führte Jan Brunzlow
- showPaywall:
- false
- isSubscriber:
- false
- isPaid: