Landeshauptstadt: Gegen die Einsamkeit am Küchentisch Gemeinschaftsbüro im FH-Schaufenster geplant
Innenstadt - Uniabsolventen mit einer Firmenidee, freischaffende Architekten, Designer oder Programmierer haben in Potsdam oft ein Problem. Weil sie sich angesichts der hohen Mieten in der Stadt kein eigenes Büro leisten können, bleibt ihnen als Arbeitsplatz oft nur der eigene Küchentisch.
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Innenstadt - Uniabsolventen mit einer Firmenidee, freischaffende Architekten, Designer oder Programmierer haben in Potsdam oft ein Problem. Weil sie sich angesichts der hohen Mieten in der Stadt kein eigenes Büro leisten können, bleibt ihnen als Arbeitsplatz oft nur der eigene Küchentisch. In Berlin und anderen Großstädten hat man diese Schwierigkeit schon erkannt: Seit einigen Jahren gibt es sogenannte Coworking-Spaces, also Räume, in denen ein Arbeitsplatz zeitlich begrenzt und ohne langfristige Mietverträge angemietet werden kann. In Potsdam sucht man einen solchen Ort bislang vergebens. Doch das könnte sich noch in diesem Jahr ändern. Die Fachhochschule Potsdam hat sich bereit erklärt, einen Teil des Schaufensters an der Friedrich-Ebert-Straße für ein solches Projekt zu vermieten, wie die Kreativkoordinatorin des Landes, Katja Dietrich-Kröck, am Montag auf PNN-Anfrage sagte. Schon ab März könnte der Raum genutzt werden – nur ein Investor fehlt noch.
Vorbild für den Potsdamer Coworking-Space könnte das Betahaus in Berlin sein. Seit fünf Jahren treffen sich Jungunternehmer und Freiberufler in der Kreuzberger Prinzessinnenstraße und arbeiten dort auf über 2500 Quadratmetern gemeinsam. Betahaus stellt Tische, Internetanschluss, Drucker, Kopierer, Besprechungsräume und eine Werkstatt für neue Prototypen, die Kunden müssen nur ihren Laptop mitbringen. Ein fester Arbeitsplatz kostet zwölf pro Euro pro Tag beziehungsweise 229 Euro pro Monat. Auch Teilzeitlösungen sind möglich, zum Beispiel fünf oder zwölf flexible Tage im Monat. „Unser Vorbild war das Wiener Kaffeehaus der 1920er Jahre“, erzählt Betahaus-Mitgründer Christoph Fahle. Dort hätten sich etwa Journalisten getroffen, die sich die Heizkosten zu Hause sparen wollten und zudem im Café wichtige Kontakte knüpften.
Auch für das moderne Gemeinschaftsbüro sei die soziale Komponente ein wichtiges Argument, sagt Morten Sylvest Nøhr vom Coworking-Space Republikken in Kopenhagen. Durch den Austausch mit Gleichgesinnten entwickelten sich neue Ideen, außerdem würden in dem Großraumbüro Tipps ausgetauscht und sogar Aufträge akquiriert oder vergeben. Auch beim Mittagessen in der gemeinsamen Küche habe sich schon so mancher wichtiger Geschäftskontakt angebahnt, erzählt Nøhr.
Aus Sicht von Kreativkoordinatorin Dietrich-Kröck ist der Bedarf nach dieser Form des Arbeitens in Potsdam groß. Dies habe auch ein Workshop zu dem Thema am Montagnachmittag gezeigt, sagt sie. Viele Hochschulabsolventen, die in der Kreativbranche Fuß fassen wollten, entschieden sich derzeit nach dem Studium für einen Umzug nach Berlin, nicht zuletzt wegen des großen Angebots an Coworking-Spaces. Durch das Projekt im FH-Schaufenster könnte die Abwanderung möglicherweise aufgehalten werden. Katharina Wiechers
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