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Sport: Gegenseitiges Daumendrücken in Belgrad

Yvonne Bönisch und Mario Schendel vom UJKC Potsdam kämpfen am Osterwochenende bei den Judo-EM

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Sie verstehen sich prima und hoffen, dass am Osterwochenende das gegenseitige Daumendrücken hilft. Am Freitag und Samstag werden zunächst Yvonne Bönisch und tags darauf Mario Schendel vom UJKC Potsdam bei den Judo-Europameisterschaften in Belgrad auf die Tatami gehen und dabei unterschiedliche Prämissen setzen. „Mit einer vorderen Platzierung rechne ich nicht“, sagt EM-Neuling Schendel, während Olympiasiegerin Bönisch erklärt: „Eine Medaille will ich am Freitag schon gewinnen.“

Für Deutschlands erfolgreichste Judo- Dame startet in Serbiens Hauptstadt, wo sie wieder im 57-Kilo-Limit antritt, das Unternehmen Peking 2008. „Mit den EM beginnt die neue Weltrangliste, in der man die nötigen Punkte für das Olympia- Ticket sammeln kann“, erläutert Yvonne Bönisch. In Belgrad sowie bei neun weiteren Turnieren bis zum Frühsommer 2008 gibt es die Möglichkeit dazu, bei den diesjährigen Weltmeisterschaften Mitte September in Rio de Janeiro qualifizieren sich die fünf Ersten jeder Gewichtsklasse direkt für die Olympischen Spiele im kommenden Jahr. „Mein Blick ist ganz auf die WM gerichtet“, erklärt Bönisch. „Die EM nehme ich mit, um sicherheitshalber Punkte zu sammeln. Speziell darauf hin trainiert habe ich mit Ausnahme der Unmittelbaren Wettkampfvorbereitung in der letzten Woche in Frankfurt aber nicht.“

In Belgrad erwartet die 26-Jährige nun die komplette europäische Spitze. „Dieses erste Turnier für Olympia lässt sich keiner entgehen“, ahnt sie. Trotzdem hofft Bönisch, die 2003 und 2005 Vizeweltmeisterin und 2002 EM-Zweite war, am Zusammenfluss der Save und der Donau an frühere internationale Erfolge anknüpfen zu können. Im vergangenen Jahr missglückte ihr dieses Vorhaben gründlich, als sie im finnischen Tampere nach einer Schulterverletzung noch nicht wieder topfit antrat und sich nur auf Platz sieben wiederfand.

„Mit diesem Kapitel bin ich inzwischen ganz gut fertig geworden“, sagt die gebürtige Ludwigsfelderin jetzt. Zwar laborierte sie auch im vergangenen Winter an einer Verletzung – einem Bänderriss im linken Daumen –, aber das soll sie nun nicht mehr ernstlich am Zupacken hindern. „Das ist alles wieder okay“, meint Bönisch, die durch eine Ernährungs-Umstellung jetzt auch ihr Kampfgewicht leichter erreichen kann. „Ich habe mich über verschiedene Möglichkeiten informiert und das Beste für mich rausgezogen. Jetzt passt alles besser, jetzt muss ich vor einem Wettkampf nicht mehr so viel Gewicht abkochen. Das ist auch für den Kopf besser“, sagt der Schützling von UJKC-Trainer Axel Kirchner.

Während Bönisch in Frankfurt (Oder) mit der Nationalmannschaft für die EM übte, musste Mario Schendel in der vergangenen Woche mit einer fiebrigen Grippe vier Tage das Bett hüten. Erst am Montag begann er wieder mit dem Training. „Vor der Erkältung war meine Vorbereitung aber ordentlich gelaufen, so dass ich hoffe, nicht zu viel Substanzverlust zu haben. In den Tagen bis zum Freitag will ich noch so fit wie möglich werden“, erzählte der 23-jährige Sportstudent, der ebenfalls von Axel Kirchner trainiert wird und seit dem vergangenen Herbst eine tolle Entwicklung nahm.

In den Notizblock des Bundestrainers kam er damals durch seinen Erfolg bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften im September 2006 in Braunschweig, wo der Potsdamer im Finale den Niederländer Henri Schoeman bezwang und nach zehn Jahren wieder der erste deutsche Sieger in der Gewichtsklasse bis 73 Kilo war. Anfang Februar dieses Jahres holte Schendel Bronze beim international sehr gut besetzten B-Turnier im belgischen Visé, drei Wochen später wurde er auch Dritter des hochkarätigen Otto-Weltcups in Hamburg. „Jetzt ist die EM-Teilnahme mein Ziel“, erklärte er damals.

Das ist nun soweit. „Einige der Gegner, die in Belgrad warten, kenne ich schon, viele aber auch noch nicht. Ich will ähnlich wie in Hamburg an die Aufgabe gehen und mich vorher nicht verrückt machen. Einige Kämpfe will ich aber natürlich gewinnen“, sagt Schendel. „Ein bisschen mehr Druck ist sicher da, weil ich nun der einzige Deutsche in meiner Gewichtsklasse bin.“ Bei den EM 2006 schickte die Deutsche Judo-Union im 73-Kilo-Limit keinen Vertreter auf die Matte.

Am morgigen Donnerstag fliegen die beiden Potsdamer Judoka nach Serbien. „Ich freue mich, dass Mario dabei ist. Das ist gut für den UJKC, aber auch für mich ist es schön, einen Vereinskameraden dabei zu haben“, sagt Yvonne Bönisch, die nach den EM zwei Wochen aktiven Urlaub per Mountainbike im österreichischen Bad Gastein machen will, „um im Kopf mal abzuschalten, ehe meine WM-Vorbereitung beginnt“. Mario Schendel dagegen kann nach Belgrad nicht lange ausruhen: Mitte Juni startet er mit den UJKC-Männern in die neue Bundesliga-Saison. Zuvor wartet jetzt aber erst einmal seine bisher größte Bewährungsprobe auf ihn.

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