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Landeshauptstadt: Geoforschung „unter Tage“

Neubau für Großforschungsinstitut bis Ende 2007 / Bedarf damit nicht gedeckt

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Teltower Vorstadt - Im Forschungscampus „Albert Einstein“ auf dem Brauhausberg wird bis Ende kommenden Jahres für 4,9 Millionen Euro ein Neubau für das Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) errichtet. Gestern wurde der Grundstein für den zweigeschossigen Bürotrakt und ein rechtwinklig darunter liegendes Sockelgeschoss mit Werkstatt- und Gerätelager gelegt. Der Entwurf stammt vom Büro des Potsdamer Architekten Reiner Becker. Gleichzeitig eröffnete das GFZ gestern ein für insgesamt 680 000 Euro eingerichtetes Schülerlabor in einer Etage des zum Astrophysikalischen Institut (AIP) gehörenden großen Refraktor-Gebäudes.

Viele Hürden galt es bis zum gestrigen Tag zu überwinden, erklärte Prof. Rolf Emmermann in seiner Festansprache. Häufig sei in den vergangenen sieben Jahren die Raumbedarfsplanung für den GFZ-Neubau bei ihrer Genehmigung schon überholt gewesen. Die Mitarbeiterzahl des GFZ stieg durch erfolgreiche Drittmitteleinwerbung in den vergangenen Jahren stark, so Prof. Emmermann. Hatte das Großforschungsinstitut – eines von dreien in Ostdeutschland – 2001 noch 625 Mitarbeiter, seien es nun bereits 750. Das GFZ will in dem Becker-Bau seine Arbeitsgruppe für satellitengestützte Erdbeobachtung und ein modernes Rechenzentrum unterbringen. Prof. Emmermann kündigte an, dass auch mit diesem Gebäude der Raumbedarf des GFZ nicht zu decken sein wird. Unter Beifall lud er die Gäste zu einer Grundsteinlegung für einen weiteren Neubau in zehn Jahren ein.

Als schwierig habe sich auch die Einpassung des Gebäudes in die bestehende historische Forschungsarchitektur auf dem Brauhausberg erwiesen. Das älteste Gebäude, das geodätische Institut, wurde 1892 eingeweiht, der große Refraktor 1899. Bereits der Einsteinturm von Erich Mendelsohn von 1921 sei „extra weit weg gebaut worden, damit er die historischen Gebäude nicht stört“, so der GFZ-Chef. Nun zähle der Einsteinturm selbst zur Architekturgeschichte. Prof. Emmermann: „Wir haben es also mit Historie I und II zu tun.“ Um diese zu schonen, liege 40 Prozent des neuen Gebäudes „unter Tage“ – was aber dem Hauptforschungszweck des Geoforschungsinstituts entspreche.

Er habe nicht in Konkurrenz treten wollen mit dem Großen Refraktor und dem Einsteinturm in unmittelbarer Nähe, erklärte Architekt Becker gestern den PNN. Vielmehr seien „Zurückhaltung und Würde, aber auch Selbstvertrauen“ die dem Neubau zugrunde liegenden Überlegungen. Das Gebäude entspreche „dem Geist des 21. Jahrhunderts“, der von Funktionalität geprägt sei. Ein großer Teil der Werkstätten sei eingegraben in den Hang unterhalb des Refraktor-Gebäudes.

Das gleichzeitig eröffnete Schülerlabor „GeoLab“ bietet auf 200 Quadratmetern 24 Computer-Arbeitsplätze, einen Präsentations-Raum mit 3D-Videotechnik und zwei Einzelexperiementierräume. Das GFZ hofft, damit Schüler der Sekundarstufe II für die Geoforschung zu begeistern, so Prof. Emmermann.

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