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Neuer Reiz. Routinier Ronald Rauhe fährt jetzt 500 Meter im Vierer.
© S. Stache/dpa

Potsdamer Kanu-Rennsport: Kracher und Dämpfer

Der Weltcup in Szeged war für die deutschen Kanuten wichtige WM-Qualifikationsregatta. Potsdams Altmeister Ronald Rauhe paddelte dabei mit seiner Vierer-Crew zu einer Weltbestzeit, während das Olympiasieg-Duo Sebastian Brendel/Jan Vandrey eine bittere Niederlage kassierte.

Von Tobias Gutsche

Die 500 Meter und Ronald Rauhe sind eine Erfolgsgeschichte. Einst sammelte der Kanute des KC Potsdam bei internationalen Großereignissen auf dieser Distanz reihenweise Medaillen, meistens goldene. Zuletzt 2009, als er im Kajak-Einer Weltmeister wurde. Weil dann aber diese Streckenlänge aus dem Männer-Olympiaprogramm gestrichen wurde, widmete sich das Paddel-Ass vornehmlich den neu aufgenommenen 200 Metern. Zum aktuellen Olympiazyklus gibt es jedoch das Comeback des halben Kilometers, nämlich im Kajak-Vierer – und das reizt Rauhe.

Denn es ist für ihn erfolgversprechend wie eh und je, was am gestrigen Sonntag bewiesen wurde. Zusammen mit Max Rendschmidt (Essen), Tom Liebscher (Dresden) und Max Lemke (Mannheim) fuhr er zum Sieg beim Weltcup im ungarischen Szeged. Die Gewinnerzeit von 1:18,748 Minute bedeutete zugleich die weltweit schnellste, die jemals in dieser Disziplin erreicht wurde. „Das ist schon mal ein richtig guter Einstieg“, sagte Rauhe. Er freute sich allerdings auch über die Negativaspekte. „Zwei, drei Schnitzer hatten wir noch drin. Das ist doch zum jetzigen Zeitpunkt super, denn so wissen wir, dass Potenzial für noch weitaus bessere Rennen da ist. Ich habe echt so dermaßen Lust auf dieses Projekt.“

Brendel/Vandrey verlieren Status als deutsche Nummer eins

Unverkennbar, wie das Leistungssportler-Feuer in dem 35-Jährigen weiter auf höchster Stufe brennt. Von seiner ursprünglichen Idee, 2017 als Abschiedsjahr zu nutzen, hat er längst Abstand genommen. „Ich merke einfach“, erklärte Ronald Rauhe, „dass ich es immer noch drauf habe, richtig schnell zu sein.“ Diese Saison möchte er seine sportliche Qualität dann vor allem bei der Weltmeisterschaft Ende August im tschechischen Racice abrufen. Die Kriterien zur Nominierung für den Jahreshöhepunkt hat Rauhes Vierer-Crew mit dem gestrigen Weltcup-Erfolg souverän erfüllt.

Dem Großteil der deutschen Starter war das in Szeged nicht gelungen, lediglich zwei weitere Podestplätze wurden geholt. Ungewöhnlich mau fiel damit zugleich die Potsdamer Bilanz aus. Bis auf Ronald Rauhe kam keiner der acht anderen KCP-Teilnehmer unter die Top 3, was vor allem im Canadier-Zweier über die 1000 Meter eine bittere Note hatte. Sebastian Brendel und Jan Vandrey, die voriges Jahr sensationell Olympiasieger geworden waren, landeten auf Platz vier – einen Rang hinter dem Leipzig-Magdeburg-Boot Peter Kretschmer/Yul Oeltze, das den nationalen Vergleich für sich entschied. „Basti und Jan haben mit persönlicher Bestzeit ein sehr gutes Rennen hingelegt – aber die beiden anderen waren eben noch besser“, urteilte Ralph Welke, KCP-Cheftrainer und Canadier-Bundestrainer. Und weil sie zur entscheidenden Qualifikationsregatta besser waren, bekommen Kretschmer/Oeltze nun dieses Jahr den Vorzug. Ein herber Dämpfer für das Potsdamer Goldduo von Rio, denn Brendel und Vandrey wollten eigentlich im Canadier-Zweier über 1000 Meter fortan eine Dominanz entwickeln und so für Konstanz innerhalb Deutschlands sorgen. Seit 2009 war jedes Jahr eine andere Besatzung die nationale Nummer eins in dieser prestigeträchtigen Bootsklasse – das geht 2017 weiter.

Nun beim Weltcup in Belgrad das WM-Ticket buchen

Da Dreifach-Olympiasieger Brendel in Szeged seinen Fokus voll und ganz auf den Zweier legte, muss er nächstes Wochenende in Belgrad beim bereits dritten Saison-Weltcup das WM-Ticket nachbuchen. Den nötigen Leistungsnachweis – eine Weltcup-Medaille oder nicht mehr als 1,5 Prozent Rückstand zur jeweiligen Siegerzeit – braucht auch noch seine KCP-Kollegin Franziska Weber. Die viermalige olympische Kajak-Medaillengewinnerin kam in Szeged auf der 500-Meter-Distanz nur zu den Rängen vier im Zweier und sieben im Vierer – zum Aufgebot des Großbootes gehörte unter anderem Potsdams amtierende U23-Weltmeisterin Tabea Medert. Ins A-Finale schafften es aus KCP-Sicht ansonsten lediglich Timo Haseleu/Max Zaremba (Kajak-Zweier/500), sie wurden Neunte.

„Bei dem Weltcup hier herrschte richtig Betrieb. Die Konkurrenz war groß. Bei uns Deutschen im Allgemeinen und uns Potsdamern im Speziellen ist noch nicht viel zusammengelaufen“, meinte Coach Ralph Welke. „Das macht uns aber nicht unruhig. Wegen der etwas längeren Pause nach Olympia ist der Leistungsaufbau anders als sonst. Die Steigerungen werden erst später im Saisonverlauf kommen. Wir wissen jetzt aber jedenfalls ganz genau, dass wir noch eine Menge zu tun haben.“ Zunächst gilt es, sich fit zu machen für das anstehende WeltcupFinale in Belgrad. Dort müssen im Kampf um die WM-Nominierung gute Argumente geliefert werden. Der männliche Kajak-Vierer mit Ronald Rauhe & Co. hat es in Szeged vorgemacht.

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