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Aus dem GERICHTSSAAL: Nasenbein und Daumen gebrochen

Angeklagter sagt am nächsten Prozesstag aus

Stand:

Die zwei Gruppen hätten sich schon eine Zeitlang angepöbelt, erzählt Restaurantfachfrau Katharina K.* (23) vor dem Schöffengericht. Irgendwann sei die Sache eskaliert. Ein 16-jähriger Russe habe vor dem „Wiener Café“ blutend am Boden gelegen. Ein deutscher Gast namens Lars L. habe ihr gegenüber geäußert: „Ich habe dem gerade ein Bierglas in die Fresse gehauen.“

Der Angriff auf Vitali V.* geschah in der Nacht des 5. September 2004. Geblieben sind Narben der Schnittwunden, die mit mehreren Stichen genäht werden mussten. „Mein Nasenbein und ein Daumen waren gebrochen. Den kann ich heute nicht mehr bewegen. Teile meiner Zähne waren abgesplittert“, berichtet der Fachabiturient, der im Prozess gegen Lars L. als Nebenkläger auftritt. An Stress mit ihm und dessen Kumpels kann er sich nicht erinnern. „Mein Freund Sascha und ich hatten Landsleute in dem Lokal getroffen. Wir wollten gerade nach Hause gehen, als wir draußen einen Tumult bemerkten. Ich fragte den Nächststehenden, was los sei. Da drosch der mir auch schon seine Faust ins Gesicht“, so Vitali V. „Es war der Angeklagte.“ Durch die Wucht des Hiebes sei er zu Boden gestürzt, dort von Lars L. und einem zweiten Deutschen auch getreten worden.

Lars L.* (26) wird zum Prozess aus dem Brandenburger Gefängnis vorgeführt. Zum Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung wolle sich sein Mandant vorerst nicht äußern, erklärt der Verteidiger. Auch Angaben zu seiner Person mache er momentan nicht. So bleibt im Dunkeln, was für eine Strafe der Tätowierte gerade absitzt.

„Ich ging kurz nach Vitali aus dem Café. Da lag er schon auf der Erde und blutete an Nase und Kinn“, erinnert sich Sascha S.* (19) im Zeugenstand. Er habe seinen Freund auf einen Stuhl vor der Gaststätte gesetzt, wollte Hilfe holen. In diesem Moment sei Vitali erneut von zwei Männern angegriffen worden. „Der Angeklagte war einer der Schläger“ ist sich auch Sascha S.* sicher. Während Vitali V. sowie der Koch des Lokals, der bei dem Gerangel ebenfalls etwas abbekam, im nahen St.-Josefs-Krankenhaus verarztet wurden, hätten sich Lars L. und sein Kumpel an dessen Hintereingang aufgehalten. „Sie sagten, sie wollen bloß gucken“, berichtet Sascha S.

„Ich war betrunken, habe nur noch eine schemenhafte Erinnerung an diesen Abend“, beteuert Gordon G.* (26), Freund und vermeintlicher Mittäter des Angeklagten. Sein Verfahren wurde inzwischen eingestellt. Im Fall von Lars L. sieht das Schöffengericht allerdings weiteren Aufklärungsbedarf, lädt für den 21. Dezember noch mehr Zeugen der Auseinandersetzung. Dann werde sein Mandant auch aussagen“, lässt der Verteidiger verlauten. (*Namen geändert.) Hoga

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