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Landeshauptstadt: Poetische Kleider

Potsdams Hauptstadtrepräsentanz: Joop eröffnete „Wunderkind“-Boutique am Gendarmenmarkt

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Berliner Vorstadt - Potsdams neue Hauptstadtrepräsentanz hat unbestritten Bestlage. Durch die gläsernen Flügeltüren lugt der Französische Dom hinein, glitzert der Gendarmenmarkt. Seit gestern ist die „Wunderkind Boutique“ in der Markgrafenstraße direkt am Berliner Gendarmenmarkt geöffnet. Eingeweiht wurde die neue Adresse des Modelabels von Wolfgang Joop, das seinen Hauptsitz in Potsdam hat, am Donnerstag mit einem Cocktailempfang.

Kaufen sollte an diesem Abend niemand etwas – die „Wunderkind“-Kreationen waren allesamt hinausgeräumt worden. „Wolfgang wollte es leer haben“, verriet seine 91-jährige Mutter Charlotte und sagte: „Nun haben manche gesagt, es sieht aus wie eine Bahnhofshalle.“ Einen so edlen Bahnhof gibt es aber wohl nirgendwo: Die 340 Quadratmeter Verkaufsfläche für Damenkollektion und Kosmetiklinie haben Wolfgang Joop und sein Partner Edwin Lemberg in Anlehnung an die Räume der „Villa Wunderkind“ in der Potsdamer Seestraße gestaltet. Auf dem Boden wurde Parkett aus geschwärzter und wieder abgeschliffener Eiche verlegt, Barockmöbel und französische Klassiker aus Joops privater Sammlung ersetzen die typischen Ladenregale. „Wir haben kein einziges Möbelstück gekauft“, sagte Designer Joop, der in rosafarbenem Rollkragenpullover unter hellbraunem Fischgrät-Jacket zur Boutique-Eröffnung erschien. Bisher verkauften sich die Kleider seines Luxus-Labels zwar weltweit, doch die Dependance in Berlin war ein Geheimtipp – ein kleinerer Laden versteckt in der Rückertstraße hinter dem Rosa-Luxemburg-Platz. Nun sei Zeit gewesen für den Umzug, sagte Joop. Das neue Haus habe ihn „gefunden“ – es sei schlicht „die beste Lage“. Und außerdem: Auch die italienische Luxusmarke Armani sei daran interessiert gewesen.

Eingezogen ist aber „Wunderkind“, was die Wahl-Potsdamerin Angelica Blechschmidt kaum verwundert. Sie war 24 Jahre Chefredakteurin der deutschen „Vogue“ und ist mit Joop lange Jahre befreundet. Dass er Erfolg haben würde, hat sie schon immer gewusst: „Wölfchen ist so absurd-kreativ, ich wusste, er kann nie untergehen.“ Seine „Wunderkind“-Mode beschreibt Blechschmidt als „poetische Kleider“, die sicherlich auch inspiriert seien von Potsdams Historie, den „Schlössern, dem Stuck und besonders der Malerei“. Sie selbst trug ein leichtes, blumiges Kleid des Joop-Labels. Ebenfalls in „Wunderkind“ – einem roten Oberteil und roten Schuhen – erschien die Potsdamer Schauspielerin und Unternehmerin Doreen Jacobi im Gendarmenpalais. Sie war 2001 das Gesicht für die Werbekampagne des damaligen Joop-Parfüms „All about Eve“ und ist mit dem Modeschöpfer gut bekannt. „Ich hätte am liebsten einen ganzen Schrank voll ,Wunderkind““, sagte Jacobi. „In dieser Kleidung fühlt man sich einfach wie eine Prinzessin, unglaublich schön.“

Dass es die am Heiligen See entworfenen, limitierten und handgefertigten „Wunderkind“-Kleider bald auch in Potsdam zu kaufen gibt, ist nicht zu erwarten. „Potsdam ist sehr schwierig“, sagte Joop, der bereits einmal ein Geschäft in der Stadt hatte: „Biete ich teure Ware, die in Potsdam entsteht, sagen die Potsdamer: Der will doch an uns verdienen. Und biete ich billigeres, heißt es, für uns ist das Letzte wohl auch gut genug!“ – er als gebürtiger Potsdamer dürfe dies sagen, fügte Joop hinzu. Doch im Zusammenhang mit seiner Heimatstadt bewegt ihn offenbar mehr, was derzeit die meisten Potsdamer diskutieren: den Landtagsneubau. Die Ablehnung der Stadtverordneten ist für Joop kaum nachvollziehbar: „Einen größeren Skandal gibt es auf dem Planeten nicht.“ Er wolle, dass die Stadt ihre Mitte wiederbekomme. SCH

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