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Sport: Potsdamer Siegfahrten für Deutschland

Seekrug-Talente gewannen dreimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze auf dem Beetzsee

Stand:

Seekrug-Talente gewannen dreimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze auf dem Beetzsee Von Michael Meyer Irgendwo nahe dem Hünensteg gab Christin Hoffmann das Signal zum Angriff. „Los!“ rief die 17-jährige Brieselangerin von der Potsdamer Ruder-Gesellschaft auf dem Beetzsee und erhöhte mit ihren Klubkameradinnen Mandy Reppner und Anna-Theresa Kluchert sowie Nora Franzen vom WSV Honnef die Schlagzahl. Langsam schob sich die Bugspitze ihres Doppelvierers „Ladies First“ an der des weißrussischen Bootes vorbei, und nach der Hälfte der 2000 Meter lag eine der deutschen Titel-Hoffnungen bei den Ruder-Junioren-Weltmeisterschaften bereits auf Gold-Kurs. Das Quartett um Schlagfrau Kluchert fuhr das Rennen mit einer Länge Vorsprung souverän nach Hause und ließ sich auch nicht mehr aus der Ruhe bringen, als die Weißrussinnen beim Endspurt vor der dicht gefüllten Zuschauertribüne in ihre Bahn kreuzten und fast mit ihrem Boot kollidierten. Glücklich rissen die jungen Frauen im Ziel die Arme in die Höhe. Am Ufer strahlte zur gleichen Zeit Roland Köpke mit der gelegentlich durch die Wolken blitzenden Sonne um die Wette. Der 52-Jährige, daheim am Seekrug Cheftrainer des PRG-Nachwuchses, hatte den Doppelvierer auf die WM vorbereitet und konnte nun konstatieren: „Die Mädchen haben unsere taktische Marschroute befolgt, haben auf den zweiten 500 Metern unsere Stärken ausgespielt und die Führung dann souverän behauptet. Ich bin sehr erleichtert.“ Das waren auch seine Schützlinge, „denn im Vorfeld war der Erwartungsdruck doch ziemlich groß“, räumte später Christin Hoffmann ein, der ihr Coach „eine sehr gute Entwicklung“ bescheinigte. Während sie erstmals am JWM-Siegersteg anlegte, kannten Kluchert und Reppner dieses Gefühl schon aus dem Vorjahr im spanischen Banyoles. „Die Konkurrenz war in beiden Jahren sehr hart, aber hier vor eigenem Publikum gleich mit drei Potsdamerinnen zu gewinnen war einfach super“, erklärte Mandy Reppner, die normalerweise für die Kommandos im Boot zuständig ist, die nun Christin – mit der sie sich im Sportschul-Internat das Zimmer teilt – aber keineswegs grollte. „Die Anfeuerungsrufe von der Tribüne haben uns zusätzlich vorangetrieben“, sagte die 17-jährige Potsdamerin. Auch Anna-Theresa Kluchert, die aus Dallgow stammt, meinte: „Eine tolle Kulisse!“ Für die hundert Meter vom Siegersteg bis zum kleinen Zelt am Zielturm, in dem sich die Erstplatzierten vor der Siegerehrung sammelten, brauchten die vier Skullerinnen länger als für den Endlauf. Hier Umarmungen, da Gratulationsküsschen, viele viele zu schüttelnden Hände – Mandy Reppner war schier überwältigt: „Eltern, Freunde, Schul- und Sportkameraden, alle waren da. Einfach toll!“ Dieses Gefühl konnten am Sonnabend am Beetzseeufer auch die anderen Potsdamer Ruderer in den deutschen Auswahlbooten auskosten. Hans Gruhne beispielsweise, der sich einen Tag nach seinem 17. Geburtstag im Doppelzweier mit dem Magdeburger Tim Bartels ebenso souverän vor Kroatien und Neuseeland durchsetzte (siehe Interview) . Auch Ben-Jack Drese, der aus dem nahen Plaue stammt und den deutschen Vierer „mit“ als Steuermann zu Gold führte. „Wir haben ein bisschen früh den Endspurt begonnen“, meinte der 15-Jährige dennoch selbstkritisch, ehe er bei der Siegerehrung von seiner mit zweifachem Olympia-Gold dekorierten Vereinskameradin Kerstin El-Qalqili gedrückt wurde. Mutter Anke Drese wischte sich währenddessen auf der Tribüne Tränen aus den Augen. „Das ist super, darauf hat er neun Jahre hingearbeitet“, schluchzte sie. Zufrieden zeigte sich auch Clemens Wenzel, obwohl sein Doppelvierer in einem der spannendsten JWM-Endläufe kurz vorm Ziel noch von den Italienern überspurtet wurde. „Das Rennen war spitze. Wir haben alles gegeben und sind total zufrieden.“ Das waren letztlich auch Florian Köppen und Kay Benecke, die im „reinen“ Potsdamer Zweier ohne Steuermann auf Platz drei hinter Rumänien und Italien einkamen. „Wir haben eine Medaille, und das ist okay“, sagte Köppen, während Benecke zum Rennverlauf erzählte: „Anfangs waren wir nervös, auf den ersten 500 Metern mussten wir uns erst zusammenfinden, das Boot lief nicht ganz sauber. Danke an das Publikum, dessen Unterstützung hat uns die letzten 300 Meter nochmal an Kanada hat vorbeifliegen lassen.“ Ihr Trainer Steffen Becker beschied ihnen ebenfalls: „Beide haben alles gegeben. Schon vom Körperbau her waren die siegreichen Rumänen ein ganz anderes Kaliber“ Besonders aufmerksam beobachtet wurden Köppen/Benecke auch von Bernd und Jörg Landvoigt; die Brandenburger Zwillinge wurden von 1974 bis 1980 für Potsdam zweimal Olympiasieger und viermal Weltmeister im Zweier ohne. „Sicher hatte man nach dem bisherigen Saisonverlauf ein bisschen mehr erhofft, aber es ist schön, dass mal wieder zwei Potsdamer in diesem Boot international rudern“, meinte Jörg Landvoigt (54), der heuer beim Landessportbund tätig ist und die JWM-Regatta mit organisierte. Bruder Bernd ist Riemen-Trainer im Potsdamer Seekrug und wird Köppen/Benecke im Herbst übernehmen. „Sie sind ein gutes Rennen gefahren“, sagte er den PNN. „Beide sind ja nicht die körperlichen Löwen, sondern machen vieles über ihre gute Technik.“ Potsdams Nachwuchs-Chefcoach Köpke bilanzierte am Ende: „Nach der tollen Quantität der PRG bei dieser WM stimmt jetzt auch die Qualität. Dreimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze erfüllen uns mit Stolz. Dieses Ergebnis ist so gut wie seit Jahren nicht mehr, zumal mit dem Zweier ein reines Vereinsboot und mit dem Doppelvierer ein Boot mit drei Potsdamerinnen zu den Medaillengewinnern gehörten.“ Dass Hans Gruhne, Ben-Jack Drese, Clemens Wenzel, Anna- Theresa Kluchert, Mandy Reppner und Christin Hoffmann auch im nächsten Jahr noch bei den Junioren starten können, lässt die Potsdamer RG optimistisch Richtung JWM 2006 in Amsterdam blicken.

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