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Sport: „Rauchi“ allein nach Shanghai

Babelsbergs Oberliga-Torhüter düste gestern zum Foto-Termin für die Olympia-Werbung 2008 nach China

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Babelsbergs Oberliga-Torhüter düste gestern zum Foto-Termin für die Olympia-Werbung 2008 nach China Von Michael Meyer Torleute, sagt man, sind mitunter die einsamsten Menschen - wenn sie im Fußballspiel das Leder aus dem eigenen Netz holen müssen. Sebastian Rauch erlebte diesen Moment am Freitagabend zur Oberliga-Saisoneröffnung des SV Babelsberg 03 daheim gegen Hansa Rostock II einmal beim 1:1; ein Fangfehler (47.) blieb glücklicherweise ohne Folgen. So konnte er nach dem 2:1-Heimsieg aufatmen: „Ich bin froh, dass wir gewonnen haben. Unser Sieg war aber auch verdient.“ In diesen Tagen fühlt sich „Rauchi“ trotzdem ein bisschen einsam: Gestern düste der 1,86-Meter-Mann von Frankfurt (Main) aus mit der Fluglinie „China Air" allein nach Fernost. In Shanghai hat der Babelsberger einen wichtigen Fototermin. Aller Voraussicht nach wird er bald – auf Bildern nach dem Ball hechtend – für die Olympischen Spiele 2008 in Peking werben. „So richtig realisieren kann ich immer noch nicht, dass man für ein paar Fotos einfach mal nach Shanghai fliegt“, erzählte der Keeper, der das erste Mal ein solches Shooting macht. Als Model entdeckt wurde Sebastian Rauch im Internet von der Berliner Agentur „Sport-Model“, die im Auftrag eines großen asiatischen Konzerns die Internetseiten diverser Fußball-Vereine durchforstete. „Wir suchten einen Torwart mitteleuropäischen Typs und fanden mit Sebastian ein unserem Raster entsprechendes Model“, erzählte Agentur-Chef Erik Müller. Nach Absprache mit dem SV Babelsberg 03 folgte ein Casting im Berliner Jahn-Sportpark, und nachdem die Probefotos in Fernost Anklang gefunden hatten, bereitete der Torhüter seine weite Reise vor. Ein neuer Pass musste her, an der chinesischen Botschaft in Berlin war kurzfristig ein Visum zu besorgen, um Flug und Hotel in Shanghai kümmerte sich die Agentur. Von seinem Verein bekam „Rauchi“ für die Reise ein paar Tage trainingsfrei, in die Potsdamer Uni muss der Sport-Student, der im September sein Vordiplom machen wird, wegen der momentanen Semesterferien ebenfalls nicht. In Asien war der 23-Jährige bisher noch nie. „Aber 1997 mit Babelsbergs B-Junioren in den USA“, erzählte er. „Da bestritten wir mit unserem damaligen Trainer Klaus Benkert in Potsdams Partnerstadt Sioux Falls ein Turnier, sind quer durch South Dakota gereist und haben uns Chicago angeschaut.“ Daher sei ihm eine große Millionenstadt nicht neu, meint er. Wohl wissend, dass Chicago nicht mit der größten Stadt der Volkrepublik China zu vergleichen ist. In der wird Sebastian Rauch weitestgehend auf sich allein gestellt sein. Heute gegen elf Uhr wird er am Jangtsekiang-Fluss eintreffen, den Montag über hat er frei. „Am Dienstag werde ich dann zu den Fotoaufnahmen irgendwo in Shanghai abgeholt, und am Mittwoch fliege ich wieder zurück.“ Um sich in den trainingsfreien Tagen fit zu halten, hat der Babelsberger – der 1989 beim SVB-Vorgänger Motor mit dem Kicken begann und erst in der B-Jugend ins Tor rückte – Laufschuhe mit. „Ich soll in Schanghai laufen – aber wo? Ich kenne mich dort ja überhaupt nicht aus, da werde ich wohl nur im Hotel durch die Gänge und treppauf, treppab rennen“ An eine neue Karriere als Model glaubt Rauch übrigens nicht. „Sport-Model“- Chef Müller sagt zwar: „Nun liegt alles in seiner Hand.“ Der Keeper meint jedoch: „Das kann ich mir nicht vorstellen. Jetzt ist es aber mal eine schöne Abwechslung.“

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