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Sport: Schlammschlacht
Rund 400 Fahrer gehen ab heute bei den Cross-Meisterschaften in den Kiebitzbergen an den Start
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Wenn am heutigen Samstag der Startschuss für die diesjährigen Deutschen Cyclocross-Meisterschaften ertönt, werden sich die Teilnehmer auf äußerst schwierige Bedingungen einstellen müssen. „Die Wettervorhersage sieht nicht sehr rosig aus, den Rennfahrern droht also eine wahre Schlammschlacht“, sagt Markus Mex, Sprecher des RC Kleinmachnow, der die Meisterschaften bereits zum dritten Mal ausrichtet. „Aber das sind ja letztlich die Bedingungen, die traditionell zum Crossfahren gehören.“
Insgesamt haben sich inzwischen rund 400 Sportlerinnen und Sportler in die Meldelisten eingetragen – und dies bedeutet einen neuen Teilnehmerrekord. Allein am Mastersrennen, das heute um 14.50 Uhr in den Kiebitzbergen gestartet wird, nehmen fast einhundert Fahrer ab 41 Jahren teil. Für den 43-jährigen Jens Schwedler aus Norderstedt wird es das letzte Rennen sein. „Diesmal ist das nun wirklich endgültig“, versichert der amtierende Deutsche Meister und mehrfache Weltmeister der Mastersklasse, der bereits im Jahr 2005 seinen Rücktritt vom Leistungssport erklärt hatte und dann zum Leidwesen seiner Konkurrenz doch noch einmal ins Renngeschehen eingriff.
Aber auch das erstmals im Rahmen einer Deutschen Meisterschaft ausgetragene „Jedermannrennen“, das heute um 17 Uhr beginnt, wird auf großes Interesse stoßen. Vorerst starten rund einhundert Männer in zwei Vorläufen – im Finale der besten 40 werden dann auch fünf Frauen mit von der Partie sein. Der RC Kleinmachnow wird das Rennen komplett ausleuchten und baute im Wald eine Flutlichtanlage auf. „Wir sind schon sehr gespannt, wie die Fahrer das meistern werden. Bei Schlamm und Flutlicht wird das bestimmt nicht leicht“, meint Markus Mex.
Beim Eliterennen der Frauen am Sonntag ab 13 Uhr sind die Augen vor allem auf Hanka Kupfernagel gerichtet. Die mehrfache Weltmeisterin ist gleichzeitig Titelverteidigerin und möchte in den Kiebitzbergen abermals Deutsche Meisterin werden. Kein leichtes Unterfangen, denn die Konkurrenz im Frauenfeld ist groß. Trixi Worrack beispielsweise könnte der Meisterin aus Thüringen das Leben schwer machen. Die Cottbuserin zählt zu den besten Fahrerinnen Deutschlands. ihr eigentliches Metier ist jedoch der Straßenradsport, wo sie 2009 Deutsche Meisterin im Zeitfahren und 2006 Vizeweltmeisterin wurde. Aber auch beim Cross dürfte sie für eine Überraschung gut sein.
Die Dritte im Bunde, wenn es um den Angriff auf den nationalen Titel geht, könnte Sabrina Schweizer aus dem Allgäu sein. Die 21-Jährige glänzte zuletzt mit vorderen Platzierungen im Cross- Weltcup und insgesamt fünf Siegen beim Deutschland-Cup.
Und nicht zuletzt werden die Zuschauer an der Strecke gespannt das Rennen im Elitebereich der Männer verfolgen. Die beiden aussichtsreichen Bewerber um den Titel kommen aus der Region und so dürften gute Stimmung und laute Anfeuerungsrufe vorbestimmt sein. Lokalmatador Philipp Walsleben begann bereits als Grundschüler in Kleinmachnow mit dem Crossrennen – ebenso wie sein Rivale Christoph Pfingsten aus Stahnsdorf. Beide sind inzwischen Profis: Während Walsleben seinen Wohnsitz nach Belgien verlegt hat und für den dortigen Rennstall BKCP-Powerplus in die Pedalen tritt, startet Pfingsten für das niederländische Cyclingteam De Rijke.
Obwohl Walsleben als Titelverteidiger ins Rennen geht, dürfte er nicht von vornherein die Favoritenrolle innehaben. Eine Viruskrankheit hatte den 24-Jährigen kürzlich aus der Bahn geworfen, so dass an Training nicht zu denken war. Erst allmählich tastete sich Walsleben wieder an die Spitze heran, kam bei Weltcups zweimal auf den 27. Platz und konnte kürzlich beim international stark besetzten Fidea-Crossrennen im belgischen Leuven auf den fünften Platz fahren. „Ich werde in Kleinmachnow alles geben, gerade auch im Hinblick auf Christoph“, sagt Walsleben, dessen jüngerer Bruder Max am heutigen Samstag ebenfalls Titelambitionen hat, wenn er um 11.40 Uhr mit den U 23-Männern an den Start geht.
Sobald man von einem in etwa ausgeglichenen Kräfteverhältnis zwischen Philipp Walsleben und Christoph Pfingsten ausgeht, könnte Ersterer allerdings noch ein Ass im Ärmel haben. Denn: An seiner Seite fährt sein Teamkollege Marcel Meisen. Und der Profi aus Stolberg, so vermuten Kenner der Szene, könnte seine eigenen Titelambitionen opfern, seinem Partner „Walze“ den Rücken freihalten und mit taktischen Spielchen versuchen, den Titel im BKCP-Powerteam zu halten. „Es wird in jedem Fall ein spannendes Rennen“, verspricht Walsleben. „Ich bin jedenfalls wieder gut in Form.“
www.cross-dm2012.de
Henner Mallwitz
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