Landeshauptstadt: Sportkultur-Austausch zwischen Ostfriesland und Potsdam
Volkssport „Boßeln“ soll in Potsdam heimisch werden – bald will man per Straßenschild auf Boßelstrecken aufmerksam machen
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Mal „övert Dumm“ (über Daumen), mal „övert Finger“ abgerollt, dazwischen ein Korn zum Aufwärmen und nach dem Spiel ganz klassisch: Grünkohl und Knacker. So kennt man das Boßeln in ostfriesischen Gefilden, wo dem Mannschaftssport im Winter gefrönt wird. Doch – nicht zuletzt wegen eines Potsdamer Oberbürgermeisters mit ostfriesischen Wurzeln – breitet sich der Boßel-Spaß auch auf märkischen Straßen aus.
„Boßeln bedeutet Geselligkeit und lebt von der Mischung aus Sport und frischer Luft“, sagt denn auch einer, der es wissen muss: Hans-Jürgen Sattler, gebürtiger Ostfriese, seit einigen Jahren in Potsdam lebend, organisiert regelmäßig das Neujahrsboßeln mit Jann Jakobs und lud am vergangenen Wochenende seine ostfriesische Boßel-Gruppe nach Potsdam.
Boßeln ist eine Mischung aus Freiluftkegeln und Schlagballweitwurf. Die Kugel, knapp ein Kilo schwer und meist aus Holz, wird ähnlich der Technik beim Bowling geworfen. Spielfläche sind Nebenstraßen. Ziel ist es, in möglichst wenig Würfen eine vorher bestimmte Strecke zu absolvieren.
Die 14 Boßel-Freunde von Sattler lobten die Strecke von der Glienicker Brücke an der Havel entlang bis zur Moorlake auf Berliner Gebiet. Das Staunen von Potsdamern und Berlinern am Wegesrand war den Boßelern gewiss. „Was ist das denn?“ war eine oft gestellte Frage. „Die Passanten zu Fuß und auf dem Rad waren sehr rücksichtsvoll“, freute sich Sattler.
In Ostfriesland wird auf den Straßen sogar per Straßenschild auf Boßelstrecken aufmerksam gemacht. Das dreieckige Warnschild soll künftig auch auf Potsdamer Nebenstraßen stehen. Der amtlichen Unterstützung von Landsmann Jakobs kann sich Sattler sicher sein, die braucht er offensichtlich aber gar nicht. „Man muss nur das Boßeln bei der Straßenverkehrsbehörde anmelden, dann darf man dieses temporäre Warnschild aufstellen“, so Sattler. Spätestens im kommenden Winter dürfte also an einigen Straßen das Schild „Achtung Boßler“ stehen. KG
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