AUSSICHTEN: Treppenhaus von Schinkel entdeckt
Neues von St. Nikolai: Denkmalschutz genehmigt Palmettenring / Außensanierung 2009 abgeschlossen
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Innenstadt - Der Eröffnung einer Aussichtsplattform auf dem Säulenrondell der St. Nikolaikirche ab Frühsommer 2009 steht nichts mehr im Wege. Gestern gaben die Denkmalpfleger grünes Licht für die Wiederherstellung eines ursprünglichen Palmettenringes, der das Geländer des Kolonnadendach-Rundgangs optisch abschirmen soll. Drei Palmetten – kupferne Palmenwedel im Sandstein-Look – waren gestern auf der Seite zum Alten Markt zu Demonstrationszwecken für die Denkmalpfleger montiert.
Mit dem Einverständnis der Denkmalpflege sei die entscheidende Hürde für den Rundgang genommen, sagte Anja Kriebel von der Nikolaikirchen-Gemeinde gestern vor Journalisten. Die Mittel für 55 der 98 benötigten 86 Zentimeter hohen Palmetten seien bereits durch Spender gesichert. Sollten sich bis zur Einweihung der Aussichtsplattform nicht genügend weitere Spender finden, würden die restlichen Palmetten durch die Gemeinde vorfinanziert.
Während der Bauarbeiten für den Aufstieg zum Kolonnadenrundgang machte Architekt Bernd Redlich indes eine Entdeckung: Er fand ein originales Treppenhaus aus der Zeit des ersten zwischen 1830 und 1837 realisierten Kirchenbau-Abschnittes, der noch von Karl Friedrich Schinkel stammt. Redlich: „Das hat Schinkel selbst noch gesehen.“ Preußens namhaftester Architekt hatte die Nikolaikirche zunächst ohne deren heutiger Kuppel und ohne die vier Ecksäulentürme geplant. Die Glocken waren in Glockenstuben des Haupthauses untergebracht. In eine dieser Glockenstuben führte der nun freigelegte Gang. Nach dem Tod Schinkels war der Kirche, die nach dem Schinkel-Entwurf nur ein einfaches Walmdach besaß, zwischen 1843 und 1850 unter Leitung der Architekten Ludwig Persius und Friedrich August Stüler das heute weithin sichtbare Säulenrondell mit der Kuppel aufgesetzt worden. Um deren enorme Masse ableiten zu können, wurden die Glockenstuben und Treppenhäuser komplett ausgefüllt und zugemauert und die vier Ecktürme mit den Engeln darauf errichtet. Ein kurzes Stück der wiederentdeckten Schinkel-Treppe wird Redlich zufolge in den Aufstieg zum Aussichtsrondell integriert.
Trotz leichter Bauverzögerungen durch den Frost wird die Außensanierung der Nikolaikirche noch 2009 abgeschlossen sein, kündigte Gemeinde-Geschäftsführer Joachim Uhlig an. Aus Geldgründen konnten nicht alle Wünsche der Gemeindemitglieder in Erfüllung gehen. So wird der zu DDR-Zeiten nachgegossene Engel auf der Seite zur Fachhochschule auch künftig in luftiger Höhe beten – obwohl das beim Luftangriff am 14. April 1945 aus 40 Meter Höhe zu Boden gestürzte und zerschellte Engel-Original segnete und nicht betete. Wie Anja Kriebel beschreibt, wurde schlicht der falsche Engel mit der falschen Handhaltung nachgegossen. Vor 1945 beteten zwei Engel und zwei segneten. Jetzt beten drei und nur noch einer segnet. Uhlig zufolge hätte ein neuer Nachguss des Engels mit originaler Handhaltung 150 000 Euro gekostet. Da Pfarrer Matthias Mieke theologisch keine Einwände hatte, entschied sich die Gemeindeführung für eine Weiterexistenz des Zink-Engels aus DDR-Zeit. Er bekam lediglich eine neue Seele, wie das Edelstahlgerüst im Innern genannt wird. Die falsche Haltung der Engelshände besitze Denkmalschützer zufolge bereits selbst eine nahezu „semi-historische“ Qualität. Uhlig: „Dieser Engel symbolisiert den Wiederaufbau.“ Dieser endete 1981 mit einer feierlichen Weihe. Guido Berg
Wie Gemeindegeschäftsführer Bernd Uhlig (oben) erläutert, wird dem großen Palmettenring ein zweiter mit kleineren Palmenwedeln am Übergang zur Kuppel folgen. Der große Palmettenring, der nach der Zerstörung 1945 zunächst nicht wieder hergestellt wurde, soll optisch das Geländer des Rundganges verdecken. Künftige Besucher der Aussichtsplattform – nur 20 dürfen gleichzeitig hinauf – nutzen zum Aufstieg auch Teile einer Treppe aus der Schinkel-Zeit. gb
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