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Karl-Gustav Illmer, Hans-Rüdiger Karutz und Gudrun Härtel-Karutz überlebten die "Nacht von Potsdam".
© Andreas Klaer/Ottmar Winter/Potsdam Museum

Die "Nacht von Potsdam": Zeugen des Kriegs

Gudrun Härtel-Karutz, Karl-Gustav Illmer und Hans-Rüdiger Karutz erlebten die „Nacht von Potsdam“. Was die Bilder vom Krieg in der Ukraine in ihnen auslösen.

Potsdam - Am 14. April 1945 wurden Teile Potsdams von Bomben zerstört, viele Menschen starben. Gudrun Härtel-Karutz, Karl-Gustav Illmer und Hans-Rüdiger Karutz erlebten die „Nacht von Potsdam“. 

Was die Bilder vom Krieg in der Ukraine in ihnen auslösen - drei Zeitzeugen berichten:

"Durch die Fenster sahen wir den Feuerschein"

Karl-Gustav Illmer, Jahrgang 1941, einst Kaiser-Wilhelm-Straße 8.
Karl-Gustav Illmer, Jahrgang 1941, einst Kaiser-Wilhelm-Straße 8.
© Ottmar Winter

Was macht dieser Krieg mit uns, der Kriegsgeneration? Suchen uns die Bilder aus der Ukraine fast Tag und Nacht heim, sehen wir die Potsdamer Trümmerlandschaft im Licht dieses sonnigen Frühlings 1945?

Keine Nachricht aus diesem grausamen, von Putin begonnenen Krieg, die ich nicht aufnehme. Und zu begreifen – ja, zu verarbeiten versuche. Die Ereignisse jener Nacht vom 14. auf den 15. April 1945 schieben sich wieder vor mein inneres Auge. Und liegen auch Jahrzehnte dazwischen, sie sind offenbar unauslöschlich in uns, den nur noch wenigen Augenzeugen, eingebrannt.

Es fällt mir oft schwer, nach den Abendnachrichten zur Ruhe zu kommen. Hat unsere Generation vieles von dem, was sie erlebte, trotz längst vergangener Jahrzehnte, hat sie alle diese Schreckensbilder nicht überwunden? Nicht überwinden können? Ich frage es mich oft.

Den gesamten Bericht von Karl-Gustav Illmer lesen Sie unter diesem Link.

"Sieger und Besiegte – unter einem Dach"

Hans-Rüdiger Karutz, Jahrgang 1941, einst Spandauer Straße 25.
Hans-Rüdiger Karutz, Jahrgang 1941, einst Spandauer Straße 25.
© Ottmar Winter

Sicher, es muss noch hell gewesen sein an jenem tödlichen Sonnabend, 14. April 1945, zwei Wochen nach dem letzten Kriegsostern: Richard von Weizsäcker verlässt als junger Leutnant – einen Tag vor seinem 25. Geburtstag – seine Kaserne am Lustgarten mit einem Verwundeten-Urlaubsschein. Läuft, rucksackbewaffnet, durch den Lustgarten hinüber zum Potsdamer Bahnhof: Die S-Bahn rollt noch immer, nicht mehr so oft, aber der Offizier des berühmten Infanterie-Regiments Nr. 9 kommt wohlbehalten am Anhalter Bahnhof in Berlin an: „Im Westen stand eine Feuerwand – ich ahnte nicht, dass es Potsdam war“, erinnert er sich später. 

An jenem Abend scheint in „Potztupimi“ noch alles halbwegs normal – für Kriegszeiten. Lebensmittel sind knapp, aber „auf Karte“ gibt es sie noch. Der Tag – eingehüllt in märkische Sonne... Die Potsdamer ergingen sich in ihrer noch immer unversehrten, scheinbar so kriegsfernen Stadt. Vom Garnisonkirchturm zur Stunde das berühmte „Üb immer Treu und Redlichkeit, bis an dein kühles Grab“, als sei tiefster Friede. Aber der Tod – der Tod aus dem Himmel, die Gräber der Unschuldigen – sie sind nahe. 

Den gesamten Bericht von Hans-Rüdiger Karutz lesen Sie unter diesem Link.

"Eine Steinlawine stürzte in den Keller und begrub unsere Füße"

Seit Putin seine Todesraketen über den Himmel der Ukraine schickt, sind die Ängste von damals wieder stark und aktuell in mir: Damals – diese Frühlingsnacht vom 14. auf den 15. April 1945 in meiner Heimatstadt Potsdam: Wir – meine Mutter Else, mein älterer Bruder Jochen und ich (Vater Rudolf hatte zur selben Zeit das Glück kanadischer Gefangenschaft in Italien) – wohnten in der Behlertstraße 43, zur Berliner Straße hin (später Stalinallee).

Ich war fünfeinhalb Jahre alt, mein Bruder Jahrgang 1936. Seit Kriegsbeginn waren wir es nun schon jahrelang gewohnt, nachts von unserer Mutter – die „Sachen“ an – geweckt zu werden und in den Luftschutzkeller „umzuziehen“. Endlos scheinende Nächte – besonders unerträglich, wenn wir Kinder die üblichen Masern, Keuchhusten oder Windpocken erleiden mussten – mehr oder weniger ohne Medikamente. Im eiskalten Keller, ohne unser warmes Bett. 

Aber wir haben nicht viel gefragt, mein Bruder spielte oft mit einem Holzgewehr – Krieg als Kinder-Vergnügen. An jenem späten Abend des 14. April heulten die Sirenen anscheinend besonders ausdauernd mit diesem unablässigen, schreckenerregenden Ton. Wir hörten, spürten die Bombeneinschläge ringsum. Klammerten uns an unsere Mutter.

Den gesamten Bericht von Gudrun Härtel-Karutz lesen Sie unter diesem Link

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