Kultur: Grusel-Zeit
Kabarett Obelisk mit einem Balladenabend
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„Wer reitet so spät durch Wind und Nacht? /Es ist der Vater, es ist gleich acht. /Im Arm den Knaben er wohl hält,/ er hält ihn warm, denn er ist erkält“, so beginnt Heinz Erhardts Adaption auf die wohl bekannteste Ballade deutscher Sprache „Der Erlkönig“ von Goethe. Insgesamt erfuhr sie fast 50 Nachdichtungen. Der Erhardt’schen Fassung wird man morgen im Kabarett Obelisk begegnen.
Als Ausflug in die hohe Literatur wollen sich die Haus-Kabarettisten Gretel Schulze, Helmut Fensch und Andreas Zieger der Ballade, einer fast vergessenen Literaturgattung, zuwenden. Mit ins Boot haben sie ihren einstigen Kollegen Hans-Joachim Finke sowie Hasso Lieber, Staatssekretär bei der BerlinerJustizsenatorin, geholt. Der Kabarettist und Obelisk-Dramaturg Helmut Fensch sagt gegenüber den PNN, dass Lieber den Anstoß für das Programm gab. Er hege große Ambitionen zur Rezitation. „Aufgefallen ist er uns damit, als er in einer Veranstaltung des Kabarett-Fördervereins Schillers ,Die Kraniche des Ibykus’ ganz wunderbar vortrug. Da entstand die Idee, wir machen etwas gemeinsam: einen Balladenabend.“
Natürlich wollen die Kabarettisten nicht durchweg ein feierlich-ernstes Programm, zu dem die Balladen animieren, präsentieren.Bei ihnen heißt die Devise: „Ernst ist das Leben, heiter die Kunst“ (Friedrich Schiller). Also werden die oftmals „tragischen Geschichten mit den kriminellen Handlungen und erotischen Entgleisungen mit einem freundlichen Augenzwinkern spaßig vorgetragen, in Wort und Musik. Manchmal könnte es aber ganz schön gruslig werden“, erzählt Helmut Fensch. Von Goethes „Erlkönig“ über Schillers „Die Bürgschaft“ über Fontanes „John Maynard“, bis zur Dreigroschenoper von Brecht/Weill und der Rockballade von Gabi der Gruppe Pankow wird das Programm, das die Obelisker den Titel „Hölle, Hölle, Hölle“ gaben, einen weiten Balladen-Bogen ziehen. Und sie werden mit den Geschichten ein lustvolles Spiel treiben. Da nun ein Justiz-Staatssekretär dabei ist, gibt es die Geschichte Detlev von Liliencrons über den Friesen Pidder Lüng, der sich weigert, Steuern zu zahlen. Mit dem Tod muss er schließlich seine Schulden bezahlen. Eine wahrhaft gruslige Vorstellung. K.Bü.
Morgen Premiere, 19.30 Uhr
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