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Kamera läuft! Filme zu drehen ist einfach, finden die Mädchen aus Teltow.

© es

Potsdam-Mittelmark: Ein Leben auf der Flucht

Teltower Filmprojekt soll Flüchtlingskindern helfen

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Teltow - Die Medienpädagogen haben sich das ganz anders ausgedacht. Es sollte ein Film über Teltow entstehen, an vielen Orten in der Stadt sollte gedreht werden, die Flüchtlingskinder ihre neue Heimat kennenlernen. „Aber das wollten sie nicht“, sagt Susanne Grunewald. Die zehn Mädchen aus Syrien, dem Tschad und Tschetschenien wollten ihre eigene Geschichte verfilmen. Seit Anfang der Woche dreht die Potsdamer Medienpädagogin zusammen mit einer Kollegin und den Flüchtlingskindern im Teltower Asylbewerberheim.

Der Plot ist verworren und fantastisch: „Lama, so heißt das Mädchen im Film, war in vielen Ländern mit dem Rad unterwegs“, sagt die elfjährige Maryam aus Tschetschenien. Die Hauptfigur des Films habe kein Zuhause, sagt sie, ohne mit der Wimper zu zucken. Dafür könne sie aber zaubern. In den Sommerferien rettet sie ihre Freundinnen, die mit einem Raumschiff im Weltall unterwegs sind, vor einem Monster. „Wahrscheinlich geht die Geschichte am Ende gut aus“, sagt Maryam, die Lama spielt. Der Plot wird von den jungen Mädchen jeden Tag neu zusammen gesponnen.

Am Donnerstag wurde ein Weltraumunfall in Szene gesetzt: Die Papierplaneten – von den Mädchen gebastelt – hängen an Seidenschnüren vor schwarzem Stoff, die Rakete mit den Freundinnen fliegt hinein, später purzeln leibhaftig die Mädchen durch den Raum. „Wir werden die Tricksequenz noch bearbeiten“, sagt die Medienpädagogin ihrem Filmteam.

Einen Tag brauchten die Flüchtlingskinder, um vor und mit der Kamera warm zu werden, so Susanne Grunewald. Dass sie einen Film über Teltow, ihre neue Heimat ablehnten, erklärt sie so: „Sie wissen, dass sie auch hier nur für eine Weile sein werden.“ Zum ersten Mal arbeiten die beiden Medienpädagoginnen mit Flüchtlingskindern zusammen, organisiert hat das Filmprojekt die Teltower Mädchenzukunftswerkstatt zusammen mit der Volkshochschule des Kreises. Was die Kinder auf ihrer Flucht erlebt haben, könne man sich nur schwer vorstellen, sagt die Medienpädagogin. Eine Teilnehmerin kam mit dem Boot auf der sizilianischen Insel Lampedusa an. Das Leben der Kinder sei hart, „daher ist es erschreckend, dass sie so wenig psychologische Betreuung bekommen.“ Nur einen Wunsch hätten die Kinder, so Grunewald, „sie wollen die Sicherheit, bleiben zu dürfen“. Immer wieder würden sie in Teltow erleben, dass ihre Freunde abgeschoben werden. Der Verlust der Freunde sei prägend. Der Film zeigt das, was sie nicht haben: Superheldin Lama rettet ihre Mädchentruppe, man hält und bleibt zusammen, so wie beste Freundinnen eben. es

Der Film wird im Vorfeld des Weltmädchentages am 8. Oktober in der VHS Kleinmachnow, Am Weinberg 18, um 17.30 Uhr gezeigt. Der Eintritt ist frei.

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