Auftakt der Vierschanzentournee : Karl Geiger wird Zweiter in Oberstdorf

Vorjahressieger Ryoyu Kobayashi aus Japan gewinnt auch das Auftaktspringen. Die deutschen Skispringer zeigen gute Leistungen, allen voran Karl Geiger.

Erik Otto
Karl Geiger musste sich nur dem Dauersieger aus Japan geschlagen geben.
Karl Geiger musste sich nur dem Dauersieger aus Japan geschlagen geben.Foto: Angelika Warmuth/dpa

Sven Hannawald hatte es schon im Vorfeld gesagt: „Wenn es bei Karl Geiger mal klick macht, ist alles möglich. Dann kann ein kleines Wunder passieren.“ Damit hat Hannawald den ersten deutschen Gesamtsieg seit seinem Triumph vor 18 Jahren gemeint. Genau der ist nach dem grandiosen zweiten Platz des Oberstdorfers Karl Geiger beim Auftaktspringen der 68. Vierschanzentournee in seiner Heimat in Reichweite.

Als sein Podestplatz nach seinem Flug auf 134 Metern feststand, schrie Geiger vor 25 500 Fans im schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer all seinen Jubel hinaus. Dann umarmte ihn sein Zimmerkollege Markus Eisenbichler, der im vergangenen Jahr beim Tournee-Auftakt im Allgäu auf Position zwei geflogen war. Mitten im Publikum hatten Karl Geigers Eltern, die ihren Sohn schon als Kind zu den Tourneespringen mit an die Schanze genommen hatten, Tränen in den Augen.

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Vierschanzentournee: Geiger und Eisenbichler im Fokus
Vierschanzentournee: Geiger und Eisenbichler im Fokus

„Mir fällt ein Stein vom Herzen. Ich bin einfach megahappy, die Atmosphäre war megageil. Ich war zwar nervös, aber habe zwei richtig gute Sprünge gezeigt“, sagte Geiger überglücklich. Der aktuelle Gesamtweltcup-Dritte, der in diesem Winter schon zweimal aufs Podest geflogen war, hielt diesmal der großen Erwartungshaltung stand. An der war er vor einem Jahr noch gescheitert, als er nach dem ersten Weltcup-Sieg seiner Karriere ebenfalls als größte deutsche Tournee-Hoffnung angereist war. Diesmal erfüllte er sich mit dem ersten Tournee-Podestplatz seiner Karriere einen seiner größten sportlichen Träume.

Besser als der zweimalige Team-Weltmeister war an diesem kühlen Abend an der Schattenbergschanze am Ende nur Titelverteidiger Ryoyu Kobayashi. Der japanische Überflieger, der bei der letzten Auflage als dritter Skispringer der Historie alle vier Wettbewerbe der Tournee gewonnen hatte, sprang auch dieses Mal in seiner eigenen Liga. 9,2 Punkte – das sind umgerechnet etwa fünf Meter – nimmt Geiger als Rückstand mit in die kommenden Tournee-Stationen in Garmisch-Partenkirchen (1. Januar), Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (6. Januar). „Wenn sich Kobayashi einen Fehler erlaubt, wird Karl da sein. Ich bin definitiv zufrieden, die Formkurve zeigt beim ganzen Team nach oben“, sagte Stefan Horngacher.

Das neue Material zahlt sich aus

Pünktlich zum Saisonhöhepunkt präsentierte der neue Bundestrainer seine deutschen Flieger in Topform. Der wiedererstarkte Dreifach-Weltmeister Markus Eisenbichler – nach dem ersten Durchgang noch Fünfter – Pius Paschke und Stephan Leyhe komplettierten auf den Plätzen 11 bis 13 das mannschaftlich bisher beste deutsche Resultat unter seiner Regie. „Megakrass, dass Karl Zweiter geworden ist. Auch bei mir geht es aufwärts, auch wenn noch nicht alle Träume in Erfüllung gegangen sind. Der zweite Platz von Karl entspannt aber alle im Team, jetzt können wir in Garmisch gemeinsam angreifen“, blickte Eisenbichler voraus.

Auch dank neuen Materials ist das deutsche Team pünktlich zur Tournee in Topform. „Natürlich lässt man sich Reserven für solche Großereignisse offen, Schrauben, an denen man drehen kann“, verriet Horngacher. Jetzt gilt es nur noch, Kobayashi zu schlagen. Nach dem fünften Einzel-Sieg bei der Tournee in Serie hat der Japan-Flieger nämlich schon wieder den totalen Durchmarsch bei dieser Tournee im Blick: „Die Saison wird immer besser. Natürlich ist da auch der Grand Slam wieder im Hinterkopf.“

Was trotzdem Hoffnung auf den ersten deutschen Gesamtsieg seit 18 Jahren macht: Der Oberstdorfer Karl Geiger hat mit dem umjubelten Podestplatz in seiner Heimat schon die größte psychische Herausforderung bewältigt. Und was er auf Tourneeschanzen zu leisten vermag, hat er vor zehn Monaten in Innsbruck schon mit Einzel-Silber und Team-Gold bei der WM bewiesen. Vielleicht behält Sven Hannawald ja recht und es passiert tatsächlich das nächste kleine Wunder.

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