Auslaufender Vertrag beim 1. FC Union : Felix Kroos grübelt, ob er bleiben soll

Der Mittelfeldspieler des Berliner Zweitligisten ist bei Trainer Urs Fischer nicht gesetzt. Ob beide eine gemeinsame Zukunft haben, scheint offen.

Mit Gefühl. Unions Felix Kroos (l.) zählt zu den technisch versiertesten Spielern der Zweiten Liga.
Mit Gefühl. Unions Felix Kroos (l.) zählt zu den technisch versiertesten Spielern der Zweiten Liga.Foto: Christian Charisius/dpa

Felix Kroos zählt nicht eben zu jener Sorte Fußballer, die besonders ausschweifend über ihr Innenleben berichten. Wenn der Mittelfeldspieler des 1. FC Union über den Aufstiegskampf spricht, klingt das so trocken wie ein Wetterbericht. „Ich bin mir bewusst, was für eine Chance wir haben. Dafür mache ich alles“, sagt Kroos zum Beispiel, und fügt an: „Jeder muss alles dafür tun.“

Bei Kroos darf man annehmen, dass er gern noch mehr für den Traum vom erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga tun würde. Mit mehr ist vor allem mehr Spielzeit gemeint, denn der 28-Jährige zählt unter Trainer Urs Fischer zu den Rotationsspielern. Das sind jene Kandidaten, die Einsatz-, Bank- und Tribünenzeiten fast schon brüderlich teilen. Sie betreffen bei Union insbesondere die Mittelfeldspieler – darunter Kroos. In lediglich vier seiner insgesamt 20 Ligaspiele in dieser Saison stand der im Januar 2016 aus Bremen verpflichtete Kroos über 90 Minuten auf dem Platz, zwei Tore hat er dabei erzielt und zwei weitere aufgelegt. Und wenn er spielen darf, wird er je nach Bedarf hin und hergeschoben, mal weiter vorn, hinter den Spitzen agierend, mal etwas tiefer, als zweite Absicherung neben dem gesetzten Manuel Schmiedebach.

„Ich bin froh, wenn ich spiele – egal wo“

Es stellt sich die Frage, ob das dem früheren Anführer reicht; stets den flexiblen Aushelfer geben zu müssen, obwohl er doch einst weitaus höhere Privilegien genoss. In der Vorsaison galten ja noch ganz andere Gesetze, eines besagte: Wenn Kroos fit ist, spielt er auch, nicht in Teil-, sondern Vollzeit – er war schließlich auch Kapitän der Köpenicker. Dann kam der Trainerwechsel, Fischer übernahm von André Hofschneider, und Kroos ist seither kein Kapitän und kein Stammspieler mehr. Er ist, wie viele andere, austauschbar geworden. Eine unbefriedigende Situation, die Kroos bislang sehr souverän abmoderiert hat. „Ich bin froh, wenn ich spiele – egal wo“, sagt er mittlerweile und klingt dabei wie ein braver Schulbub. Das Team stehe im Vordergrund, der gemeinsame Erfolg.

Es sind Worte, die nicht immer, aber doch recht häufig Fußballspieler aufsagen, die mit der eigenen Situation unzufrieden sind, das aber nicht so offensiv kundtun dürfen. Ob man die Vokabeln aus dem Standardwerk für Fußballphrasen im Fall Kroos ernst nehmen kann? Wer weiß das schon. Vielleicht liegt Fischers Rotationsprinzip dem eher zurückhaltenden Kroos auch. Wer weniger spielt, steht weit weniger im Fokus, der Rummel fällt geringer aus. Aber ist das eine realistische Annahme, wo doch gleichzeitig jeder Spieler betont, er wolle immer spielen? Zumal Kroos’ Qualitäten unbestritten sind. Seine Pass- und Schusstechnik zählt zum besten in der Zweiten Liga, das Freistoßtor am ersten Spieltag gegen Aue im August war ein Beweis dessen. Lang ist’s her.

Die Geschichte von Kroos, dem ewigen Weltmeisterbruder, ist noch aus einem anderen Grund spannend: Sein Vertrag läuft am Ende der Saison aus. Wie es danach wohl weitergeht? Urs Fischer sagt, er sei zuletzt – beim Spiel in Dresden – zufrieden mit Kroos gewesen. Die „drei Jungs“ – Manuel Schmiedebach, Grischa Prömel und Kroos waren gemeint – hätten gute Bewegungen gehabt, so Fischer. Auch dieses über das Kollektiv verteilte Lob verrät ein bisschen etwas über die Wertschätzung des Trainers, Kroos findet er schon gut – viele andere aber eben auch.

„In meinen Augen spiele ich eine richtig gute Rückrunde, die Zahlen sind nicht immer alles“, sagt Kroos. Er mache sich zwar Gedanken über seine Zukunft, identifiziere sich aber total mit der Sache bei Union. Drängen lassen will er sich in Sachen Vertrag jedenfalls nicht. „Ich kann mir vorstellen, dass es nicht relativ zeitnah sein wird“, sagt er. Und sowieso sei der Einzelne nicht entscheidend, betont Kroos. Urs Fischer wird das bestimmt gerne hören.

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