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Basketball: Ab 2027: NBA drängt nach Europa
Die NBA will sich auch in Europa etablieren. Ab 2027 ist eine neue Liga geplant. Auch Deutschland wird vertreten sein. Noch sind viele Fragen offen.
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Gekommen, um zu bleiben: In dieser Woche steigt die große NBA-Show in Berlin. Erstmals überhaupt findet ein Pflichtspiel der besten Basketball-Liga der Welt in Deutschland statt. Franz und Moritz Wagner treffen am Donnerstag (20.00 Uhr/Prime Video) mit ihren Orlando Magic auf die Memphis Grizzlies. Die Partie in der Hauptstadt verspricht ein großes Spektakel, zumal in Moritz Wagner zumindest ein deutscher Weltmeister auf dem Parkett stehen dürfte.
Geht es nach den Bossen um NBA-Chef Adam Silver, dann werden Partien, in denen es wirklich um Punkte geht, bald zur Regel in Europa. Ab Oktober 2027 soll die NBA Europe an den Start gehen und die Landschaft der europäischen Basketball-Wettbewerbe grundlegend verändern.
Europa wichtiger Markt für NBA
„Europa bringt weiterhin mit die besten Spieler der Welt hervor, aber die kommerziellen Erfolge dort passen nicht zum Wachstum unseres Spiels“, sagte Silver über die ambitionierten Pläne.
Gemeinsam mit dem Weltverband Fiba treiben die Amerikaner das Projekt hinter den Kulissen schon seit einer ganzen Weile voran. „Unsere Gespräche mit verschiedenen Stakeholdern in Europa haben uns in der Überzeugung bestärkt, dass die Gründung einer neuen Liga auf dem Kontinent eine enorme Chance bietet“, hieß es.
Derzeit ist die Euroleague die sportlich beste Liga in Europa. Clubs wie Olympiakos Piräus, Panathinaikos Athen, Fenerbahce Istanbul oder Hapoel Tel Aviv haben millionenschwere Starensembles zusammengestellt, die es sportlich auch mit vielen NBA-Teams aufnehmen könnten.
Allerdings ist die Euroleague, die auch den Eurocup veranstaltet, privat wirtschaftlich organisiert und entscheidet damit selbst, wer mitspielt und wer nicht. Aus der Bundesliga ist in dieser Euroleague-Saison nur noch Bayern München dabei. Der deutsche Meister ist auch Anteilseigner der Liga.
Alba setzt auf NBA Europe
Alba Berlin dagegen hat sich im vergangenen Sommer nach vielen Jahren aus der europäischen Königsklasse zurückgezogen. Die Hauptstädter können und möchten das finanzielle Wettrüsten nicht mehr mitmachen. Stattdessen hat sich Alba der von der Fiba ausgetragenen Champions League angeschlossen und hofft über diesen Schritt dabei zu sein, wenn die NBA Europe in eineinhalb Jahren an den Start geht.
„Die NBA Europe wird kommen und wir wollen dabei sein“, hatte Albas Geschäftsführer Marco Baldi bereits zu Saisonbeginn gesagt. Und in der Tat scheinen die Chancen nicht schlecht, dass Berlin als etablierte Basketball-Marke und Weltmetropole mit dabei ist.
Mischung aus Traditionsclubs und neuen Teams
Im November des vergangenen Jahres konkretisierte George Aivazoglou, der bei der NBA für Europa zuständige Geschäftsführer, erstmals die Pläne. Demnach soll die Liga aus 16 Vertretern bestehen, von denen zwölf permanent dabei sein sollen. Dabei nannte Aivazoglou unter anderem München, Berlin, Madrid oder Barcelona, wo es bereits ambitionierte Basketball-Clubs gibt. Allerdings stehen auf der Liste auch Städte wie Rom, London oder Manchester, wo der Basketball bislang noch nicht auf Topniveau Fuß gefasst hat.
Was für europäische Sportfans erst einmal gewöhnungsbedürftig scheint, ist für die NBA-Macher kein Problem. Schließlich ist das Sportsystem in den USA komplett anders aufgestellt, basiert auf Franchises statt auf Clubs. Das bedeutet, dass auch in Städten ohne Basketball-Tradition Mannschaften geschaffen werden können - soweit das Geld stimmt.
In der Vergangenheit hatte es immer mal wieder Spekulationen über ein Engagement der NBA in Europa gegeben. Auch ein Alleingang schien nicht ausgeschlossen. Durch die Zusammenarbeit mit dem Weltverband und den europäischen Ligen ist dieser nun kein Thema mehr. Stattdessen sorgt die Kooperation dafür, dass es zu einem Mix aus amerikanischem und europäischem Sportsystem kommt.
Was wird aus der Euroleague?
Besonders wichtig aus Sicht der Fiba und der europäischen Ligen ist es, dass anders als in den US-Ligen auch Auf- und Abstieg möglich sind. „Das Ligakonzept respektiert die Prinzipien des europäischen Sportmodells, indem es jedem ambitionierten Club auf dem Kontinent einen fairen Weg an die Spitze eröffnet“, sagte Fiba-Generalsekretär Andreas Zagklis mit Blick auf vier Spots in der NBA Europe, die über die europäischen Ligen und Wettbewerbe vergeben werden.
Noch völlig offen ist, wie die Euroleague in Zukunft eingebunden wird. Einig sind sich eigentlich alle Beteiligten, dass mit der NBA Europe nicht ein zusätzlicher Wettbewerb installiert werden soll. Schon jetzt ist die Europapokal-Landschaft mit fünf bis sechs Wettbewerben viel zu fragmentiert.
„Ideal wäre eine Struktur wie im Fußball. Champions League, Europa League, European Conference League – das funktioniert. Jeder Sportfan weiß, wann welcher Wettbewerb gespielt wird. Dafür müssen wir auch im Basketball kämpfen“, sagte der Präsident der Europäischen Ligen, Tomas Van Den Spiegel, der dpa.
Deutsche Bosse zuversichtlich
Doch zwischen Fiba und Euroleague gibt es seit Jahren Streit über die Struktur und die Zuständigkeiten im internationalen Basketball. Eine Lösung ist nicht in Sicht. „Die NBA hat über längere Zeit versucht, mit der Euroleague zusammenzukommen“, sagte DBB-Präsident Ingo Weiss in einem Interview bei „basketball-world“.
„Es lag ein finanziell sehr attraktives Angebot vor. Am Ende war die Euroleague auch hier wieder zu arrogant und hat von sich aus gesagt: Wir haben kein Interesse.“ Ob es dabei bleibt, ist unklar. Die Euroleague erklärte sich grundsätzlich zu Gesprächen bereit.
Dass die neue NBA Europe kommen wird, davon sind alle Beteiligten inzwischen überzeugt. „Das hat Hand und Fuß“, sagte BBL-Geschäftsführer Stefan Holz. „Das wird dem Basketball guttun, das wird der Bundesliga guttun. Der ganze Basketball in Europa wird dadurch nach oben gezogen.“
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