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Björn Werner über die Play-offs in der NFL: Die geilste Zeit der Saison
Die Regular Season in der NFL ist vorbei, jetzt geht es für die besten Teams in die Play-offs um alles. Spannung ist garantiert, denn es gilt: Siegen oder fliegen.
Stand:
Play-offs in der NFL sind nichts für schwache Nerven. Der größte Unterschied zur Regular Season ist brutal simpel: Verlierst du, bist du raus. Punkt. Ganz egal, wie gut deine Saison war, wie viele Spiele du gewonnen hast oder wie oft dich Experten schon im Super Bowl gesehen haben. Ein schlechter Tag – und deine Saison endet. Genau dieses Wissen liegt in jeder Runde wie ein Gewicht auf deinen Schultern. Und gleichzeitig ist es das Geilste, was es im Sport gibt.
Du gehst in ein Play-off-Spiel mit dem Gefühl: Das kann mein letztes sein. Oder der nächste Schritt Richtung Super Bowl. Dieser Druck ist real. Den spürt man im Training, im Meeting, im Tunnel vorm Kickoff. Und genau deshalb passieren in den Play-offs Dinge, die man vorher nicht für möglich hält. Teams, die in der Regular Season schlechter aussahen, schlagen Favoriten. Das sehen wir gefühlt jedes Jahr. Und jedes Jahr sind wieder alle überrascht.
Natürlich spielt der Heimvorteil dabei eine riesige Rolle. Dafür rackert man sich schließlich monatelang durch die Regular Season. Kein Reisen, gleiche Abläufe, vertraute Kabine. Und dann die Fans. Jeder kennt diese Durchsagen: „Get loud!“ Die Tribüne wird Teil des Spiels. Wenn die gegnerische Offense ihre Play Calls nicht mehr versteht, ist das ein echter Wettbewerbsvorteil. Lärm ist in den Play-offs eine Waffe.
Ein weiterer Faktor, über den in den Play-offs viel gesprochen wird, ist die Bye Week. Eine Woche Pause, keine Hits, keine Schmerzen – das ist im Football Gold wert. Aber sie ist kein Freifahrtschein. Die Detroit Lions haben das im vergangenen Jahr schmerzhaft erfahren. Bye Week, Favorit – und zack, raus. Manche kommen aus der Bye Week stärker zurück, andere verlieren genau dort ihren Rhythmus.

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Trotzdem gibt es einen Punkt, bei dem ich Reformbedarf sehe. Es fühlt sich einfach falsch an, wenn Teams mit weniger Siegen ein Heimspiel bekommen, nur weil sie ihre Division gewonnen haben, während Mannschaften mit besserer Bilanz auswärts ranmüssen. Das ist kein Drama, aber fair ist es auch nicht. In einer Liga, die von Wettbewerbsgleichheit lebt, sollte man darüber zumindest nachdenken.
Was ich am Play-off-System jedoch liebe: Es ist K.-o.-Modus. Keine „Best-of-Seven“-Serien wie im Basketball oder Eishockey. Und ganz ehrlich: Das ist auch gut so. Ein Football-Spiel ist körperlich so intensiv, dass es sich anfühlt wie mehrere Spiele in anderen Sportarten. Dein Körper wird zerlegt. Deshalb ist dieses Format genau richtig. Es macht jedes Play, jeden Fehler, jede Entscheidung maximal wichtig.
Und dann kommen wir zu einem alten Spruch, der in den Play-offs jedes Jahr bestätigt wird: Offense wins games, defense wins championships. Das ist kein Kalenderspruch, das ist Fakt. Du kannst die beste Offense der Liga haben – wenn deine Defense nicht mithalten kann, wirst du keinen Titel holen. Der Super Bowl geht an Teams, die verteidigen können.
Für mich persönlich beginnt jetzt die geilste Zeit der Saison. Ab jetzt heißt es: Do or die. Siegen oder fliegen. Jedes Spiel hat Gewicht, jede Szene Bedeutung. Als Fan kannst du dich zurücklehnen und genießen. Als Spieler ist es purer Stress – aber genau der Stress, für den man Football spielt.
Während die einen um den Titel kämpfen, sieht die Realität für alle anderen so aus: Spind ausräumen, Handschlag, Urlaub. Natürlich schaut man sich die Play-offs an. Aber wenn du ein echter Competitor bist, tut es weh, anderen dabei zuzusehen, wie sie deinem Traum hinterherjagen. Niemand kommt in die NFL, um Zweiter zu werden.
Genau deshalb sind die Play-offs so besonders. Sie trennen Träume von Realität. Gewinner von Statisten. Und am Ende bleibt nur ein Team übrig, das sagen darf: Wir waren die Besten, als es wirklich gezählt hat.
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