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Hart umkämpft. Der Berliner Sandro Wagner hier im Duell mit Werders Marnon Busch.

© dpa

Hertha BSC Berlin: Der vergeigte Sieg

Das 2:2 von Hertha BSC gegen den SV Werder Bremen zum Bundesligaauftakt offenbart neue Möglichkeiten und alte Schwächen der Berliner.

Dann musste Julian Schieber doch ein wenig in sich hineingrinsen. Mit gesenktem Blick versuchte der neue Stürmer von Hertha BSC etwas ungelenk, seine beiden Treffer zum Bundesligaauftakt einzuordnen. Unter normalen Umständen sind zwei Starttore ein Grund für eine durchtanzte Nacht. Doch am Ende reichten sie eben nicht zum Sieg, sondern nur zu einem 2:2 über Werder Bremen. „Für uns fühlt es sich wie verloren an. Wir sind ein bisschen unglücklich darüber. Ich hätte noch das dritte Tor machen können, das war einfach schade“, hatte der 25-Jährige direkt nach dem Spiel gesagt.

Eine Nacht weiter fühlte sich der verspielte Sieg nicht mehr ganz so grässlich an. Für einen Stürmer gibt es schlechtere Startszenarien, erst recht für einen wie ihn, der zwei Jahre lang in Dortmund maximal der Mann der letzten dreieinhalb Minuten gewesen ist. Schon deswegen muss es für Schieber ein persönliches Fest gewesen sein, mal wieder in einer Startelf gestanden zu haben. Wie auch sein Trainer vermutete. „Julian ist froh, von Anfang an zu spielen. Schade, dass er nicht zum Matchwinner geworden ist, aber kein Vorwurf an ihn. Wir sind zufrieden mit ihm“, sagte Jos Luhukay.

Ohnehin wollte Herthas Trainer mehr das Positive herausstreichen, das es ja auch tatsächlich gab. Das liegt auch daran, dass nicht nur Schieber gut gestartet ist, sondern auch andere Neuzugänge wie der Japaner Genki Haraguchi auf der linken Außenbahn und der Holländer Roy Beerens auf der anderen Flanke gute „offensive Momente“ hatten.

Beide bereiteten die Tore von Schieber vor und brachten auch sonst frischen Schwung ins Offensivspiel der Berliner. Insofern trifft es Hertha, dass der Japaner sich gegen Ende des Spiels nach einem Zusammenprall mit einem Bremer Spieler und einem unglücklichen Fall auf den Rasen eine schmerzhafte Verletzung am Schultereckgelenk zugezogen hat. Haraguchi wird ein paar Wochen ausfallen, wie Luhukay erklärte. „Das ist bitter. Er hat gegen Bremen Qualität gezeigt“, sagte der Trainer gestern. Wenn die Heilung optimal verläuft, könnte der 23-Jährige nach der Länderspielpause wieder auf dem Trainingsplatz stehen.

Viele Offensivoptionen, aber auch Schwächen in der Abwehr

Nun lässt sich nach dem Auftakt bestenfalls mutmaßen, was möglich sein kann für die Berliner in der neuen Spielzeit. Für die Offensive bieten sich Luhukay mehrere personelle Optionen, der Kader ist klar in der Breite verstärkt, der interne Konkurrenzkampf um Positionen erhöht worden. Ob sich das insgesamt auf eine fußballerische Niveausteigerung auswirkt, kann derzeit nicht seriös beantwortet werden. Sieben Wochen Vorbereitung sind eine lange Zeit, doch der Wettkampf lässt sich auf dem Übungsplatz nur bedingt simulieren. „Die Ansätze sind gut, wir hatten ein paar schöne Stafetten, die haben wir auch trainiert“, sagte Schieber. Allerdings müsse die neuformierte Mannschaft erst noch ihren Rhythmus finden. „Wir müssen uns noch einiges erarbeiten“, sagte Schieber.

Denn das Spiel gegen Bremen deckte neben den neuen Möglichkeiten auch alte Unzulänglichkeiten auf, wie sie insbesondere in der zurückliegenden Rückrunde zu beobachten waren. Beim 1:2-Anschlusstreffer der Bremer etwa machte Torwart Thomas Kraft eine unglückliche Figur beim Anlaufen von hohen Bällen, die in den Strafraum segeln. „Thomas muss hier mehr Präsenz zeigen und konsequenter in seinen Aktionen werden“, sagte Luhukay. Der Doppelschlag der Bremer innerhalb weniger Minuten zeigte aber auch, dass die Berliner Schwierigkeiten bekommen, wenn sich Widerstände auftun. Bremen hatte sich taktisch leicht umsortiert, Hertha wirkte überfordert und konnte dass Spiel nicht mehr gestalten. „Wir müssen Momente vermeiden, in denen wir den Gegner zu einfach ins Spiel zurückkommen lassen“, sagte Luhukay.

Dass die Berliner weiterhin auf der Suche nach einem beweglichen und schnellen Stürmer sind, wollte Jos Luhukay nicht als Zweifel an Julian Schieber verstanden wissen. „Es muss aber passen“, sagte Luhukay und machte dabei ein sehr ernstes Gesicht.

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