DFB-Pokalspiel des 1. FC Union : Borussia Dortmund zum Zweiten

Wenn der 1. FC Union in der zweiten Runde des DFB-Pokals beim BVB antritt, erinnert nicht mehr viel an die Pokalelf von 2016.

Check. Kapitän Christopher Trimmel (r.) und Felix Kroos sind dem BVB 2016 schon mal mit Union begegnet.
Check. Kapitän Christopher Trimmel (r.) und Felix Kroos sind dem BVB 2016 schon mal mit Union begegnet.Foto: Annegret Hilse/dpa

Sehr oft ist am Montag rund um das Stadion An der Alten Försterei das Adverb „sehr“ benutzt worden. Christopher Trimmel, der Kapitän des 1. FC Union, tat sich besonders hervor, zumal er eine Anapher nach der nächsten dabei produzierte. Einen „sehr, sehr guten Fußball“ spiele der kommende Gegner, weshalb es „sehr, sehr viel“ brauche, vor allem einen „sehr, sehr guten Tag“, sagte Trimmel. Widersprechen mochte ihm da keiner. Der Rechtsverteidiger machte ja noch darauf aufmerksam, warum die Spieler des Zweitligisten am Mittwoch ab 18.30 Uhr diesen guten Tag brauchen und zudem „sehr, sehr viel laufen müssen“ – weil „Dortmund nämlich ganz anders spielt“. Wie der kommende Gegner in der zweiten Runde des DFB-Pokals dies anstellt, das verriet Christopher Trimmel auch: „Die werden alles spielerisch lösen.“

Tatsächlich erwartet den 1. FC Union ein gravierend anderes Fußballspiel als es die Berliner aus dem Ligaalltag gewohnt sind. Der BVB steht für präzisen Hochgeschwindigkeitsfußball, für ein Offensivspiel, das derzeit europaweit zum Besten zählt. Eine derart hohe Qualität findet man in Liga zwei natürlich nicht; da sind die Spiele vor allem von (sehr, sehr) viel Kampf und Krampf geprägt. Der 1. FC Union, der als „absoluter Underdog“ (Trimmel) ins Duell mit dem Pokalsieger von 2017 geht, muss sich demnach neu orientieren. Vor allem für Trimmel und dessen Abwehrkollegen gilt das. Eine „mega Dynamik“ hat Trimmel im Dortmunder Sturm ausgemacht, „die tauschen ständig die Positionen“. Kämpfen allein hilft da nicht, es braucht schon einen außergewöhnlich guten Matchplan.

Andererseits: So ganz neu ist diese Herausforderung für Christopher Trimmel nicht. Vor fast genau zwei Jahren, am 26. Oktober 2016, reiste er mit dem 1. FC Union schon einmal an die Dortmunder Strobelallee. 0:3 verloren die Berliner damals, allerdings erst im Elfmeterschießen. Zuvor hatten sie den Favoriten 120 Minuten lang mehr als ordentlich geärgert. Viel übrig geblieben ist von dieser Mannschaft nicht.

Gegen Dynamo Dresden fiel Kroos kaum auf

Kaum einer der elf Spieler, die der damalige Trainer Jens Keller aufs Feld schickte, steht noch bei den Berlinern unter Vertrag. „Das ist halt der Fußball, der moderne“, kommentierte Trimmel. Es könnte jedenfalls sein, dass der gesetzte Trimmel als einziger Unioner mit BVB-Erfahrung erneut von Anfang an dabei ist. Ein weiterer heißer Kandidat wäre Felix Kroos, der im Gegensatz zu Trimmel aber keine Stammplatzgarantie im Team von Trainer Urs Fischer besitzt. Am Sonntag, beim enttäuschenden 0:0 gegen Dynamo Dresden, stand Unions zentraler Mittelfeldspieler das erste Mal in dieser Saison über 90 Minuten auf dem Platz. Er schoss kein einziges Mal aufs Tor und brachte auch seine Mitspieler nicht in Schusspositionen. Kurzum: Kroos fiel kaum auf.

„Ich habe mich ein bisschen zurückfallen lassen, weil wir vorne schon mit vier Mann auf einer Linie standen. Im Zentrum war alles dicht, ich wollte das Spiel von hinten ankurbeln“, erklärte Kroos. Geduld habe er vermitteln wollen und den Gegner mit Seitenwechseln ins Laufen, „damit wir dann zu Flanken kommen“. Die Flanken kamen, aber: „Sie haben zu selten ihr Ziel gefunden, dann fehlen auch die Abschlüsse.“ Woran es lag, dass Union in der Offensive gegen zehn Dresdner eine Stunde lang völlig uninspiriert wirkte, versuchte Kroos so zu erklären: „Vielleicht fehlt durch die Defensivarbeit die nötige Power im Abschluss, die letzte Konsequenz.“

Mentalität, Charakter und Einstellung hätten dafür gestimmt, zählte Kroos auf, „das kann man ruhig auch hervorheben“. Es sind Tugenden, auf die es in Dortmund wieder ankommen wird. Kroos und Trimmel, deren Verträge am Ende der Saison auslaufen, wollen mit (sehr, sehr) gutem Beispiel vorangehen. Wer weiß schon, ob ihnen der moderne Fußball nochmal die Chance auf ein Duell mit dem BVB bietet.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben