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Schweißtreibend. Berlins Torwart Silvio Heinevetter ist derzeit stark unter Beschuss.
© Foto: Marijan Murat/dpa

Handball-Bundesliga: Die Füchse Berlin gehen auf dem Zahnfleisch

Die Personalmisere bei den Füchsen Berlin hört nicht auf. Heute empfangen sie den TVB Stuttgart.

Velimir Petkovic und Martin Schwalb sind alte Weggefährten, die sich schätzen und sehr offen miteinander reden. Andernfalls hätte der Coach der Füchse Berlin die Frage vermutlich als anmaßend begriffen, die ihm sein ehemaliger Trainerkollege, der heutige TV-Experte Schwalb, am Sonntag gestellt hat. „Vor dem Spiel bei den Rhein-Neckar Löwen wollte er von mir wissen, ob ich überhaupt alle meine Spieler beim Namen kenne“, erzählt Petkovic und grinst. „Ich habe natürlich ja gesagt – und ihn im Spaß gefragt, was er sich einbildet!“

Ein bisschen Nachhilfe muss Petkovic dieser Tage allerdings nehmen angesichts der langen Verletztenliste bei den Füchsen Berlin. Im Heimspiel gegen den TVB Stuttgart am Donnerstagabend (18.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle und live bei Sky) fehlen dem Handball-Bundesligisten weiterhin acht verletzte, größtenteils hochkarätige Spieler. Notgedrungen rüsten die Berliner ihren Kader mit einer Mischung aus Spielern der zweiten Mannschaft und dem eigenen Nachwuchs auf. „Ich muss noch ein, zwei Einheiten abwarten, bis ich endgültig weiß, wer gegen Stuttgart dabei sein kann“, sagt Petkovic. Bastien Genty und Lennart Gliese aus der Reservemannschaft sowie Torben Matzken aus der A-Jugend stehen für den Fall der Fälle auf Abruf bereit. „Im Moment geht es nicht darum, über Ursachen und Anzahl der verletzten Spieler zu diskutieren“, sagt Torhüter Silvio Heinevetter, „sondern darum, dass wir mit den wenigen Leuten, die wir noch haben, irgendwie eine vernünftige Leistung und ein gutes Resultat hinkriegen.“ Irgendwie, irgendwo, irgendwann – so klingt das im Herbst 2018 oft bei den beteiligten Personen. Wann wieder Normalzustand herrscht? Wer weiß das schon.

Immerhin: Am Sonntag vor einer Woche bei den Rhein-Neckar Löwen ist den Füchsen über weite Strecken eine gute Leistung gelungen, obwohl am Ende eine erwartbare Niederlage stand. „Gerade in der Abwehr hat das richtig gut ausgesehen, genau so, wie ich es mir vorstelle“, sagt Trainer Petkovic, „das war ganz nah an der Perfektion.“ Bei eigenem Ballbesitz dagegen war seinem Team eine gewisse Nervosität nicht abzusprechen. „Wenn wir das ein bisschen cleverer machen, haben wir in Mannheim eine echte Chance“, sagt Heinevetter. Einen Tag nach der Rückkehr von der inoffiziellen Vereinsweltmeisterschaft in Doha fehlte den Berlinern am Ende auch merklich die Kraft, um mit der tiefen Bank der Mannheimer Schritt halten zu können. Nun hoffen sie, dass die Akkus nach – zumindest für die Nicht-Nationalspieler – elf spielfreien Tagen wieder einigermaßen aufgeladen sind, um vor heimischer Kulisse gegen den Tabellenzwölften aus Schwaben bestehen zu können.

Petkovic, der viele Jahre in Göppingen tätig war und die Region bestens kennt, hat natürlich auch beim TVB einen alten Bekannten, den er sehr schätzt: Michael Kraus, Spitzname „Mimi“, war bei der Handball-WM 2007 in Deutschland einst die Entdeckung des Turniers. Mittlerweile ist der Spielmacher 35 Jahre alt, an einem guten Tag kann er Spiele noch immer allein entscheiden. Kürzlich hat er 18 Treffer in einer einzigen Partie erzielt – so einen wie Kraus könnte Petkovic gerade gut gebrauchen.

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