• Ehemaliger Union-Spieler im Interview: Torsten Mattuschka: "Eines Tages erzähle ich meinen Enkeln, was der dicke Opa so gemacht hat"

Ehemaliger Union-Spieler im Interview : Torsten Mattuschka: "Eines Tages erzähle ich meinen Enkeln, was der dicke Opa so gemacht hat"

Torsten Mattuschka über seine Zeit als Maler, den Sprung in den Profifußball und seine Erfolge beim 1. FC Union.

Yannic-Sébastien Lacombe
Torsten Mattuschka, 38, erlebte seine beste Zeit als Fußballer beim 1. FC Union. Inzwischen hat er seine Karriere beendet und ist Co-Trainer bei Altglienicke. Mit der Mannschaft des Regionalligisten besuchte er 2017 die Justizvollzugsanstalt Luckau-Duben.
Torsten Mattuschka, 38, erlebte seine beste Zeit als Fußballer beim 1. FC Union. Inzwischen hat er seine Karriere beendet und ist...Foto: Matthias Koch/Imago

Herr Mattuschka, Anfang der 2000er-Jahre arbeiteten Sie als Maler und Lackierer, wogen 100 Kilogramm und spielten in der siebten Liga. Kurz darauf liefen Sie in der Bundesliga auf. Wie zur Hölle konnte das passieren?

Es waren nicht 100, sondern 98! (grinst) Ich habe damals meine Ausbildung in einer Malerfirma gemacht, die Hauptsponsor beim Amateurklub SV Dissenchen aus Cottbus war und Fußballer eingestellt hat. Das war der Grund, warum ich den Ausbildungsplatz bekommen habe, denn in der Schule war ich nie besonders gut. Während andere 50 Bewerbungen schreiben mussten, habe ich pro forma eine abgegeben und dank meines Spielerpasses war klar, dass ich die Lehrstelle bekomme (lacht). Wir waren unter der Woche immer in Berlin auf Montage, haben maximal einmal die Woche trainiert und jeden Abend gesoffen. Am Wochenende stand ich oft mit Restalkohol auf dem Platz. Für die siebte Liga hat es noch gereicht.

Sie schossen für Dissenchen in 100 Spielen 100 Tore und machten somit Energie Cottbus auf sich aufmerksam.

Mein Glück war, dass die zweite Mannschaft von Energie damals auf dem Gelände von Dissenchen trainiert hat. Mein Opa hat den damaligen Trainer so lange genervt, bis ich bei einem Testspiel von Energie mitspielen durfte. Da war ich dann ganz gut, habe ein Tor geschossen und zwei vorbereitet ...

... und Thomas Reichenberger schockiert.

(Lacht laut) Ja, definitiv. Ich bin damals direkt von der Arbeit ins Stadion gefahren, habe in der Kabine gewartet, und dann kam Tommy Reichenberger rein. Er war gestandener Bundesligaprofi und sollte zu Cottbus wechseln. Und der sieht mich dann da mit Glatze, Piercings und 98 Kilo auf den Rippen in Malerklamotten sitzen und hat sich definitiv gefragt, mit was für Johnnys er jetzt zusammen spielen muss. Aber er hat sich von dem Schock mittlerweile erholt, wir sind seitdem gut befreundet.

Was geschah nach dem Spiel?

Der damalige Trainer Ede Geyer kam zu mir und meinte: „Sag mal Torsten, du könntest mit Fußballspielen Geld verdienen, da müsstest du aber noch ein bisschen abnehmen.“ Da hat es bei mir klick gemacht. Ich wollte aber erst meine Lehre beenden, was ich dann auch gemacht habe. Ein halbes Jahr später bin ich zur zweiten Mannschaft von Cottbus gewechselt. Ich war zwar zu dieser Zeit drei Monate gesperrt, was aber ganz gut war, weil ich dadurch erst einmal abnehmen und mich an die neue Trainingsintensität gewöhnen konnte. Nach der Sperre habe ich bei den Amateuren jedes Spiel gemacht und durfte auch beim einen oder anderen Freundschaftsspiel der Profis mitspielen.

Nach der Saison hat Geyer Sie dann dauerhaft in die erste Mannschaft geholt.

So einfach war das nicht! Er hat mich in sein Büro gerufen und mir gesagt: „Torsten, wenn du in vier Wochen zehn Kilo abnimmst, darfst du mit ins Trainingslager.“ Diese vier Wochen waren echt hart, ich habe teilweise gar nichts mehr gegessen, nur Wasser getrunken. Aber beim Trainingsauftakt wog ich 82,3 Kilogramm und durfte tatsächlich mit. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass ich auch verdammt viel Glück hatte. Mit einem anderen Coach wäre vielleicht alles ganz anders verlaufen. Heutzutage wäre ein solcher Einstieg wahrscheinlich völlig undenkbar.

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