Galoppsport in Hoppegarten : Die Rennbahnbetreiber haben weiter Mut zum Risiko

Die Galopprennbahn in Hoppegarten hat weiterhin finanzielle Probleme. Trotzdem bleiben die Vorhaben groß.

Ulrich Nickesen
Der letzte Ritt. Am Sonntag ging es in Hoppegarten noch einmal rund.
Der letzte Ritt. Am Sonntag ging es in Hoppegarten noch einmal rund.Foto: imago images/Galoppfoto

Das Wetter passte, und es war die letzte Gelegenheit, in diesem Jahr noch einmal hochklassigen Galopprennsport in Berlin zu bestaunen. Also fanden sich am Sonntag zum letzten Renntag der Saison wieder viele Pferdefreunde in Hoppegarten ein. Das Spektakel täuschte ein wenig darüber hinweg, wie es um die Rennbahn und den Galopprennsport in Berlin insgesamt bestellt ist. Diese grundsätzliche Frage wird sich jetzt nach dem Ende der diesjährigen Rennsaison wieder stellen.

Tatsächlich ist zweifelhaft, wie die Bahn mit elf Renntagen pro Saison konkurrenzfähig bleiben will, sowohl auf nationalem als auch auf internationalem Niveau. In Hoppegarten finden zwar pro Saison fünf Grand-Prix-Rennen statt, aber nur ein einziges der ersten Kategorie, das mit 155 000 Euro zudem bescheiden dotiert ist. Entsprechend hält sich die internationale Sogwirkung in Grenzen.

Auf dem Gesamtareal der Renn- und Trainingsbahn Hoppegarten werden knapp 150 Vollblüter trainiert – von nur sechs Trainern. Große Sponsoren sind ebenfalls Mangelware, so dass man in Hoppegarten – wie auf allen anderen Rennbahnen in Deutschland auch – auf die Einnahmen aus dem Wettgeschäft angewiesen ist. Das kann durchaus erfolgreich sein, wenn man zum Beispiel an die Hochburgen des internationalen Turfs wie Japan oder Hongkong denkt. In Japan verzeichnete man im vergangenen Jahr einen Bruttoumsatz von 28 Milliarden Dollar, so dass dem dortigen Rennsport sieben Milliarden Dollar an Nettoeinnahmen zur Verfügung standen. Zum Vergleich: Die Gesamtwetteinnahmen im deutschen Galopprennsport betrugen in der zurückliegenden Saison nur knapp 25 Millionen Euro, eine Summe die in Tokio in einem einzigen Rennen gewettet wird.

Die drei wichtigsten deutschen Rennbahnen in Hoppegarten, Baden-Baden und Hamburg sind natürlich nicht mit den Hochburgen zu vergleichen. Und trotz aller Probleme im deutschen Turf kann Hoppegarten seit dem Kauf durch den rennsportbegeisterten Eigentümer Gerhard Schöningh im Jahr 2008 auf durchaus beachtliche Erfolge verweisen. Seit der Privatisierung schaffte die Rennbahn den Sprung auf den dritten Platz im deutschen Galoppsport. In bauliche Maßnahmen wurden erneut erhebliche Summen investiert, und das soll auch in Zukunft so bleiben. Im Durchschnitt kamen in diesem Jahr 7700 Zuschauer pro Renntag nach Hoppegarten.

Hinzu kommt, dass der Idealismus des Eigentümers weiterhin ungebrochen ist, auch wenn er auf Dauer natürlich nicht nur „zur Kasse gebeten werden will, um den finanziellen Verlust auszugleichen“, sagt Gerhard Schöningh. Der Rennbahnbesitzer denkt deshalb auch an nicht-sportliche Projekte auf der Rennbahn in Absprache mit der Gemeinde Hoppegarten. Ohne diese „flankierenden Maßnahmen“ wie Musikfestivals, könne man keine schwarzen Zahlen schreiben, sagt Schöningh. Der Besitzer lässt sich nicht von dem Ziel abbringen, Hoppegarten wieder zur Nummer eins im deutschen Galopprennsport zu machen – trotzt aller berechtigten Zweifel. Aber wer ein Skeptiker ist, der muss auch mal an seinen Zweifeln zweifeln. Am Ostersonntag 2020 geht es in Hoppegarten weiter.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!