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Bald gemeinsam in der DTM? Gerhard Berger und Formel-3-Fahrer Mick Schumacher.

© Jürgen Tap/dpa

DTM-Chef im Interview: Gerhard Berger: "Toto, setz’ ihn in eines deiner Autos!"

Der DTM-Chef spricht im Interview über junge Piloten, Mick Schumacher – und seine Japanisch-Kenntnisse. Ferraris Taktik findet er nicht konsequent.

Von David Joram

Herr Berger, wie gut sprechen Sie schon Japanisch?

Sagen wir mal so: Wenn ich wüsste, dass im nächsten oder im darauffolgenden Jahr ein paar japanische Autos sicher in der DTM mitfahren würden, würde ich bestimmt schnell Japanisch lernen.

Zuletzt wurde spekuliert, dass Marken wie Honda, Lexus oder Nissan vor einem Engagement in der DTM stünden. Wie weit sind die Verhandlungen?

Das ist das Wunschdenken vereinzelter Personen. Wir führen zwar Gespräche, es gibt aber keinen neuen Stand. Wir sind mit diesen drei Herstellern in ständigem Austausch, da sie in der japanischen Super GT-Serie fahren, mit der die DTM kooperiert. Beide Serien haben nahezu identische technische Reglements.

Sie sagten vor ein paar Wochen, dass Sie sich von 70 Prozent aller Hersteller Absagen eingehandelt hätten, mit 30 Prozent aber noch Gespräche liefen. Ist das Verhältnis noch dasselbe?

Daran hat sich grundsätzlich nichts verändert. Sie müssen wissen: Solche Entscheidungen – ob ein Hersteller in eine Rennserie einsteigt oder nicht – fallen eher langsam. Die Arbeitswege dauern, Vor- und Nachteile müssen abgewogen werden. Die Planung für 2019 ist jedenfalls fix. Für 2020 werden wir dann schauen müssen, wer an Bord kommt. Aber das ist ein Prozess, der sich noch etwas hinziehen wird.

Maserati oder Aston Martin werden auch als mögliche Neuzugänge gehandelt.

Da gilt das gleiche wie bei den japanischen Interessenten.

Warum schrecken so viele vor der DTM zurück?

Ein Hersteller prüft natürlich genau, ob sich für ihn der Aufwand für eine mehrjährige Beteiligung lohnt. Ich finde aber, dass das Verhältnis zwischen den technischen Anforderungen und dem, was letztlich an Werbewert dabei herauskommt, stimmt. Die DTM ist eine starke Plattform, der sogenannte „Return on Investment“ ist gut.

Mercedes steigt nach dieser Saison trotzdem aus. Das heißt, 2019 werden lediglich zwei Autobauer – Audi und BMW – um den Titel fahren?

Stand jetzt ist das so, ja. Es liegen, wie gesagt, noch keine Neuigkeiten auf dem Tisch, wobei wir durch die Angleichung der Reglements von DTM und Super GT-Serie entscheidende Rahmenbedingungen geschaffen haben.

Fußballtraditionalisten warnen häufig vor einer zu starken Internationalisierung des Kerngeschäfts. Die DTM muss eine solche offensiv angehen, oder?

Die DTM ist eine internationale Serie mit Wurzeln in Deutschland. Wir haben in dieser Saison fünf Rennveranstaltungen in Deutschland und fünf im Ausland. Wir wollen weiter internationalisieren, werden das aber sehr bedacht tun. In wichtigen Märkten wie Großbritannien oder Italien müssen wir noch bekannter werden. In Deutschland wurde die Marke DTM über 30 Jahre entwickelt, das fehlt woanders komplett. Da kommt dann Knochenarbeit auf uns zu.

Michael Schumacher fuhr 1990 und 1991 ein paar DTM-Rennen mit. Wie gut täte ein potenzieller neuer Star wie sein Sohn Mick der DTM?

Einer wie Mick Schumacher wäre für uns natürlich super! Aber ich denke, dass sein Weg nur über den Formelsport führen wird. Formel 3, Formel 2, dann Formel 1.

Sofern er dort ein Cockpit findet. Pascal Wehrlein, der wieder in der DTM gelandet ist, war zuletzt außen vor. Und der talentierte Esteban Ocon (Force India) scheint im nächsten Jahr auch eine Zwangspause einzulegen.

Bei Wehrlein bin ich mir gar nicht so sicher, ob er in der DTM bleibt – obschon er bei uns gern gesehen ist. Ich kenne seine Pläne nicht, alles ist offen, vielleicht auch ein Formel-1-Engagement. Aber im Moment scheinen die Türen zu zu sein. Schwierig.

Berger spricht über die Zukunft der Formel 1

Innovativ. Toto Wolffs Idee, drei Fahrer pro Formel-1-Team zu etablieren, findet Berger gut.

© imago/Eibner

Ocon stammt wie Wehrlein oder der talentierte Formel-2-Fahrer George Russell aus dem Nachwuchsförderprogramm von Mercedes. Alle scheinen im Kampf um ein Formel-1-Cockpit aussichtslos. Was läuft da schief?

Mercedes hat zwei Topfahrer mit Lewis Hamilton und Valtteri Bottas, das zum einen...

...wobei Bottas eher als Hamiltons Edelhefer agieren muss. Vielleicht will Hamilton neue interne Konkurrenz vermeiden.

Das glaube ich nicht. Bottas erhält vor jeder Saison eine neue Chance, sich gegen Hamilton durchzusetzen. Zum anderen ist es aber auch so, dass Mercedes auf Fahrern wie Ocon die Hand draufhat. Deshalb nehmen ihn die anderen Teams nicht – selbst wenn sie gerne würden. Es kann nicht sein, dass Ocon auf der Straße landet, der Junge ist total talentiert, technisch gut. Da kann ich nur an Toto Wolff...

...den Mercedes-Sportchef...

...appellieren und sagen: „Toto, setz ihn in eines deiner Autos!“

Wolff brachte kürzlich sogar eine Abschaffung seines Nachwuchsprogramms ins Gespräch. Verständlich?

Letztlich ist jeder für die Plätze seiner Jungs selbst verantwortlich und muss schauen, wo er sie unterbringt.

Ocons Platz bei Force India wird ziemlich sicher Williams-Fahrer Lance Stroll übernehmen – weil sein Vater den Rennstall aufgekauft hat. Bitter, oder?

Das ist eben die Formel 1, auch Ayrton Senna hat schon Sponsoren gehabt, die dann mitredeten, wo es lang geht. Das ist kein neues Phänomen.

Was halten Sie von Wolffs Idee, ein Formel-1-Team mit drei Fahrern antreten zu lassen?

Wenn das dritte Cockpit – wie von ihm ins Spiel gebracht – mit einem jungen Nachwuchsfahrer besetzt sein muss, wäre das gut. Es bliebe dann halt immer noch ein Grundproblem.

Und zwar?

Spannender würde der Wettbewerb an sich nicht. Die Topteams blieben wegen des deutlich besseren Materials immer noch unter sich. Und das wird sich bis 2020 auch nicht ändern, weil das „Concorde Agreement“, also der Vertrag zwischen dem Rechteinhaber und den Formel-1-Teams, bis dahin gilt. Ab 2021 muss sich dann aber was ändern, damit nicht nur Mercedes und Ferrari Siegchancen haben. Es bräuchte einen Leader, wie es einst Bernie Ecclestone war, der die Reformen zugunsten von mehr Chancengleichheit konsequent durchsetzt. Aktuell haben Ferrari und Mercedes zu viel Macht.

Ferrari setzt künftig auf den 20-jährigen Charles Leclerc neben Sebastian Vettel. Hat die Scuderia mehr Mut als Mercedes?

Es gibt immer Phasen, ob bei Ferrari, Mercedes oder Red Bull, in denen Nachwuchsfahrer mal besser und mal schlechter zum Zug kommen. Red Bull hat zum Beispiel mit Sebastian Vettel oder Max Verstappen zwei Piloten erfolgreich nach oben befördert, Mercedes mit Lewis Hamilton aber auch. Jetzt zieht eben Ferrari mal einen hoch. Das verschiebt sich immer ein bisschen.

Was wird sich für Vettel, der bisher Räikkönen zur Seite hatte, dadurch ändern?

Das Duell alt gegen jung wird auf jeden Fall sehr interessant. Leclerc ist ein ausgezeichneter Fahrer. Ich denke aber, dass das erste Jahr ihm vor allem als Lernphase dienen wird. Da sollte Vettel mit seinem Vorsprung an Erfahrung die Nase noch vorn haben.

Wieder als Vizeweltmeister vermutlich.

In der Formel 1 gibt es immer mal wieder Überraschungen, zum Beispiel kann auch Hamilton mal einen Totalausfall haben. Aber sein 40-Punkte-Polster auf Vettel ist schon komfortabel.

Vermissen auch Sie bei Ferrari den unbedingten Willen, dass alles für die Nummer eins getan wird?

Man kann tatsächlich hinterfragen, ob für den Spitzenfahrer alle Hebel in Bewegung gesetzt werden. Mercedes macht das gut, Ferrari scheint mir da nicht so konsequent. Das ist eine ganz andere Kultur als noch zu Zeiten, in denen Jean Todt Teamchef war. Dafür kann man übrigens auch Sympathien haben, erst recht für Kimi Räikkönen, für den das sicher toll ist. Aber wenn man die WM gewinnen will, wird es so schwer, das muss man dann in Kauf nehmen.

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