Hertha BSC vor dem Bundesliga-Neustart : Pragmatisch durch die Pandemie

Vor dem Neustart der Bundesliga am Samstag bei der TSG Hoffenheim empfiehlt Herthas Trainer Bruno Labbadia, sich an die Kindheit zu erinnern.

Bruno Labbadia (r.) setzt wieder auf Rune Jarstein im Hertha-Tor.
Bruno Labbadia (r.) setzt wieder auf Rune Jarstein im Hertha-Tor.Foto: Matthias Koch/Imago

Wenn die Fußball-Bundesliga am kommenden Wochenende ihren für lange Zeit ausgesetzten Spielbetrieb wieder aufnimmt, wird viel Ungewissheit mitspielen. Neun Wochen werden dann vergangen sein ohne Wettkampf, der überwiegende Teil der Zeit auch ohne richtiges Mannschaftstraining. Niemand weiß genau, auf welchen Level die Spieler stehen, wie groß die Verletzungsgefahr ist und welchen Einfluss das Spiel vor gänzlich leeren Rängen auf das Geschehen nehmen wird.

Die Mannschaft von Hertha BSC, am Samstag bei der TSG Hoffenheim zu Gast, konnte mit dem Teamtraining später beginnen als der Großteil der Liga. Bei ersten echten Trainingsspiel Elf gegen Elf vor einer Woche habe man gesehen, dass sich die Spieler erst wieder daran gewöhnen mussten – die Räume waren zu groß, auch die Abstände. Anfangs habe die normale Koordination auf dem Platz gefehlt. „Das war witzig mitanzusehen“, sagte Bruno Labbadia, „aber es ist eigentlich nicht witzig.“

Rune Jarstein wird am Samstag wieder im Tor von Hertha stehen

Herthas Trainer ist erst seit fünf Wochen im Amt, konnte vier Wochen lang nur jeweils mit Achtergruppe trainieren. Erschwerend für ihn kam hinzu, dass es für ihn nur eingeschränkte Möglichkeiten gab, mit den einzelnen Spielern Kontakt aufzunehmen und sich kennen zu lernen. Nach der Einheit hatten die Spieler umgehend das Trainingsgelände zu verlassen. Erst jetzt, da die Mannschaft sich im Quarantäne-Trainingslager befindet, gibt es dazu mehr Möglichkeiten. „Wir sollten das alles positiv sehen und nicht jammern“, sagte Labbadia und meinte mit Blick auf andere Top-Ligen Europas, „wir können spielen, andere nicht.“

Die Befremdlichkeiten, die ein Punktspiel ohne Zuschauer mit sich bringen könnte, wollen er und seine Spieler möglichst ausblenden. „Jeder von uns sollte sich an seine Jugend erinnern“, sagte der 54-Jährige, „als Kind hat man auch nicht vor 50.000 Leuten gespielt.“

Pragmatisch wie Labbadia die Dinge angeht, hat er entschieden, dass Rune Jarstein und nicht Thomas Kraft im Tor stehen wird. Ansonsten werde er die Spieler aufstellen, „von denen wir glauben, dass sie uns jetzt am meisten helfen“.

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Mit Erleichterung habe er die Kunde vernommen, dass die Trainer an der Seitenlinie während des Spiels von der Maskenpflicht befreit sind. „Ich muss ja Dinge reinrufen, auf dem Platz hört man jetzt mehr, es kann eine Chance sein, wenn man gut kommuniziert.“ Am Freitag werden Trainer und Spieler noch einmal auf das Coronavirus getestet. Für Bruno Labbadia wird es dann der fünfte Test sein.

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