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Das geht wohl gar nicht mehr. Die Radsportveranstaltung "Müggel Mortale" dürfte Geschichte sein am Müggelsee.
© dpa/Jensen

Naturschutzgebiet Müggelsee: Intakte Natur, kaputte Vereine?

Der Müggelsee soll unter Naturschutz gestellt werden: Einige Wassersportvereine befürchten nun, dass sie ihren Sportbetrieb komplett einstellen müssen

Weil der Müggelsee unter Natur- und Landschaftsschutz gestellt werden soll, streiten sich Wassersportler und der Senat. Einige Vereine befürchten sogar, dass sie ihren Sportbetrieb komplett einstellen müssen, sollte eine neue Verordnung zur Unterschutzstellung des Müggelsees in Kraft treten. Diese soll an diesem Mittwoch um 19 Uhr im Rathaus Köpenick vorgestellt werden. Alle Berliner Wassersportverbände sowie der Bezirkssportbund Treptow-Köpenick wollen ihre Zustimmung verweigern. Ruderer, Segler, Surfer und Kanuten sehen eine Gefährdung und fürchten sogar Verbote. Der Segelverein Rahnsdorf 1926 erklärte, die vorliegende Verordnung entziehe dem Verein die Existenzgrundlage.

Der Interessenkonflikt geht zurück auf das Jahr 1995, als das Land Berlin den Müggelsee als Fauna-Flora-Habitat und teilweise als Vogelschutzgebiet der Europäischen Union meldete. Da Vertragsfristen der EU zum Ende des Jahres auslaufen, ist Berlin nun dazu verpflichtet, das Gebiet rechtswirksam als Natur- und Landschaftsschutzgebiet auszuweisen. Andererseits droht eine Geldstrafe.

Für Heidolf Baumann, den stellvertretenden Vorsitzenden des Bezirkssportbunds Treptow-Köpenick, ist die neue Regelung „purer Aktionismus“. Winfried Wolf, Präsident des Berliner Segler-Verbands, fühlt sich sogar hintergangen. „Es wurden uns Zusagen gemacht, die nun in der Verordnung eingeschränkt sind“, sagt Wolf. „Wir fürchten um unseren Betrieb.“ Zu diesem zählt auch der Trainingsbetrieb eines Nachwuchsleistungszentrums, da durch Beschränkungen die „Gewässer zu klein“ werden sollen. Dabei geht es um Schutzgebiete, die vom Ufer auf den See hinausragen. Ursprünglich wurde ein Schutzgebiet vereinbart, das vom Ufer aus 150 Meter beträgt. Baumann hat nun Angst, dass die Gebiete wieder auf die von Naturschützern geforderten 500 bis 600 Metern ausgeweitet werden könnten.

Die Senatsverwaltung reagiert mit Unverständnis auf die Vorwürfe

Am 26. August hatte Andreas Geisel, Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, versichert: „Rudern, Kanu, Segeln, Schwimmen und andere Formen des Wassersports auf dem Großen Müggelsee und den angrenzenden Gewässern sind weiter möglich wie bisher und werden durch die Ausweisung als Landschafts- und Naturschutzgebiet nicht eingeschränkt.“ Obwohl es ein Beteiligungsverfahren aller Interessenverbände gab, haben Vertreter der Sportvereine aber kein Vertrauen in diese Aussage. Laut Thomas Kühr, dem Vorsitzenden des Vereins Rahnsdorfer Inseln, wurden die rund 700 Meldungen in diesem Verfahren allesamt „missachtet“.

Die Senatsverwaltung reagiert mit Unverständnis auf die Vorwürfe. „Es wurden alle 700 Eingänge eingearbeitet und abgewogen“, sagt Pressesprecher Martin Pallgen. „Das Ziel war, eine Balance zwischen Naturschutz und Wassersport zu finden. Es wird keine Einschränkungen für den Wassersport auf dem Müggelsee geben.“ Letztlich scheinen beide Seiten ähnliche Interessen zu haben. Heidolf Baumann betont: „Der Wassersport ist der Allerletzte, der etwas gegen die Natur hat. Im Gegenteil – der Sport braucht eine intakte Natur.“ Vielleicht finden beide Seiten bei den Gesprächen an diesem Mittwoch im Köpenicker Rathaus ja doch noch zusammen.

Rahul Rahman

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