• „Kuschelkurs mit Rechtsradikalen“: Rückkehr des Stadionsprechers in Chemnitz führt zu Kritik

„Kuschelkurs mit Rechtsradikalen“ : Rückkehr des Stadionsprechers in Chemnitz führt zu Kritik

Er verlas eine Trauerrede für einen Rechtsextremen: Sprecher Olaf Kadner soll beim Chemnitzer FC wieder eingesetzt werden. Der Insolvenzverwalter lehnt das ab.

Stadionsprecher Kadner soll schon gegen Jena zum Einsatz kommen.
Stadionsprecher Kadner soll schon gegen Jena zum Einsatz kommen.Foto: dpa

Der Chemnitzer FC kommt nicht zur Ruhe. Der Fußball-Drittligist hatte am Freitag mitgeteilt, Stadionsprecher Olaf Kadner wieder bei den Heimspielen einzusetzen. Die Entscheidung sorgt bei Insolvenzverwalter Klaus Siemon für Unverständnis. Der Jurist fühlt sich übergangen. „Ich bin als Gesellschafter und Insolvenzverwalter damit nicht einverstanden“, erklärte Siemon in einer Mitteilung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Zuvor hatte CFC-Geschäftsführer Uwe Hildebrand die Rückkehr Kadners angekündigt. Der Stadionsprecher solle schon am Samstag (14 Uhr) im Ostduell gegen den FC Carl Zeiss Jena zum Einsatz kommen. „Olaf Kadner war über 20 Jahre die Stimme des Chemnitzer FC. In vielen Gesprächen mit unseren Fans habe ich herausgehört, wie wichtig ihnen diese Stimme ist. Gemeinsam mit Karsten Kolliski hat er schon in der Vergangenheit ein verlässliches Duo für den CFC gebildet“, sagte Hildebrand. Kadner werde seine Aufgaben zukünftig gemeinsam im Wechsel mit den Radio-Moderatoren Kolliski und Eric Bader wahrnehmen. Pro Spieltag sollen jeweils zwei Sprecher bei den Heimspielen des CFC im Einsatz sein.

Siemon übte an der Entscheidung Kritik. „Das Zurück zum Kuschelkurs mit Rechtsradikalen wird dem CFC weder sportlich noch wirtschaftlich gut tun. Bedauerlich ist dies auch vor dem Hintergrund, dass ich am 18. September beim Insolvenzgericht einen Insolvenzplan eingereicht hatte, der auf ein baldiges Ende des Insolvenzverfahrens hoffen lässt“, hieß in der Erklärung Siemons.

Kadner hatte vor dem Regionalliga-Heimspiel des CFC am 9. März gegen die VSG Altglienicke vor der Südtribüne die Trauerrede für einen verstorbenen Rechtsextremen verlesen. Daraufhin hatte sich der Club von ihm und weiteren Mitarbeitern getrennt. In einer späteren Stellungnahme hatte Kadner beteuert, dass ihm der Text vom Veranstaltungsleiter so vorgefertigt übermittelt wurde.

„Wie auch in den letzten 22 Jahren hat sich der Stadionsprecher darauf verlassen, dass der am 09.03.2019 vorzutragende Text auch diesmal von den Verantwortlichen nach bestem Wissen und Gewissen verfasst wurde. Dieses Vertrauen des Stadionsprechers wurde missbraucht. Der Veranstaltungsleiter wies bei der Übermittlung darauf hin: Dieser oder kein Text wird es. Ist auch mit behördlichen Instanzen abgesprochen“, hatte Kadner schriftlich erklärt. (dpa)

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