Nach dem Pokalerfolg in Freiburg : Der 1. FC Union geht bissig in Richtung Derby

Der erneute Sieg gegen den SC Freiburg bringt Union viel Selbstvertrauen. Gegen Hertha BSC will Torwart Rafal Gikiewicz zeigen, "dass Berlin rot ist".

Mit viel Einsatz. Unions Anthony Ujah (links) gegen Freiburgs Nico Schlotterbeck.
Mit viel Einsatz. Unions Anthony Ujah (links) gegen Freiburgs Nico Schlotterbeck.Foto: Patrick Seeger/dpa

Vor dem Fanshop des Stadions An der Alten Försterei, der im Vereinsjargon des 1. FC Union offiziell als Zeughaus firmiert, herrschte am Mittwochmittag Hektik. Ein Kameramann und seine beiden Helfer waren bei der Arbeit. Sie wuselten über den Parkplatz vor der Haupttribüne. Vermutlich sammelte das Trio Impressionen vor dem Derby gegen Hertha BSC, das dort am Sonnabend um 18.30 Uhr angepfiffen wird. Unbemerkt von den Medienvertretern fuhr ein gewisser Marius Bülter durchs Bild. Der Mittelfeldspieler der Berliner kam mit dem Fahrrad zum Training. Der Alltag eines Profis kann eben auch ganz profan sein.

Einen Tag nach dem 3:1-Sieg in der 2. Runde des DFB-Pokals beim SC Freiburg trudelten die Kicker nach und nach in Köpenick ein. Die erste Phase der Regeneration hatten sie da schon hinter sich, nachdem die Mannschaft gegen ein Uhr nachts mit einer Chartermaschine in Berlin-Schönefeld gelandet war.

"Union verteidigt wie ein Tiger"

Mitgenommen aus dem Breisgau haben sie die Gewissheit, dass sie ein bisschen mehr in der Bundesliga angekommen sind – auch wenn es sich beim Sieg gegen den Tabellendritten um eine Pokal-Begegnung handelte. „Wir wissen, dass wir mit jeder Mannschaft mithalten können. Wir haben auch gegen die Bayern nur ganz knapp verloren“, sagte Offensivspieler Joshua Mees. „Freiburg kämpft auch immer bis zum Umfallen. Aber da können wir dagegenhalten. Das haben wir wie in der Liga gezeigt.“

Es ist gar nicht so lange her, dass die Mienen nach dem Abpfiff eher nachdenklich als euphorisiert waren. Vier Spiele hatte die Mannschaft von Trainer Urs Fischer am Stück in der Bundesliga verloren, ehe sie vor nicht einmal zwei Wochen die Freiburger daheim in der Meisterschaft relativ souverän mit 2:0 bezwungen hat. Nun brachte Union dem Sport-Club gleich die nächste Niederlage bei. Dessen Trainer Christian Streich erteilte Fischer deshalb quasi Hausverbot. „Urs, herzlichen Glückwunsch. Ich hoffe, du kommst jetzt nicht alle zehn Tage hierher. Sonst muss ich dir irgendwann sagen, ich möchte dich nicht mehr sehen“, scherzte Streich. „Wir haben es probiert. Wir hatten zwei, drei Torchancen. Es war aber brutal. Union läuft an, Union verteidigt wie ein Tiger.“

Auch wenn die Berliner sicher nicht für Hurra-Fußball bekannt sind, basiert ihre Spielweise nicht nur auf Abwarten. „Wir haben über 90 Minuten versucht, Freiburg immer wieder zu pressen, zu stören und an ihrem Spiel zu hindern. Das ist ein Gesicht von uns“, erklärte Fischer. „Wir hatten Spiele, in denen wir nahe dran waren, aber mit nichts dastanden. Im Moment geht es auf.“

Gegen Hertha kehrt Union wohl zur Viererkette zurück

Die Spieler können sich scheinbar schnell mit wechselnden Systemen anfreunden, selbst wenn wie in Freiburg sechs neue Akteure in der Startelf stehen. In der Regel wird jetzt taktisch der Gegner gespiegelt. In München begann Union wie die Bayern mit einer Viererkette. Gegen die Freiburger verteidigte Union in beiden Begegnungen mit einer Dreierkette. Gegen Hertha ist dementsprechend wieder ein 4-3-3 zu erwarten.

Beim Ex-Freiburger Rafal Gikiewicz sorgten die beiden jüngsten Siege für ein tolles Gefühl. Wenn man so wie gegen Freiburg auch gegen Hertha auftrete, gebe es eine Chance auf drei Punkte, so Gikiewicz. Der Torwart kündigt getreu dem Vereinsmotto an: „Am Samstag wollen wir zeigen, dass Berlin rot ist.“

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