Nebenschauplatz : "Schatz, wir arbeiten seit 14 Jahren erfolgreich #ZSMMN"

Nationalmannschafts-Organisator Oliver Bierhoff ist ein Meister des Manager-Sprechs. Ob er all die Floskeln auch im Alltag benutzt? Eine Glosse.

Stephan Reich
Erklärbär. Oliver Bierhoff, anerkanntes Sprachrohr der Nationalelf.
Erklärbär. Oliver Bierhoff, anerkanntes Sprachrohr der Nationalelf.Foto: Ina Fassbender/dpa

An der Obsttheke im Supermarkt, Bierhoff schlawienert rastlos um die Äpfel herum. Ein Supermarkt-Mitarbeiter tritt an ihn heran.

Supermarkt-Mitarbeiter: „Kann ich Ihnen helfen?“

Bierhoff (zeigt auf die Äpfel): „Ja gut, ich werde mir jetzt sicher nicht einen einzelnen rauspicken. So etwas wird es bei uns nicht geben.“

Supermarkt-Mitarbeiter (irritiert): „Äh, also wollen Sie gar keine Äpfel?“

Bierhoff: „Es bringt doch nichts, jetzt zu spekulieren. Es steht mir auch gar nicht zu, das zu beurteilen.“

Supermarkt-Mitarbeiter: „Geht es Ihnen nicht gut? Sie schwitzen.“

Bierhoff: „Es tut mir leid, ich habe mich da falsch ausgedrückt und dadurch eine Missinterpretation hervorgerufen. Was ich sagen wollte war: Ich habe mich für einen Apfel entschieden, und dazu stehe ich auch.“

Supermarkt-Mitarbeiter (reicht Bierhoff einen Apfel): „Bitte.“

Bierhoff: „Ja gut, wie gesagt, danke.“

Zuhause, ein abgedunkeltes Wohnzimmer, Regen peitscht an die Scheibe.

Ehefrau (dramatisch rauchend): „Ich will die Scheidung.“

Bierhoff (beschwichtigend): „Schatz, wir arbeiten seit nunmehr 14 Jahren vertrauensvoll und erfolgreich #ZSMMN.“

Ehefrau: „Was?“

Bierhoff: „Zusammen, Schatz. Wir müssen jetzt die richtigen Schritte einleiten und umsetzen, uns auch mal offen und ehrlich kritisieren.“

Ehefrau (drückt die Zigarette aus): „Es geht einfach nicht mehr.“

Bierhoff: „Zunächst muss die Analyse stehen. Dabei ist es wichtig zu differenzieren und auch die Vergangenheit im Blick zu haben. Wir müssen alles auf den Prüfstand stellen, personell und strukturell.“

Ehefrau: „Personell? Hast du etwa eine andere?“

Bierhoff: „Es bringt doch nichts, jetzt zu spekulieren. Aber es gilt eine Balance zu finden. Kommerzialisierung und Nähe müssen sich nicht ausschließen.“

Ehefrau (steht auf und geht): „Du hörst von meinem Anwalt.“

Bierhoff: „Solche Aussagen sind unnötig und falsch. Wir brauchen keine Alibis zu suchen, sondern müssen auf uns schauen. Schatz? Schatz?“

Beim Skat-Abend, mit den Jungs.

Kumpel #1: „Verdammt, schon wieder verloren.“

Bierhoff: „Wir müssen jetzt alles hinterfragen. Und ich habe mich ehrlich gefragt, ob ich die Energie habe, den Umbruch einzuleiten.“

Kumpel #2: „Oli, du bist dran mit mischen.“

Bierhoff (mischend): „Wir müssen Strukturen schaffen, mit denen wir die Herausforderungen meistern können und uns immer weiterentwickeln. Es muss alles auf den Prüfstand, jeder Stein muss umge…“

Kumpel #3: „Oli, bitte.“

Bierhoff (murmelnd): „Vielleicht war bei uns allen die letzte Bereitschaft nicht vorhanden. Wir waren alle im Fahrwasser des Erfolges. Das ist natürlich enttäuschend.“

Kumpel #2: „Jungs, ich glaub, ich muss los.“

Kumpel #1 und #3 (zeitgleich): „Ich komme mit.“

Bierhoff (beleidigt aufräumend): „Das ist absolut nicht ok, dass hier ein einzelner an den Pranger gestellt wird.“ (Wischt die Chipskrümel vom Tisch) „Vielleicht haben die entscheidenden Prozent gefehlt, wir sind nicht als Einheit aufgetreten.“ (Löscht das Licht) „Aber jetzt alles in Frage zu stellen? Das ist keine Art, mit Menschen, die über Jahre hinweg viel geleistet haben, umzugehen.“

Beim Gassigehen, mit dem Hund.

Nachbarin: „Herr Bierhoff, es tut mir leid, aber es gab schon wieder Probleme mit ihrem Fiffi.“

Bierhoff: „Ja gut, wir verlangen einerseits Hunde, die ihren eigenen Weg gehen, keine angepassten und weichgespülten.“

Nachbarin: „Was?“

Bierhoff: „Die Typenfrage.“

Nachbarin: „Er hat wieder bei uns in den Garten gemacht.“

Bierhoff: „Also man muss doch jetzt nicht alles schlechtreden. Ich habe meine Haustiere bislang noch nie zu etwas gezwungen, sondern immer versucht, sie für eine Sache zu überzeugen. Dass das nicht immer klappt, ist doch auch klar.“

Nachbarin: „Er war auch wieder bei Meiers am Beet.“

Bierhoff: „Also da möchte ich zu diesem Zeitpunkt nichts zu sagen. Aber ich kann Ihnen versichern, dass wir jetzt alles auf den Prüfstand stellen werden. Ein weiter so kann und wird es nicht geben.“

Nachbarin: „Er frisst dort die Blumenzwiebeln. Die sind teuer.“

Bierhoff: „Das klären wir intern. Komm, Fiffi.“

Im Schwimmbad, auf dem Fünf-Meter-Turm.

Bierhoff (an der Kante stehend): „Ja gut, diesen Herausforderungen müssen und werden wir uns jetzt stellen.“

Kind hinter Bierhoff: „Springen Sie jetzt oder nicht?“

Bierhoff: „Aber wir dürfen jetzt auch nichts überstürzen. Zunächst wird es darum gehen, frei von Emotionen alle Aspekte herauszuarbeiten. Dabei ist es wichtig zu differenzieren und auch die Vergangenheit im Blick zu haben. Bin ich schon mal vom Fünfer gesprungen?“

Kind (nörgelnd): „Mir ist kalt.“

Bierhoff (bestimmt): „Wir werden uns da nicht treiben lassen. Wir haben die Energie, die Bereitschaft und den Willen, die richtigen Schritte einzuleiten und umzusetzen. Ganz sicher.“

Kind: „Mir ist kahaalt. Hallo Sie, darf ich vor?“

Bierhoff: „Zunächst muss die Analyse stehen.“

Kind (zitternd): „Was?“

Bademeister: „He, Sie! Springen Sie jetzt, oder was?“

Bierhoff: „Die Psychologie spielt da eine wichtige Rolle. Wir tun uns schwer, wenn es nicht läuft. Da fehlt dann die Lockerheit, die entscheidenden Prozent. Wir werden aber sicherlich nichts überstür...“

Kind: *schubst*

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