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 Richard Vogel und Sophie Hinners gehen in der WM-Vorbereitung getrennte Wege. (Archivbild)

© Stefan Lafrentz/Sportfotos Lafrentz/dpa

Reitsport: Springreiter zwischen Turniersterben und Rekord-Preisgeld

Es gibt immer weniger große Reitturniere in Deutschland, dafür Millionen-Verlockungen in Übersee. Was das für die Reiter bedeutet und für die Vorbereitung auf die Heim-WM in diesem Jahr.

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Das Traumpaar des deutschen Pferdesports geht beim Start ins Jahr der Heim-WM getrennte Wege. Europameister Richard Vogel reitet viele Wochen bei einer Millionen-Serie in den USA, und seine Freundin Sophie Hinners startet bei nicht weniger lukrativen Turnieren im Nahen Osten. In Deutschland sind die beiden Springreiter in den kommenden Monaten eher selten zu sehen - und das gilt auch für die anderen Kandidaten für die Weltmeisterschaft in Aachen.

„Wenn du vorankommen willst, musst du reisen“, sagt Otto Becker, Bundestrainer der Springreiter. „Die Turniere sind weltweit. Es gibt viele Angebote, das ist erfreulich.“ Bei Auslandseinsätzen sei es aber umso wichtiger, vernünftig zu planen.

Der Europameister jettet zwischen Deutschland und den USA

Vogel reitet ebenso wie Olympiasieger Christian Kukuk mehrere Monate im sonnigen Florida und jettet dafür zwischen Europa und den USA hin und her. Mit einem Rekord-Preisgeld von 16 Millionen US-Dollar lockt eine Serie von Turnieren in Wellington. Und beide Reiter machen zudem Abstecher ins etwa 400 Kilometer entfernte Ocala, wo es insgesamt elf Millionen US-Dollar zu verdienen gibt. So etwas gibt es in Deutschland nicht.

Vogels Partnerin Hinners startet bereits seit dem zweiten Weihnachtstag in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Wie die WM-Kandidaten Marcus Ehning und Christian Ahlmann plant die EM-Reiterin des Vorjahres zudem Starts in Katar. Allein in Doha vermerkt der Kalender des Weltverbandes FEI in den ersten drei Monaten des neuen Jahres neun Turniere auf dem höchsten Preisgeld-Niveau mit fünf Sternen. Zum Vergleich: Im ganzen Jahr 2026 gibt es in Deutschland gerade einmal fünf solcher Fünf-Sterne-Turniere - so wenig wie noch nie.

„In Deutschland werden es leider immer weniger Turniere“

Das Turniersterben hat sich hierzulande gnadenlos fortgesetzt. Hoch dotierte Veranstaltungen wie in Bremen, Hannover, Kiel, München oder Berlin sind längst Geschichte. Auch den starken Mittelbau mit Braunschweig, Offenburg, Oldenburg, Spangenberg oder Donaueschingen gibt es nicht mehr.

„In Deutschland werden es leider immer weniger Turniere“, sagt der Bundestrainer. „Früher kamen die Reiter hierher, um etwa bei der Riders Tour zu starten.“ Doch die einst von Paul Schockemöhle ersonnene Serie wurde vor zwei Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt.

Kein Fünf-Sterne-Nationenpreis in Deutschland

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung erlebt in diesem Jahr zudem die Blamage, keinen Nationenpreis auf Fünf-Sterne-Niveau zu haben. Wegen der WM in Aachen fällt in diesem Jahr der traditionsreiche Wettbewerb für Nationalteams aus, der normalerweise zum Programm des CHIO gehört. Ersatzort war das Mannheimer Turnier - doch das gab den Zuschlag aus finanziellen Gründen wieder zurück und bietet nur einen kleineren Drei-Sterne-Nationenpreis an.

„Auch aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit und der aktuell wirtschaftlich herausfordernden Rahmenbedingungen“ sei es nicht gelungen, ein passendes Turnier zu finden, sagt Dennis Peiler, Vorstandsvorsitzender des Verbandes. „Ein Fünf-Sterne-Nationenpreis erfordert in der Regel langfristige, stabile Partnerschaften zwischen Veranstaltern und Sponsoren.“

„Die Topreiter fahren dahin, wo es das meiste Preisgeld gibt“

Das seit Jahren zu beobachtende Turniersterben habe sich durch die Coronaphase beschleunigt, sagt Volker Wulff, viele Jahre Deutschland größter Turnierveranstalter. „Covid hat uns sehr gebeutelt.“ Grundsätzlich gelte: „Veranstaltungen in Deutschland sind sehr teuer“, die Kostensteigerungen seit 2020 lägen in einigen Bereichen bei bis zu 100 Prozent. Und durch die wirtschaftliche Situation gebe es weniger Sponsoren.

„Die Topreiter fahren dahin, wo es das meiste Preisgeld gibt“, sagt Turnierveranstalter Wulff. „Das müssen sie auch, das ist ihr Beruf, davon leben sie.“ Zudem ist in den USA und im Nahen Osten der Pferdehandel lukrativer, der für viele Reiter ein wichtiges Standbein ist.

Für den Bundestrainer hat das Turniersterben hierzulande ebenfalls Folgen. „Ich war noch nie so viel unterwegs wie in den letzten zwei Jahren“, sagt Becker. Will er die Topreiter mit ihren Toppferden live und nicht nur im Video sehen, muss er ebenfalls weit fliegen.

© dpa-infocom, dpa:260107-930-507761/1

Das ist eine Nachricht direkt aus dem dpa-Newskanal.

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