Robert Förstemann : „Ich will ein Statement setzen“

Der Bahnradsprinter spricht im Interview über seinen Wechsel in den Para-Sport - und warum er sich gegen Olympia in Tokio entschieden hat.

Cäcilia Fischer
Robert Förstemann, 33, gewann 2012 im Teamsprint mit der deutschen Mannschaft bei den Olympischen Spielen Bronze. Nun ist der Bahnradfahrer aus Thüringen in den Paralympischen Sport gewechselt und startet als Guide des sehbehinderten Kai Kruse bei der Bahn-WM am Samstag in Apeldoorn im 1000-Meter-Zeitfahren.
Robert Förstemann, 33, gewann 2012 im Teamsprint mit der deutschen Mannschaft bei den Olympischen Spielen Bronze. Nun ist der...Foto: Annegret Hilse/dpa

Herr Förstemann, wie geht es Ihnen nach dem schweren Sturz im Januar?

Nur die Beschleunigung aus dem Stand bereitet noch Probleme, durch die Schmerzen in der Schulter. Auf den ersten 30 Metern spüre ich sie beim Anziehen, bin da jetzt bei vielleicht 70 Prozent meiner Leistung. Mein Arzt meinte aber, er hätte noch nie ein gebrochenes Schulterbein gesehen, das so schnell zusammengewachsen ist wie meines. Ich würde auch nicht starten, wenn es ärztlich nicht ratsam wäre.

Sie starten bei der paralympischen Bahn-WM im Zeitfahren. Im Teamsprint als Guide des sehbehinderten Kai Kruse. 2012 haben sie mit dem deutschen Team in London Bronze gewonnen. Nun haben Sie sich mit ihrer Neuausrichtung gegen Olympia in Tokio entschieden. Warum sind Sie in den paralympischen Sport gewechselt?

Ich wollte eigentlich schon nach Tokio. Ich habe auch noch immer meine Lizenz und werde Ende März bei den Sixdays in Manchester starten. Aber den Bahnradsport jetzt aus einer anderen Perspektive zu sehen und mit dem Tandem einen neuen Aufgabenbereich zu haben, das gefällt mir und macht Spaß. Ich bin 15 Jahre für mich alleine gefahren, war ein Einzelkämpfer. Jetzt gemeinsam zu agieren und ein gemeinsames Ziel zu verfolgen, das ist für mich eine schöne, neue Erfahrung.

Welche Rolle spielte der Sturz bei der Entscheidung für das Paracycling?

Keine, denn die Entscheidung war vorher schon gefallen und ich wartete gerade auf das Go, als der Unfall passierte.

Gab es da nicht Widerstände?

Wenige. Ich war ja schon immer an vielen sportlichen Dingen interessiert, auch im paralympischen Bereich. Ich will Vorreiter sein für das Paracycling und ein Statement setzen. Zudem ist mein Trainer Emanuel Raasch 1991 Weltmeister im Tandemfahren geworden. Als er und Kai Kruse mich dann Mitte letzten Jahres fragten, ob ich sie als Pilot auf dem Tandem unterstützen würde, war ich dennoch überrascht. Die Entscheidung fiel auch nicht von heute auf morgen. Ich habe erst meine Verwandten, dann meinen Arbeitgeber, die Bundespolizei, und den Bundestrainer informiert. Die stehen zu 100 Prozent zu mir.

Bei welchem Verein trainieren Sie jetzt?

Ich bin noch beim RSC Cottbus, bin aber am 31. Dezember 2018 aus dem Bund Deutscher Radfahrer ausgeschieden und seit dem 1. Januar beim Deutschen Behindertensport-Verband gemeldet. Kai trainiert für Schwerin, aber wir suchen bereits nach einem gemeinsamen Verein.

Das klingt aufwendig. Was reizt Sie denn eigentlich am Paracycling?

Es ist für mich das Paradebeispiel für Inklusion. Aktuell ist die Disziplin zwar nicht olympisch, aber eine Medaille bei den Paralympics ist nicht weniger wert als eine bei Olympia. Wenn wir Gold holen, wäre das sogar ein größerer Erfolg für mich als Bronze in London im Teamsprint.

Was ist jetzt im Training anders?

Mein Trainingsschwerpunkt hat sich bei den Belastungszeiten verändert. Ich mache jetzt Kraft mit Rad, wie man so schön sagt. Der Aufwand ist fast noch höher als zuvor, da ich das normale Bahnradfahren mit dem paralympischen kombiniere. Und umso schneller ich bin, desto schneller ist das Tandem. Wir haben im Dezember angefangen zu trainieren, dann kam leider mein Sturz. Ich bin aber bereits wieder im Velodrom gefahren und da auch im Stehen. Nach den ersten zwei, drei Wochen Training gab es einen Test in Frankfurt und ich war ganz gut dabei.

Welche Medaillenchancen rechnen Sie sich für die WM in Apeldoorn aus?

Ich sehe uns zwischen Platz fünf bis acht. Das wäre auch ein guter Einstand. Danach geht es weiter in Richtung Paralympics. Wir machen keine halben Sachen, 2020 ist das Ziel. Ich kann übrigens weiterhin alle Sprint-Einzelkämpfe bei den Nichtbehinderten unterhalb des Weltcups bestreiten. Dazu zählen unter anderem die Deutschen Meisterschaften und die Sechstage-Rennen wie die Sixdays Ende März in Manchester.

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