Rodelsaison startet ohne Topfahrerin Geisenberger : Babybauch statt Sonnenschein

Am Wochenende beginnt für die Rodler eine Saison des Umbruchs. Weil Natalie Geisenberger fehlen wird, richtet sich der Fokus umso mehr auf Felix Loch.

Fokussiert. Erstmal aber auf den Nachwuchs, wird sich Natalie Geisenberger sagen.
Fokussiert. Erstmal aber auf den Nachwuchs, wird sich Natalie Geisenberger sagen.Foto: Tobias Hase/dpa

Geschockt sei er nicht gewesen, entgegnet Felix Loch und lächelt. Natalie Geisenberger habe ihm die Nachricht von ihrer Schwangerschaft persönlich überbracht. „Es war irgendwo absehbar, und ich freue mich total für sie“, sagte der dreimalige Rodel-Olympiasieger der Deutschen Presse-Agentur, der selbst zweifacher Vater ist. Aber er gibt auch zu: „Es ist schon anders ohne sie bei den Lehrgängen.“

Seit ihrer Kindheit hat Lochs Vater und Trainer Norbert die beiden betreut. Als Trainingsgruppe Sonnenschein feierten sie mit den Doppelsitzern Tobias Wendl und Tobias Arlt ihre größten Erfolge. Nun macht die „Bayern-Connection“ erst mal alleine weiter - wenngleich Loch vorhersagt: „Natalie wird eh nicht ganz weg sein. Sie bleibt in unserer WhatsApp-Gruppe, dort bekommt sie eh alles mit.“

Auch Eitberger und Hüfner fehlen

Im April erwartet Geisenberger, die sieben Mal nacheinander den Gesamtweltcup gewann, ihr erstes Kind. Die über Jahre dominanten deutschen Frauen müssen damit in der am Samstag in Igls startenden Weltcup-Saison auf das Aushängeschild verzichten.

„Ihre Pause ist ein großer Verlust und sicher schwierig zu kompensieren“, sagt Loch, zumal auch die Olympia-Zweite Dajana Eitberger eine Babypause einlegt und Tatjana Hüfner ihre Karriere beendet hat. Im Januar verhalf Geisenberger Loch noch zum WM-Triumph, als sie ihm in Winterberg kurzerhand ihre Schienen lieh.

Der zweimalige Einzel-Olympiasieger war in der vergangenen Saison bis dahin ohne einen Weltcupsieg, holte sich dort aber den Titel zurück - seinen sechsten insgesamt. Der konnte ihn zwar versöhnen, nicht aber die Probleme überdecken. Denn eine Saison wie die letzte wurmt den Perfektionisten Felix Loch. „In den Jahren davor habe ich fahrerisch nie so viele Fehler gemacht“, erklärte er.

Auf ihn kommt's an. Felix Loch soll die deutsche Rodel-Fahne hochhalten.
Auf ihn kommt's an. Felix Loch soll die deutsche Rodel-Fahne hochhalten.Foto: Martin Schutt/dpa

Dazu kam die Ungewissheit, ob das Material passt. „Ich will nicht sagen, dass man in einen Teufelskreis gerät. Aber wenn auch der Schlitten nicht passt und du dir nicht sicher sein kannst, Abstimmungsprobleme auch mal auskorrigieren zu können, ohne dass es brenzlig wird, dann verunsichert es natürlich.“

Zur neuen Saison will der 30-Jährige wieder angreifen. Innsbruck ist die erste von neun Weltcup-Stationen. Höhepunkt ist die WM auf der Olympia-Bahn in Sotschi im Februar. Dort könnte Loch mit seinem siebten Einzeltitel alleiniger Rekordhalter werden.

„Wenn es so kommen sollte, wäre es natürlich perfekt. Die Vorbereitung war super. Ich bin zuversichtlich, dass ich gut reinkomme und ganz vorne mitfahren kann“, sagte er. Durch die Situation im Frauenteam, wo die Hoffnungen nun auf der WM-Zweiten Julia Taubitz aus Oberwiesenthal ruhen, wird sich der Fokus wohl mehr auf die Männer richten. Bundestrainer Loch mahnt: „Als erwartungsfrohe Rodelnation müssen wir demütig werden und kleinere Brötchen backen. Der Übergang wird nicht nahtlos funktionieren.“

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