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Gerangel zum Schluss: Hertha verlor am Ende das Spiel und auch Vedad Ibisevic.
© Tobias Schwarz/AFP

Kolumne: Auslaufen mit Lüdecke: Wir von Hertha BSC brauchen die Punkte nicht

Hertha BSC verliert und das ist gut so. Weil dann ist das Meisterschaftsrennen spannend und die Berliner Fans hoffen nicht vergebens, meint unser Kolumnist.

Wenn man lieber ein tolles Spektakel sehen möchte als ein laues 1:0, dann darf man sich nicht beschweren. Was für ein prima Fußballspiel im ausverkauften Olympiastadion! Mit vielen Toren, Platzverweisen und jeder Menge Gesprächsangeboten. Und einer wirklich fulminanten Schlussphase! Die Rote Karte für Ibisevic ist natürlich an Skurrilität und kompletter Sinnfreiheit kaum zu übertreffen. Aus Gründen der Frustration wirft er den Ball Richtung gegnerischen Torwart. Trifft er nicht, gibt es Gelb. Aber der Ball landet natürlich am Kopf des Keepers. Ibisevic ist ein viel zu guter Schütze, um sich diesen Platzverweis entgehen zu lassen.

Das Endergebnis, nun ja. Hätte man sich natürlich auch anders vorstellen können. Gleichwohl bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Borussia Dortmund diese drei Punkte derzeit besser brauchen kann als Hertha BSC. Die Berliner haben mit ihrer Niederlage die Meisterschaft offen gehalten, und das ist doch anerkennenswert! Was würde ein Berliner Sieg bedeutet haben? Eine kurzfristige Euphorie, die sich dann nach dem 0:2 gegen Leipzig im nächsten Spiel wieder relativiert hätte.

Hertha kann mehr als Platz zehn

Herthas Saison ist gelaufen. Ich bleibe dabei: Diese Mannschaft hat viel mehr Potenzial als für Platz zehn. Warum sie einfach nicht zu einer Konstanz finden will, bleibt ein Mysterium. Ein Nebenprodukt dieser Entwicklung ist leider, dass uns nun einige Spieler verlassen werden. Jene nämlich, die sich persönlich höhere Ziele gesteckt haben, als mit dem Hertha-Dampfer durchs Mittelfeld zu schippern. Da muss man dann hoffen, dass es mit dem Nachwuchs so positiv weiter geht und man auch weiterhin so gute Einkäufe tätigt. Wir hoffen also auf die nächste Saison. Haben wir ja immer gemacht.

Bei kleinen Stimmungstiefs behelfe ich mir manchmal mit Schadenfreude. Es ist zwar ein kleiner, mieser Trick, aber mitunter funktioniert er. Hannover zum Beispiel entließ den Trainer, um Druck von der Mannschaft zu nehmen. Nun kann sie viel entspannter unter dem neuen Übungsleiter verlieren. Nach sieben Spielen stehen bereits sechs Niederlagen zu Buche, bei 6:20 Toren. Muss man auch erst mal schaffen. Auch die Schalker haben den Trainer gewechselt und machen mit einer Niederlage da weiter, wo sie aufgehört hatten. So gesehen – es könnte alles viel schlimmer sein. Jetzt kommt der Frühling. Und irgendwann darf auch Kunstschütze Ibisevic wieder mitspielen.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

Frank Lüdecke

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